Banken-Schreck: Fintechs saugen frisches Kapital auf

Banken-Schreck
Fintechs saugen frisches Kapital auf

Innovative Finanzdienstleiter haben 2015 so viel Geld wie nie zuvor eingesammelt. Doch es gab auch erste Dämpfer für die Konkurrenten der Banken. Ist ihr Höhepunkt schon erreicht?

FrankfurtWenn es Brei regnet, muss man den Löffel raushalten, sagt der Volksmund. Und das denken sich wohl auch die Jungunternehmer, die mit immer neuen Plattformen und Web-Angeboten versuchen, den Banken und Versicherern Teile des Geschäfts abzugraben. Sie können sich offenbar kaum retten vor Geldgebern, die beim vermeintlich nächsten ganz großen Ding dabei sein wollen.

Weltweit stiegen nämlich die Investitionen in Start-ups aus dem Bereich der Finanzdienstleister (Fintechs) im vergangenen Jahr um 56 Prozent auf den neuen Rekord von 19,1 Milliarden Dollar. Spezielle Fonds für Risikokapital steuerten dabei mit 13,8 Milliarden Dollar knapp drei Viertel der Summe bei – ein Plus von über 100 Prozent gegenüber 2014. Finanziert wurden damit rund 650 Firmen.

Und auch die Zahl der Mega-Deals, also Investments von mehr als 50 Millionen Dollar, kletterte mit 63 Abschlüssen ebenfalls auf einen Rekordstand, zwischen 2011 und 2013 waren es noch weniger als 15 gewesen.

Dass die Fintech-Mania offenbar ihren Höhepunkt erreicht hat, spiegelt sich auch in den Bewertungen wider. Weltweit gibt es laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG jetzt 19 sogenannte Einhörner, also Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Fast drei Viertel davon waren im Zahlungsverkehr oder der Kreditvergabe tätig. An der Spitze stand der Finanzmarktplatz Lu.com mit zehn Milliarden Dollar, gefolgt von Zhong An Insurance mit acht Milliarden Dollar und der Zahlungsabwickler Stripe mit fünf Milliarden Dollar.

Allerdings scheint die Goldgräberstimmung zu Beginn des laufenden Jahres getrübt worden zu sein. Denn trotz der positiven Bilanz gab es im vierten Quartal 2015 auch einen Dämpfer. Die Venture-Capital-Investitionen lagen deutlich niedriger als in der Vergleichszeit des Vorjahres. „Der Rückgang im letzten Quartal deutet darauf hin, dass die Mittelbeschaffung zunehmend schwieriger wird. Auch dürften die Bewertungen etwas nach unten geschraubt werden, da sie sich inzwischen doch recht häufig von den Fundamentaldaten entfernt haben“, sagt KPMG-Partner Tim Dümichen. Das eher vorsichtige Agieren gegen Ende des vergangenen Jahres dürfte noch einige Quartale anhalten, werde das Interesse an den Fintechs aber keinesfalls dauerhaft dämpfen.


Sprunghaft gestiegen sind vor allem die Investments in die Bitcoin- und Blockchain-Technologien, insgesamt wurden hier bei 74 Transaktionen knapp 500 Millionen Dollar reingesteckt. 2015 sprangen hier beispielsweise Citibank, Santander, Wells Fargo und HSBC auf den Zug, um ihre Arbeitsprozesse effizient, schneller und sicherer zu machen. Am aktivsten unterstützten aber Citigroup und Goldman Sachs sowie JP Morgan diejenigen Fintechs, die mit Risikokapital aufgepäppelt werden.

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