Bis heute hat die Kreditkrise weltweit bereits mehr als 50 000 Arbeitsplätze in der Finanzbranche gekostet. Doch das Schlimmste dürfte den Bankern erst noch bevorstehen. Auf die großen Finanzzentren in Amerika und Europa rollt eine neue Entlassungswelle zu. Ob in Zürich, London oder an der Wall Street in New York - allerorten werden massiv Jobs gekappt.
Der Finanzkrise folgt eine Entlassungswelle bei den Banken. Bild: HB
DÜSSELDORF. Die UBS
hat am gestrigen Dienstag verkündet, dass sie noch mehr Personal abbaut als bisher bekannt: Nach Milliardenverlusten muss die Schweizer Großbank 5 500 ihrer 84 000 Stellen streichen. Allein im Investment-Banking sollen bis Ende 2008 bis zu 2 600 Jobs wegfallen, gab die UBS
gestern bekannt, hauptsächlich in den USA und in England. In dieser von der Immobilienkrise vor allem betroffenen Sparte waren zuvor bereits 1 500 UBS
-Banker entlassen worden.
Doch nicht nur die UBS
steht vor einer Enlassungswelle. Gestern schockte der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae die Märkte mit einem unerwartet hohen Quartalsverlust von 2,2 Mrd. Dollar - und verstärkte die Sorgen der Banker.
Die nächste schlechte Nachricht droht schon bald aus dem Haus Morgan Stanley in New York. Dem Vernehmen nach sollen dort weitere rund 2 000 Banker ihren Job verlieren. "Ich habe noch nie so viele Lebensläufe auf dem Tisch gehabt", berichtet Michael Karp. 100 Jobgesuche zählt der Chef der Personalberatung Options Group täglich.
Jo Bennett, Partner bei der Personalberatung Battalia Winston International, schätzt, dass im Zuge der Krise bis zu 100 000 Arbeitsplätze in der Finanzwirtschaft verlorengehen werden. Das wären mehr als nach dem Platzen der Internetblase 2001. Damals verschwanden binnen zwei Jahren 90 000 Jobs.
Noch in dieser Woche könnte es zu weiteren Massenentlassungen kommen. Am Freitag will die Citigroup ihre neue Konzernstrategie vorstellen. Analysten rechnen damit, dass zwischen fünf und zehn Prozent der mehr als 370 000 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten.
Citi hat in den vergangenen Monaten bereits mehr als 15 000 Arbeitsplätze abgebaut. Eine Zerschlagung des Bankenkolosses hat Konzernchef Vikram Pandit zwar ausgeschlossen, zugleich durchforstet er das weltweite Imperium jedoch nach Einsparmöglichkeiten. Um bis zu 20 Prozent will er die Kosten drücken.
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Verantwortlich für die Misere bei den Banken ist der fast völlige Zusammenbruch des Hypothekengeschäfts. Investmentbanken wie Lehman Brothers und Merrill Lynch haben schon ganze Tochtergesellschaften im Immobiliengeschäft geschlossen. Mehr als 100 Baufinanzierer mussten ihre Tätigkeit einstellen.
Aber auch das Investment-Banking steckt nach Einschätzung von Experten in seiner tiefsten Krise seit 30 Jahren. Nach Schätzungen der Marktforscher von Dealogic sind die Einnahmen dort um etwa die Hälfte zurückgegangen. Ähnlich stark betroffen ist das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen.
In Europa trifft es den Finanzplatz London besonders hart. Der Informationsdienst Experian warnt, dass in diesem Jahr bis zu 20 000 Angestellte in der City wegen der Finanzkrise ihren Job verlieren könnten. Sollten die Experten recht behalten, würde die Kreditkrise die City ähnlich hart treffen wie das Platzen der Internetblase Anfang des Jahrzehnts. Damals gingen ebenfalls rund 20 000 Stellen verloren. Zuletzt bot das Finanzviertel der Rekordzahl von 350 000 Menschen einen Arbeitsplatz. "Der Arbeitsplatzabbau ist quer durch die Branche und quer durch alle Bereiche in vollem Gange", sagte ein Londoner Investmentbanker. "Wir bereiten uns auf eine längere Eiszeit vor."
In der deutschen Finanzbranche ist dagegen kein Kahlschlag in Sicht. Am heftigsten hat es bisher die Landesbanken erwischt: So will die WestLB bis zum Jahr 2010 insgesamt 1 350 Jobs streichen. Die ebenfalls krisengeschüttelte BayernLB hat in der verlustreichen Sparte Financial Markets bisher 80 Jobs abgebaut.
Bei den großen privaten Geschäftsbanken hat die Deutsche Bank seit Ausbruch der Krise rund 800 Stellen abgebaut, vor allem im US-Hypothekengeschäft. Unter dem Strich blieb die Stellenzahl bis Ende des ersten Quartals 2008 jedoch weitgehend konstant, da die Bank in anderen Sparten neu eingestellt hat.
Und die DZ Bank will in diesem Jahr sogar 250 neue Stellen schaffen. Der Grund: Das Institut will sein Investment-Banking stärken und profitiert nun von den günstigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt.

