Assekuranz 2014: Versicherer schimpfen über die Arbeitsministerin

Assekuranz 2014
Versicherer schimpfen über die Arbeitsministerin

Führende Versicherungsmanager nehmen die Rentenpolitik der Arbeitsministerin Andrea Nahles aufs Korn. Auf der Handelsblatt-Tagung in München forderten sie weniger Umlage und mehr private Vorsorge.
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MünchenDie Versicherungsbranche gilt als zurückhaltend. Doch auf der Handelsblatt-Tagung „Assekuranz 2014“ in München nahmen einige wichtige Manager aus der Branche kein Blatt vor den Mund. Sie kritisierten die neue Bundesregierung in harscher Form.

Er würde gern einmal mit Frau Nahles ein Abendessen verbringen, sagte Werner Görg, Chef der Gothaer Versicherung vor den Vertretern der Versicherungswirtschaft. Er wüsste gern, wie sich die Arbeitsministerin die Zukunft der Sozialversicherung vorstellt.

Das Dinner dürfte für die SPD-Ministerin kein Zuckerschlecken werden: Er zweifle sehr, dass sie ihm nach einem solchen gemeinsamen Abendessen dann noch den Vorsitz irgendeiner Arbeitsgruppe zu dem Thema anbieten würde, scherzte Görg in Reaktion auf eine Frage aus dem Publikum.

Das Bundeskabinett hatte Ende Januar den Gesetzentwurf von Andrea Nahles gebilligt. Vorgesehen ist danach eine Rentenaufbesserung für ältere Mütter, eine erhöhte Erwerbsminderungsrente und die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren.

An den bisherigen Planungen für die Rente mit 63 gibt es aber massive Kritik. Auch Nikolaus von Bomhard, Chef des Munich Re, fand klare Worte. Was die Bundesregierung in ihren ersten 100 Tagen durchgesetzt habe, sei „das Gegenteil dessen, was es braucht“, sagte er.

„Weniger Umlage, mehr private Vorsorge“, forderte der Manager. „Auch wenn uns die Bundesregierung glauben machen möchte, es gäbe kein Problem des umlagefinanzierten System, ist es natürlich anders.“ Von Bomhard sieht einen „enormen Raum“ für die Assekuranz, ihr Produkt auf Basis der Elemente Sparen plus Langlebigkeitsabsicherung ins Spiel zu bringen. „Aber: Die Lebensversicherung wird sich angesichts der Rahmenbedingungen, die wir heute haben, verändern müssen.“

Kommentare zu " Assekuranz 2014: Versicherer schimpfen über die Arbeitsministerin"

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  • "Auf der Handelsblatt-Tagung in München forderten sie weniger Umlage und mehr private Vorsorge. "

    Dafür habe ich völliges Verständnis. Dennoch sollte es nicht um die private Vorsorge der Versicherungsmanager sondern um die provate Vorsorge der Versicherten gehen.

    Richtig wäre es seitens des Gesetzgebers darüber nachzudenken, ob Versicherer weiterhin Verträge anbieten dürfen, wenn nicht sicher gestellt ist, dass die Kunden ihr Geld wieder zurück erhalten.

    Diese Forderung beginnt da, wo seitens der Versicherer Transparenz gefordert wird. Dabei geht die Forderung bewusst nicht auf mehr Transparenz sondern überhaupt nach Transparenz.

    Wenn Versicherungsvertreter einem Kunden nicht vorrechnen können wie sich der Auszahlungsbetrag einer fälligen Lebensversicherung ermittelt, dann gehört dieses Produkt verboten. Das der BaFin dieser Mangel bekannt ist und sie für die Versicherungsaufsicht zuständig ist, hilft dem Versicherten auch nicht weiter.

    Wenn solche ernsthaften Themen besprochen werden, dann darf nicht die private Vorsorge des Versicherungsmanagers sondern die private Vorsorge des Versicherungskunden das Thema auf solchen Veranstaltungen sein.

  • Manager schimpfen und wollen mehr private Vorsorge? Wir sind ein Solidaritätsstaat. Die Manager sollten lieber Ihre vorsätzlich verursachten Verluste selber aus eigener tasche bezahlen und nicht die Hilfe des Staates (Banken z.B.) fordern. Da weigern Sie sich, weil Sie nur Ihre Boni, auch für das absichtliche Versagen im Blick haben!!

  • Es gilt, zukünftige Regelungen, die das Geschäft verderben zu beeinflussen; insofern ist Fr. Nahles Angriffsziel.
    Die Schwierigkeiten der Branche sind wie angesprochen aber die Folgen der Krise des Finanzsystems. Dass mit Geld kein Geld mehr zu verdienen ist, ist die Konsequenz und das was wir jezt sehen ist zugleich der Beweis, dass es für Normalverdiener extrem riskant ist, sich auf Kapitalerträge im Alter zu verlassen: Bei 1% braucht es schon 2Mil. um auf 20.000€ zu kommen und es wird die Zeit kommen, wo ein Kaffee 10€ kostet.
    Politiker werden eher das Problem bearbeiten müssen, Geringverdiener und lang Arbeitslose im Alter zu versorgen, was zu einer Verteilung auf diese Gruppen führen wird. Dazu dient der Mindestlohn und die langsame Bevorzugung von gefährdeten Gruppem, etwa alleinerziehender Frauen. Dazu (für Andere) würde natürlich eine kapitalgedeckte Versicherung nichts beitragen wollen.
    Als Teil des Finanzsektors ist die Versicherungswirtschaft als allererstes für die Entwicklung mit verantwortlich und es wäre oberste Prionrität für Verantwortliche gewesen, die Fachkompetenz zur Gestaltung langfristig erfolgreicher Rahmenbedingungen einzusetzen. Fr. Nahles hat dafür weder die Fachkompetenz, noch ist sie in der Lage, die Zeit zurückzudrehen, die verprassen Gelder zurückzuholen (Foto der Sektkarte eines Lononer Lokals gefällig? Die Flasche für 30.000Pfund), die jetzt an die Kunden auszuzahlen sind, die ihr leben lang gespart haben.
    Die Gesellschaft (die Anderen, sorry) wird unter den gegebenen Bedingungen nur durch Leistungen der jungen Generation herauskommen. Dazu ist es dringend erforderlich, die Ausbildung der jungen zu sichern, die Jugend in die berufliche Tätigkeit zu bringen, und zwar nicht nur die high potentials und von Eltern hervorragend durchs Leben geführten Kinder, sondern auch die, die stärkerer Förderung bedürfen.
    Wenn sich Fr. Nahles dafür stark macht, zeigt sie, dass sie die Zukunft gestaltet.

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