Nach drastischen Kursverlusten will die Beteiligungsgesellschaft Arques das Vertrauen der Anleger durch Konzentration auf das Stammgeschäft – dem Kauf von sanierungsbedürftigen Firmen – zurückgewinnen. Dass dies gelingt und das Unternehmen seine Ziele für das laufende Jahr erreicht, daran gibt es unter Analysten Zweifel.
MÜNCHEN. "Es ist sehr viel Vertrauen zerstört worden", sagte Arques
-Chef Michael Schumann dem Handelsblatt mit Blick auf den Rücktritt seines Vorgängers Martin Vorderwülbecke Anfang des Jahres nach nur neun Monaten im Amt. Erstmals deutete Schumann indirekt an, dass der Kauf des Computergroßhändlers Actebis - die bisher größte Arques
-Akquisition - ein Fehler gewesen sei. Einige Analysten sehen die Entwicklung der Starnberger Firma skeptisch.
Der Arques
-Aktienkurs ist von rund 40 Euro im vergangenen Sommer auf weniger als sechs Euro gefallen. Dafür verantwortlich waren auch die Führungswechsel im Unternehmen. Zunächst verabschiedete sich Gründer Peter Löw - und machte kräftig Kasse. Vorderwülbecke folgte ihm bald, gemeinsam wollen sie eine eigene Investmentfirma aufmachen. An der Spitze des Unternehmens steht nun Akquisitionsvorstand Schumann. Er will die Firma in ruhigeres Fahrwasser bringen. "Die Performance des Unternehmens hat sich ja nicht verschlechtert, ganz im Gegenteil sind wir operativ besser geworden", sagte er. Im ersten Quartal hätten die Portfolio-Unternehmen erstmals einen positiven Cash-Flow erwirtschaftet. Das sei ein Zeichen der Sanierungserfolge. Arques
sei zuversichtlich, die Ziele für 2008 zu erreichen.
Daran gibt es unter Analysten Zweifel. Gelinge es Arques
nicht, Actebis wie geplant an die Börse zu bringen, werde die Firma das Gewinnziel verfehlen, glaubt Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe. "Es ist fraglich, ob man in diesem Umfeld in diesem Jahr einen Börsengang über die Bühne bringen kann." Auch die Experten von HSBC
sehen die Actebis-Beteiligung als "kritischen Faktor". Da es nur wenige Details zu Actebis gebe, habe Arques
eine Art "Black-Box-Charakter".
Arques
ist auf den Erwerb von sanierungsbedürftigen Unternehmen spezialisiert. Meist werden die Firmen für einen symbolischen Kaufpreis erworben. Schon beim Erwerb verbucht Arques
einen Gewinn (Bar-gain Purchase), wenn der Preis unter dem Substanzwert lag. Nach einigen Jahren braucht die Beteiligungsgesellschaft dann einen guten Ausstieg. Bisher waren die Engagements meist erfolgreich. Beim Erwerb der früheren Otto-Tochter Actebis ist Arques
vom Geschäftsmodell abgewichen: Das Unternehmen ist kein Sanierungsfall. Mit zuletzt 3,6 Mrd. Euro Umsatz ist Actebis zudem um ein Vielfaches größer als die üblichen Arques
-Beteiligungen. Die Firma macht fast die Hälfte des Werts des Beteiligungsportfolios aus.

