Die Probleme des achtgrößten britischen Geldhauses Bradford & Bingley (B&B) schüren die Angst vor einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise. Das Institut rutschte in den ersten vier Monaten 2008 überraschend mit acht Mill. Pfund vor Steuern in die roten Zahlen und musste sich von der US-Beteiligungsgesellschaft TPG frisches Kapital besorgen. Die weltweiten Aktienmärkte reagierten prompt.
Die Probleme der achtgrößten britischen Bank haben an den weltweiten Finanzmärkten die Unsicherheits zurückgebracht. Foto: ap
LONDON. Vorstandschef Steven Crawshaw trat wie erwartet zurück. Daraufhin sackte die B&B-Aktie 25 Prozent ab. Seit Jahresbeginn hat die Bank drei Viertel ihres Börsenwerts verloren. Mit B&B ist neun Monate nach dem Beinahekollaps der Hypothekenbank Northern Rock erneut ein britisches Institut in ernste Schwierigkeiten geraten. Experten weisen aber darauf hin, dass B&B im Gegensatz zu Northern Rock über eine ausreichend dicke Kapitaldecke verfüge. Die Angst um die Stabilität der Hypothekenbank sorgte in ganz Europa für Verluste bei Bankaktien. Gleichzeitig stiegen am Anleihemarkt die Risikoaufschläge für die Finanzbranche. Das Pfund verlor wegen der Turbulenzen und fiel zum Dollar auf den tiefsten Wert seit vier Wochen.
„Die Ereignisse um B&B haben den Anlegern klargemacht, dass die Kreditkrise noch nicht überstanden ist, sondern einige Institute das Schlimmste vielleicht noch vor sich haben“, meint Robert Talbut von London Asset Management. Besonders heftig fielen die Verluste am britischen Aktienmarkt aus. Einbußen der Finanztitel drückten den FTSE-100-Index unter die Marke von 6 000 Punkten.
Erst vor kurzem zeichnete die Ratingagentur Moody's ein düsteres Bild für das britische Bankensystem. Die Krise am Immobilienmarkt und die rapide Abkühlung der Wirtschaft gefährdeten Bonität und Profitabilität der Geldhäuser, warnte Moody's. Gestern wurde diese pessimistische Sicht durch neue Daten bestätigt. Im April fiel die Vergabe von Hypothekendarlehen auf den tiefsten Stand seit neun Jahren, zugleich sackte der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf einen Stand von 50, was Stagnation signalisiert. Inzwischen geht die Fondsgesellschaft Legal & General davon aus, dass die Zeichen in Großbritannien auf Rezession stehen.
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