"Anleger hegen Zweifel an den Buchwerten und fürchten massive Abschreibungen", sagt auch Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Banken haben inzwischen ihre Bilanzen weltweit um 195 Mrd. Dollar berichtigt, um die Folgen der amerikanischen Immobilienkrise zu verarbeiten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hält inzwischen Gesamtverluste von sogar 600 Mrd. Dollar für möglich.
Obwohl die bisher größten Verluste bei US-Banken aufgetreten sind, notieren europäische Bankaktien noch niedriger als amerikanische. In der Nähe ihres Buchwerts oder sogar darunter liegen in den USA nur Kreditinstitute, die bereits massive Milliardenabschreibungen vornehmen mussten wie Bank of America, Citigroup und Bear Stearns.
Hingegen bestrafen Anleger in Europa auch jene Banken mit heftigen Abschlägen, die bisher relativ glimpflich durch die Krise steuern. Die Investoren gehen offenbar davon aus, dass in Europa noch besonders viele Probleme in den Bilanzen versteckt werden. "Wenn Josef Ackermann sagt, die Ertragsziele der Deutschen Bank seien vielleicht nicht zu erreichen, dann sagt er damit zwar die Wahrheit, weil Prognosen derzeit wirklich nicht möglich sind. Doch er schürt damit das Misstrauen der Anleger", sagt Gottfried Heller, Chef der Fiduka-Vermögensverwaltung.
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Der langjährige Weggefährte des verstorbenen Börsenaltmeisters André Kostolany, der bei seinen Anlageentscheidungen stets auf konservative Kennzahlen wie den Buchwert setzte, hält diese Bewertungskriterien in der jetzigen Krise jedoch für trügerisch: "Vor fünf Jahren fuhren Anleger gut damit, auf Unternehmen mit niedrigem Kurs-Buchwert zu setzen. Doch jetzt erleben wir eine Finanzkrise, deren Ausmaß wir noch nicht kennen."
Zwischen Herbst 2002 und Frühjahr 2003 waren viele deutsche Bankaktien schon einmal unter die Buchwerte gerutscht. Commerzbank-Aktien kosteten damals nicht einmal die Hälfte ihres Buchwerts, Deutsche-Bank-Titel waren 20 Prozent billiger. Auch viele Industriekonzerne notierten ähnlich schwach. Wer damals als Kapitalanleger auf Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis setzte, bewies ein goldenes Händchen: In den folgenden vier Jahren verdreifachten fast alle diese Aktien ihren Wert. "Darauf heute wieder zu setzen ist jedoch fahrlässig", sagt ein Bankenanalyst einer Frankfurter Großbank: "Die nächsten Quartale werden zeigen, dass wir bei den Abschreibungen jetzt erst die Spitze des Eisbergs sehen."

