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28.02.2008 
Privatkundengeschäft

Banken entdecken den Kunden

von Hans G. Nagl

Egal, wie groß der Unmut über die harte Konkurrenz ist - das Privatkundengeschäft in Deutschland scheint für Banken nach wie vor attraktiv zu sein. Doch der seit Jahren tobende Preiskampf in der Kreditwirtschaft könnte nicht nur Gewinner hervorbringen. Insbesondere die etablierten Institute verlieren stetig an Boden.

Die Commerzbank will bis 2009 insgesamt 800 000 neue Privatkunden gewinnen. Foto: ArchivLupe

Die Commerzbank will bis 2009 insgesamt 800 000 neue Privatkunden gewinnen. Foto: Archiv

FRANKFURT. Jüngstes Beispiel: die indische Großbank ICICI. In den nächsten Wochen will das Institut hierzulande an den Start gehen und mit Online-Sparkonten den Wettbewerb um die höchsten Zinsen weiter ankurbeln. "Der Markt ist bereits gut verteilt", sagt Professor Dirk Schiereck, Bankenexperte der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. "Dennoch versuchen nach wie vor neue Spieler in den Markt zu kommen."

Ihre Motivation liegt auf der Hand. Denn anders als das Investmentbanking oder auch das Firmenkreditgeschäft sind das so genannte Retail-Banking und die Vermögensverwaltung relativ unabhängig von Einbrüchen des Kapitalmarktes. In der Regel sorgen die Kunden für stabile Erträge. Wie nützlich diese sein können, hat sich bereits beim Platzen der Internet-Blase im Jahr 2001 gezeigt. Und mit der Subprime-Krise wurden die Institute erneut daran erinnert.

Kein Wunder also, dass Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann vergangenen Herbst jubeln konnte. Die gute Entwicklung des Privatkundengeschäfts habe das von der Krise arg gebeutelte Investmentbanking mit aufgefangen. Klar ist: Der Umgang mit Otto-Normalverbraucher ist risikoärmer. Und so werden von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen kostenlose Girokonten angepriesen, Baufinanzierungen abgeschlossen und Ratenkredite verkauft.

Analysten sprechen von einem Lemming-Verhalten - das am Ende nicht nur Gewinner hervorbringt. Denn Privatkundengeschäft zeichnet sich durch relativ hohe Fixkosten aus. Das gilt insbesondere für die etablierten Institute, die ein umfangreiches Filialnetz unterhalten.

Doch immer mehr Produkte werden insbesondere von Direkt- und Online-Banken standardisiert - sinkende Preise sind die Folge, seit Jahren tobt ein Wettbewerb um die Kunden. "Denn nur, wer viele Kunden hat, kann auch mit den niedrigeren Margen leben", resümiert Experte Schiereck. Die einzige Möglichkeit, dieser Spirale zu entkommen, ist die Konzentration auf komplexere und damit beratungsintensive Produkte. Wer seine Altersvorsorge für die nächsten 50 Jahre plant, will sich auf seine Bank und deren Empfehlungen verlassen können. Und zahlt ergo lieber etwas mehr. Anders sieht es aus, wenn es um das hoch verzinste Tagesgeldkonto geht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Institute treten mit zwei Marken an.

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