Milliardenverluste und Kreditkrise, Entlassungen und Spardiktate: In der Welt der Investmentbanker ist nichts mehr, wie es war. Vieles spricht dafür, dass ihre neue Welt viel kleiner sein wird als zuvor – und viel langweiliger. Die unsichtbare Hand holt sich zurück, was sie einst gab. Eine Spurensuche in der Londoner City.
LONDON. Der Angst – ihr kann sich keiner entziehen. Auch wenn er abgezockter ist als die meisten anderen Arbeitnehmer. Berufsbedingt. „Selbst starke Charaktere knicken ein und verlieren ihr Selbstbewusstsein“, sagt Jonathan Zneimer. Früher beriet der gelernte Sportpsychologe für die Beratungsfirma Lane 4 den Londoner Fußballclub Arsenal. Nun hat er eine Aufgabe, um die ihn kaum einer beneidet. Zneimers Job ist es, gestresste Investmentbanker, die in der großen Krise den Glauben an sich und ihre Bank verloren haben, wieder aufzurichten.
Massenentlassungen, Sparprogramme, Milliardenverluste, Börsenbaisse: Die Liste der jüngsten Schrecken für Investmentbanker ist lang, und die psychologischen Folgen sind drastisch – für die Gefeuerten ebenso wie für die, die bisher übrigblieben. „Die Verunsicherung kann eine ganze Organisation erfassen und aus dem Gleichgewicht bringen“, sagt der Berater Zneimer. Einst arbeitete er selbst als Terminhändler in der Londoner City.
Groß wie selten zuvor ist die Angst der Banker, von der Karriereleiter zu purzeln. Ein Gefühl der Ohnmacht angesichts der Gewalt der Finanzkrise macht sich breit. Doch eine Schwäche zeigen? Das ist Tabu in der Haifischbranche. „Wir versuchen, unseren Kunden zu zeigen, dass ihre Kollegen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie sie, und wir versuchen, ihnen ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben, den Glauben, dass sie die Situation kontrollieren können“, erläutert Psychologe Zneimer.
Das ist ziemlich schwierig. Denn diese Bankenkrise ist anders als andere Bankenkrisen. Das Beben erschüttert die Branche nicht nur, es hinterlässt tiefe Rissen im Fundament des Systems. Weniger Risiko, geringere Boni, mehr Auflagen: Die Welt der Investmentbanker schrumpft, sie müssen bescheidener werden.
Die unsichtbare Hand des Marktes nimmt ihnen nun vieles wieder weg, was sie ihnen einst gab – oder was sie sich genommen hatten.


