Die Versicherungsaufseher in Europa ziehen ihre Lehre aus der aktuellen Finanzmarktkrise: Demnach sollen Versicherer strukturierte Kapitalanlagen künftig mit mehr Eigenkapital absichern als zum Beispiel börsennotierte Aktien oder Anleihen.
Ceiops-Chef Thomas Steffen ist der Ansicht, dass die Assekuranz keine Subprime-Leichen im Keller hat. Foto: PR
FRANKFURT. "Außerdem müssen wir international stärker zusammenarbeiten, da Finanzkrisen vor Grenzen nicht haltmachen", sagte Thomas Steffen, Mitglied im künftigen Direktorium der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Vorsitzender der Vereinigung der europäischen Versicherungs- und Pensionsfondsaufseher (Ceiops) am Mittwochabend in Frankfurt.
In Ceiops ist zwar die Zusammenarbeit der europäischen Versicherungsaufseher organisiert. Doch die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen vom US-Markt für Hypotheken bonitätsschwacher Schuldner (subprime) aus. Steffen wünscht sich daher mehr Informationen von seinen amerikanischen Kollegen - insbesondere über die sogenannten Monoliner. Das sind Versicherungsunternehmen, die sich auf die Absicherung von Anleihen spezialisiert haben. Die Monoliner sitzen hauptsächlich in New York und auf den Bermudas.
"Wir arbeiten in der BaFin intensiv an einem Kooperationsabkommen mit der Aufsicht in New York", sagte Steffen vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Er rechne in wenigen Monaten mit dem Abschluss. Erst am 7. April hat das Financial Stability Forum, ein Expertengremium von Notenbanken, Aufsehern, Ministerien und Finanzinstituten, strengere Eigenkapitalanforderungen an Monoliner gefordert.
Abgesehen von den Monolinern sind Versicherungsunternehmen von den Turbulenzen weitaus geringer betroffen als Banken. Ceiops und die BaFin befragen in monatlichem Rhythmus die Versicherer nach möglichen Ansteckungsgefahren aus der Subprime-Krise. Demnach besteht für Steffen kein Grund zur Sorge. "Da wird vermutlich auch nichts mehr nachkommen", fügte er hinzu. "Die Märkte hätten längst gemerkt, wenn noch irgendwo was versteckt wäre."
Die Versicherer in Deutschland haben laut BaFin nur 1,6 Prozent ihrer 695 Mrd. Euro an Kapitalanlagen in strukturierte Produkte investiert. Davon sei längst nicht alles Subprime-Niveau. Damit seien die Versicherer weit unter ihrem aufsichtsrechtlichen Limit von 7,5 Prozent möglichen Anlagen in strukturierten Papieren geblieben. Offenbar seien nicht nur die Anlagevorschriften der Versicherer restriktiver sondern auch die Mentalität eine konservativere als bei Banken. Auch in den Holding-Gesellschaften habe man "keinen einziger Fall entdeckt", der Anlass zur Sorge gebe.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Tests mit Krisen-Szenario

