Die Finanzkrise zieht auch Banken in ihren Sog, die kaum direkt auf dem notleidenden Subprime-Markt aktiv waren. Jüngstes Beispiel ist die Bank of America (BoA), die einen Gewinneinbruch vermelden muss. Die eigentlichen Überraschung sind aber nicht die Abschreibungen für Übernahmefinanzierungen und strukturierte Finanzprodukte.
NEW YORK Die zweitgrößte Bank des Landes meldet für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 3,7 Mrd. Dollar. Die eigentlichen Überraschung sind die stark gestiegenen Kreditkosten.
Mehr als zwei Mrd. Dollar hat BoA neu in die Rückstellungen für Kreditausfälle gesteckt. Das ist doppelt soviel wie vor einem Jahr. Die Bank begründete die höheren Kreditkosten mit der sich verschlechternden Lage auf dem US-Immobilienmarkt. Wie bereits zuvor die Citigroup sieht auch BoA die Gefahr, dass die Zahlungsmoral unter dem Druck steigender Hypothekenzinsen leiden wird. Mehr als zwei Millionen amerikanische Haushalte müssen in den nächsten 18 Monaten mit einem deutlichen Anstieg ihrer Zinslasten rechnen, wenn die niedrigen Anfangsraten für ihre Darlehen nach oben angepasst werden. Der Markführer Citigroup hatte aus den gleichen Gründen fast drei Mrd. Dollar zurückgestellt.
Die hohen Kreditkosten haben den Gewinn im wichtigen Verbrauchergeschäft von BoA um 16 Prozent gedrückt. Hinzu kommt ein Ergebniseinbruch von 93 Prozent in der Sparte Corporate und Investment Banking. Hier schlugen die Kosten der Kreditkrise voll durch. So musste BoA fast 250 Mill. Dollar für Übernahmefinanzierungen im Buy-out-Geschäft abschreiben. Weitere 607 Mill. Dollar gingen im Handel mit Kreditprodukten verloren.
Bei strukturierten Finanzprodukten wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) summierten sich die Verluste auf 527 Mill. Dollar. „Große Verwerfungen auf den Kapitalmärkten haben alle Marktteilnehmer getroffen“, sagte Konzernchef Kenneth Lewis bei der Bilanzvorlage. Lori Appelbaum, Bankanalystin bei Goldman Sachs, sieht die Handelsverluste bei BoA allerdings größer als bei den Konkurrenten.
Es gibt einen Hoffnungsschimmer
Im direkten Vergleich mit den größten Rivalen Citigroup und JP Morgan Chase liegt BoA etwa in der Mitte. Beim Markführer Citi ging die Rendite auf das eingesetzte Kapital von fast 19 auf 7,4 Prozent zurück. JP Morgan konnte dagegen mit elf Prozent seinen Vorjahreswert halten und als einzige der drei Großbanken ihren Quartalsgewinn steigern. Bank of America musste sich mit einer Kapitalrendite von 11 Prozent zufrieden geben, nachdem der Wert im Vorjahr noch bei mehr als 16 Prozent gelegen hatte.
Durch die Konzentration auf den amerikanischen Markt konnte BoA die Folgen der heimischen Immobilienkrise nicht durch Zugewinne im internationalen Geschäft auffangen. Rund 85 Prozent der Einnahmen kommen aus dem US-Markt. Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Lehman Brothers erwirtschaften dagegen bereits heute mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen in Übersee.
Bislang ist Konzernchef Lewis der große Sprung ins Ausland nicht gelungen. Ihm wird zwar Interesse an der britischen Barclays Bank nachgesagt, die nach der Niederlage im Kampf um ABN Amro nach neuen Partnern sucht. Statt dessen hat Lews jedoch erst einmal 25 Mrd. Dollar für den Kauf der LaSalle Bank in Chicago und die Übernahme der US Trust Corp. von Charles Schwab ausgegeben.
Einen Hoffnungsschimmer auf bessere Ergebnisse gibt es jedoch für Lewis. Nach der kräftigen Zinssenkung der US-Notenbank steigen die Margen für die Banken. Die höhere Differenz zwischen den Refinanzierungskosten für die Banken am kurzen Ende und den höheren Zinsen für längerfristige Darlehen an Verbraucher und Unternehmen dürfte der Bank das Leben etwas leichter machen.

