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29.07.2008 
Milliarden-Abschreibung und erneute Kapitalerhöhung bei US-Bank

Ausverkauf bei Merrill Lynch

Die im Strudel der Kreditkrise steckende US-Investmentbank Merrill Lynch wird erneut Milliarden-Abschreibungen vornehmen und ihr Kapital kräftig erhöhen. Der neue Institutschef John Thain versucht mit aller Macht, sich von Risiken zu trennen - doch dabei muss er große Zugeständnisse machen und das hat einen hohen Preis.

Merrill-Lynch-Logo in New York. Die Finanzkrise macht der US-Investmentbank weiter sehr zu schaffen. Foto: apLupe

Merrill-Lynch-Logo in New York. Die Finanzkrise macht der US-Investmentbank weiter sehr zu schaffen. Foto: ap

HB NEW YORK. Vor Steuern würden im dritten Quartal etwa 5,7 Mrd. Dollar abgeschrieben, dafür seien dann aber umfangreiche Risiken nicht mehr in den Büchern, teilte das drittgrößte US-Institut der Branche nach US-Börsenschluss am Montag mit. Durch die Ausgabe neuer Aktien sollten etwa 8,5 Mrd. Dollar eingenommen werden, um die Kapitaldecke zu stärken. Die Aktien von Merrill gaben nachbörslich zunächst nach, erholten sich aber wieder.

Die Abschreibungen für das dritte Quartal ergeben sich Merrill zufolge unter anderem durch den Verkauf bestimmter Schuldverschreibungen (US-Super Senior ABS CDO's) mit einem gewaltigen Abschlag. Diese hätten ursprünglich einen Wert von 30,6 Mrd. Dollar gehabt und zum Ende des zweiten Quartals noch mit 11,1 Mrd. Dollar in den Büchern gestanden. Jetzt würden sie für 6,7 Mrd. an eine Tochter von Lone Star Funds abgegeben, das ist nur gut ein Fünftel des Nominalwerts. Durch den Verkauf reduziere Merrill ihr Engagement in diesem CDO-Bereich von 19,9 auf 8,8 Mrd. Dollar. Dies stellt Vorstandschef John Thain zufolge einen bemerkenswerten Meilenstein bei der Reduzierung des Gesamtrisikos der Bank dar.

Merrill verkaufte kürzlich bereits den 20-Prozent-Anteil an Bloomberg für 4,4 Mrd. Dollar und damit elf Prozent unter dem Buchwert.

Das neu gerissene Loch in der Bilanz muss durch frisches Kapital geschlossen werden. Deshalb die Kapitalerhöhung, die den Wert der aktuellen Merrill-Aktien um rund 38 Prozent verwässern wird. Charles Peabody, Analyst bei Portales Partners LLC in New York, betrachtet die Maßnahme als notwendigen Schritt, um die Probleme zu beheben, der aber mit "gewaltigen Kosten für die jetzigen Anteilseinger verbunden" sei. Trotz der Belastungen, die sich für das dritte Quartal abzeichnen, sieht Douglas Sipkin, Analyst bei Wachovia nun "Licht am Ende des Tunnels".

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