Der Gewinn der niederländischen Bank Fortis ist im ersten Quartal um 12 Prozent auf 1,17 Mrd Euro zurückgegangen. Doch für das Ergebnis interessiert sich ohnehin kaum einer. Denn die Bank ist an einer der spektakulärsten Übernahmeschlachten der Kreditbranche beteiligt.
DÜSSELDORF. Analysten hatten bei Fortis zwar einen Gewinnrückgang erwartet - konnte das Institut doch im Vorjahr von außergewöhnlich hohen Ergebnissen aus der Investmentsparte profitieren. Im ersten Quartal 2006 hatte der Nettogewinn noch bei 1,33 Mrd. Euro gelegen. Doch für das Auftaktquartal 2007 hatte die Mehrheit der Analysten immerhin noch mit einem Nettoergebnis von 1,19 Mrd. Euro gerechnet.
In der Bankensparte von Fortis ermäßigte sich das Nettoergebnis um 13 Prozent auf 903 Mill. Euro. Hier hatten die Beobachter mit einem Nettoergebnis von 875 Mill Euro gerechnet. Das Nettoergebnis in der Versicherungssparte erhöhte sich unterdessen um 4 Prozent auf 352 Mill. Euro. Die Konsensschätzung der Analysten lag bei 363 Mill. Euro.
Eine Ursache für den Gewinnrückgang in der Bankensparte ist der starke Expansionskurs des Managements. „Der starke Start in das Jahr 2007 beweist die Richtigkeit unserer Strategie. Die Umsetzung unserer Wachstumspläne läuft nach Plan“, versuchte Vorstandschef Jean-Paul Votron nach der Vorlage der Zahlen am Freitag die Märkte zu beruhigen. Die Kosten seien im Zuge der Expansion erwartungsgemäß in den ersten drei Monaten höher ausgefallen als in der Vorjahresperiode.
Schlacht um ABN Amro
Der aktuell spektakulärste Versuch das Wachstum weiter zu beschleunigen ist die Beteiligung an der Übernahmeschlacht um die niederländische Bank ABN Amro. Gemeinsam mit der Royal Bank of Scotland und mit der spanischen Bank Santander bietet Fortis für ABN. Das Trio versucht damit die britische Bank Barclays auszustechen, die einen Zusammenschluss mit ABN bereits vereinbart hatte. Anschließend wollen sie ABN zerschlagen. Fortis würde dann das Benelux-Geschäft von ABN übernehmen.
Es stelle sich die Frage, wie Fortis seinen Teil der Transaktion finanzieren wolle, schreibt Analyst Albert Ploegh von Kepler Securities. Auch die Anleger zeigen sich skeptisch: Nach Bekanntgabe der Zahlen sank der Aktienkurs von Fortis um 2,5 Prozent auf 32,50 Euro.
Voltrons Strategie ist es, durch Zukäufe die starke Abhängigkeit vom kleinen Benelux-Markt zu verringern. Weltweit gehört Fortis mit einem Börsenwert von etwa 40 Mrd. Euro nicht zur Spitzengruppe der Banken. Noch kommen knapp 80 Prozent des Geschäfts aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Bis zum Jahr 2009 jedoch will Votron rund 30 Prozent außerhalb dieses Heimatmarktes erwirtschaften.

