16 Bewertungen ***
02.07.2008 
Banken brauchen rasch Kapital

Auf der Suche nach dem schnellen Geld

Die internationale Finanzkrise hält die Märkte weiter in Atem. Die Hoffnung, dass sie bald überstanden sein könnte, hat sich in den letzten Tagen jäh zerschlagen. Nun geht die Angst um, dass die Banken erneut viele Milliarden Euro frisches Kapital brauchen und weniger Gewinn einfahren als versprochen.

Blick aus dem Hubschrauber auf die Skyline von Frankfurt. Foto: ap Lupe

Blick aus dem Hubschrauber auf die Skyline von Frankfurt. Foto: ap

bas/cü/hgn/pk/rob/ HB FRANKFURT. Am Dienstag rutschten die europäischen Aktienmärkte deswegen auf breiter Front ab. Der Dax gab knapp zwei Prozent nach, die Aktien der Deutschen Bank sanken zeitweise auf den tiefsten Stand seit knapp fünf Jahren. Händler machten dafür Spekulationen über eine Gewinnwarnung der Deutschen Bank verantwortlich. Am Mittwoch reagierte das Geldhaus und gab bekannt, es erwarte einen Quartalsgewinn. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant.

Nachdem der belgische Finanzkonzern Fortis die Märkte mit einer Dividendenstreichung und einer neuen Kapitalerhöhung schockiert hat, geistern nun jeden Tag neue Spekulationen durch die Märkte, welches europäische Institut als nächstes frisches Kapital brauchen könnte. Dabei kursieren Namen wie Postbank, ING, Barclays oder des Staatsfinanzierers Dexia.

Selbst hochrangige Investmentbanker wagen nur noch vorsichtige Prognosen. Die Finanzkrise dürfte erst dann endgültig bewältigt sein, wenn die Banken ihre Löcher im Eigenkapital von weltweit rund 400 Mrd. Dollar wieder gestopft hätten, sagte Topmanager Alexander Dibelius von der Investmentbank Goldman Sachs dem Handelsblatt. Das heißt, wie die Märkte rechnet auch Dibelius mit der Notwendigkeit weiterer Kapitalerhöhungen. Nach Informationen von Bloomberg haben sich die Banken bisher über die Ausgabe neuer Aktien 322 Mrd. Dollar der abgeschriebenen 400 Mrd. Dollar bei Investoren zurückgeholt.

"Die Vertrauenskrise läuft langsam aus, bis aber alles verarbeitet ist, können sicher noch einige Quartale ins Land gehen", sagt Dibelius, der bei Goldman Sachs das Geschäft in Deutschland, Österreich, Russland sowie Zentral- und Osteuropa verantwortet. "Die Banken weltweit stecken in einem strukturellen Wandel. Zwar haben die Margen in der Krise etwas angezogen, doch kann hierdurch alleine das wegfallende Geschäft nicht ausgeglichen werden", sagt Paul Lerbinger, Deutschland-Chef des Investment-Bankings der Citigroup, zu den Auswirkungen der Krise.

Die war vor rund einem Jahr vom US-Immobilienmarkt ausgegangen. Banken hatten auch finanzschwachen Kunden großzügig Kredite gewährt. Die Krise griff auf das weltweite Finanzsystem über, weil die Banken die Kredite gebündelt und im Paket weiterverkauft hatten. Die Wertverluste der Kreditpakete und der daraus abgeleiteten Finanzprodukte zwangen die Banken zu den milliardenschweren Abschreibungen, die das Eigenkapital schmälerten. In der Folge trauten sich die Banken gegenseitig nicht mehr, und die Notenbanken mussten das System mit Geldspritzen stützen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

In Spanien beginnt das große Maklersterben  Artikel in Merkliste

02.09.2008

Die Nachfrage nach Wohnraum stagniert, das Überangebot drückt auf die Preise: Rund 500 000 Wohnungen sollen in Spanien leerstehen. Der Einbruch der Wohnungsverkäufe führt zu Massenschließungen bei den Vermittlern – Internationale Häuser verlassen das Land. Artikel


Anzeige