Private-Equity Firmen sind auch in Deutschland auf dem Vormarsch: Nach dem Vorbild der US-Unis setzen immer mehr deutsche Stiftungen auf Private Equity, doch die Finanz-Krise traf die im Enstehen befindliche Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
FRANKFURT. Allen Verwerfungen an den Finanzmärkten zum Trotz – die direkten Investoren wollen den Private-Equity-Firmen die Treue halten. „Unsere Kunden zeigen bisher keine Reaktion. Es gibt keine Unruhe“, sagt Ralph Aerni von der schweizerischen SCM Strategic Capital Management AG, die institutionelle Anleger berät.
Private-Equity-Firmen sammeln Geld bei Pensionsfonds oder Stiftungen ein und kaufen Unternehmen. Dabei setzen sie nur einen Teil der gesammelten Mittel ein, den Rest finanzieren sie über Kredite. Wegen der Unsicherheit auf den Finanzmärkten, sind die Banken bei Krediten sehr zögerlich, weshalb gerade große Übernahmen kaum noch möglich sind.
Die direkten Geldgeber der Fonds lassen sich von der Zurückhaltung offensichtlich nicht beeinflussen. „Die institutionellen Investoren sind langfristig orientiert. Eine große Pensionskasse ist in der Lage, temporäre Marktschwankungen zu verkraften“, sagt Aerni. Das bestätigt Dieter Lehmann, der Leiter der Vermögensverwaltung der Volkswagen-Stiftung: „Wir sind seit einem Jahr in dieser Asset-Klasse investiert, die bei uns Private-Equity und Hedge-Fonds umfasst. Wir haben nicht vor, unsere Engagement zu reduzieren.“
Im Gegenteil: „Wir wollen unser Engagement in Private-Equity ausbauen. Daran hat sich nichts geändert“, sagt Holger Benke, der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, und ergänzt: „Die derzeitige Krise an den Finanzmärkten ändert aus unserer Sicht nichts an der Attraktivität von Private-Equity.“ Das lässt aus Sicht der Branche hoffen, denn die Beteiligungsfonds spielen als Investitionsobjekt (Asset-Klasse) hier zu Lande immer noch eine weitaus geringere Bedeutung als in Großbritannien oder den USA. Dort zählen Stiftungen etwa der Yale- oder der Harvard-Universität seit Jahren zu den festen Kunden der Private-Equity-Fonds und erzielen höhere Renditen als die meisten ihrer europäischen Kollegen.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investitionen in Private-Equity haben großes Potential.
Deutsche Stiftungen dagegen trauen sich erst seit kurzem, in Private-Equity zu investieren. Dabei ist ihr Potenzial groß. Experten schätzen, dass das deutsche Stiftungsvermögen weit über 60 Mrd. Euro beträgt. „Die Krise kommt für Deutschland zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da hier Private-Equity als Investitionsobjekt für institutionelle Anleger gerade erst Fuß gefasst hat“, sagt Lehmann von der Volkswagen-Stiftung. Deshalb müsse die Krise jetzt sachlich analysiert werden. „Dann wird dieses zarte Pflänzchen nicht tot getrampelt werden“.
Zudem hilft Private-Equity den Stiftungen dabei, das Risiko zu streuen. „Wir wollen unabhängiger von Marktschwankungen werden. Natürlich gibt es eine gewisse Korrelation zwischen Private-Equity und den Aktienmärkten. Aber wir reden hier eben doch über private Unternehmen jenseits der Börse“, sagt Benke.
Allerdings droht ein anderes Szenario. Da große Transaktionen wegen des steigenden Risikobewusstseins der Banken schwieriger werden, brauchen die Beteiligungsfirmen künftig auch weniger Geld. In der Branche wird bereits kolportiert, dass Private-Equity-Riesen wie Blackstone oder KKR derzeit mit ihren Geldgebern reden und klären, ob diese sich auch kleinere Fondsgrößen vorstellen könnten. „Dann werden viele Investoren Probleme haben, ihre Mittel bei den besten Private-Equity-Fonds zu platzieren“, warnt Aerni von SCM.

