Der vom Schweizer Lebensversicherer Swiss Life
übernommene Finanzdienstleister AWD
will die Finanz- und Immobilienkrise als Chance für den Ausbau seines Geschäfts nutzen. "Wir stellen einen deutlich gestiegenen Bedarf der Kunden an verlässlicher, qualitätsvoller und nachhaltiger Beratung fest", sagte AWD
-Chef Carsten Maschmeyer auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Hannover.
dpa HANNOVER. Sowohl Beraterzahl als auch der Umsatz sollen weiter gesteigert werden. AWD
wolle die weltweite Nummer eins für unabhängige Finanzberatung werden. Allerdings sei derzeit ein durch Verunsicherungen verändertes Anlageverhalten festzustellen.
An der Unabhängigkeit der Beratung werde AWD
dabei als wichtigstes Kriterium festhalten, versicherte Maschmeyer. Das sei bei der Übernahme durch Swiss Life
ausdrücklich vereinbart worden. Swiss Life
hatte Anfang März für knapp eine Milliarde Euro 86 Prozent an AWD
gekauft. Die Familie Maschmeyer blieb mit 10,5 Prozent beteiligt. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär sei sehr gut gestartet, sagte Maschmeyer. "Es besteht bestes Miteinander und Gleichklang in der strategischen Ausrichtung."
Unter den Aktionären gibt es durchaus Befürchtungen, dass die Unabhängigkeit der Beratung durch die Übernahme auf Dauer in Gefahr geraten könne. "Dann ist das Unternehmen in Gefahr", sagte ein Anleger. Sorgen bereite auch die Entwicklung in Großbritannien, wo ein Fünftel des Umsatzes erzielt werde. Verluste dort und der starke Euro hatten im vergangenen Jahr das Ergebnis deutlich belastet.
Maschmeyer betonte, das Geschäftsmodell der AWD
Gruppe sei in ihren Kernmärkten erfolgreich und auf weitere Länder übertragbar. Das gelte insbesondere für die Region Zentral- und Osteuropa. Es bestehe dort hoher Bedarf, da es gravierende Defizite in der Altersversorgung gebe. Zudem lasse die positive wirtschaftliche Entwicklung eine wachsende Mittelschicht entstehen und das Potenzial sei mit 100 Mill. Einwohnern enorm. AWD
habe begonnen, weitere Länder in der Region zu erschließen und wolle sie langfristig zu einem Kernmarkt entwickeln. In mehreren Ländern wie etwa Tschechien, Kroatien, Polen und Ungarn ist AWD
bereits aktiv. Auch in Russland werde derzeit ein Einstieg geprüft, die ersten Kontakte nach Moskau seien geknüpft.
Im vorigen Jahr hatte AWD
trotz Bestmarken bei Umsatz und Gewinn die ursprünglichen Jahresziele verfehlt. Der Umsatz legte 2007 um 4,7 Prozent auf 762,4 Mill. Euro zu, der Überschuss wuchs um 1,1 Prozent auf 57,4 Mill. Euro. Ursprünglich hatte AWD
ein Umsatzplus von zehn Prozent angepeilt. Schlechte Zahlen brachte vor allem Großbritannien, wo ein Verlust von 3,5 Mill. Euro anfiel. Grund sei vor allem eine Zurückhaltung der Kunden wegen der Immobilien- und Finanzkrise.
Auf dem deutschen Markt legte AWD
dagegen zu: Der Jahresumsatz stieg um vier Prozent auf 385 Mill. Euro, der operative Gewinn um zehn Prozent auf 75 Mill. Euro. Insgesamt habe eine halbe Million Kunden Verträge bei AWD
abgeschlossen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Maschmeyer.

