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20.05.2008 
Bloomberg-Studie

Banken verstecken Abschreibungen

Rund 35 Milliarden Dollar Verlust im Zuge der Subprime-Krise haben Banken nicht in ihren Meldungen an die Aufsichtsbehörde ausgewiesen. Das ergibt eine Bloomberg Studie. Experten sehen dieses Verschleppen von Verlustmeldungen als großes Risiko für die Stabilität der Branche.

NEW YORK. Einige Banken und Finanzdienstleister weisen Teile ihrer zusätzlichen Verluste infolge des Zusammenbruchs des US-Hypothekenmarktes nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung aus. Wie eine Bloomberg-Analyse von 50 Bilanzen und Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC ergibt, bildeten 20 Institute in die Bilanz eingegangene Verluste in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht vollständig ab. Die vierteljährlichen Mitteilungen an die SEC belegen, dass es sich dabei um ein Volumen von 35 Mrd. Dollar (22 Mrd. Euro) handelt. Dieser Betrag muss zu den bereits ausgewiesenen Verlusten von 344 Mrd. Dollar hinzugerechnet werden. So hoch sind die Verluste, die über 100 Banken bisher weltweit ausgewiesen haben.

Citigroup, die größte US-Bank, setzte im der SEC am 2. Mai vorgelegten Quartalsbericht den Wert für ein Kreditportfolio auf US-Hypothekendarlehen um zwei Mrd. Dollar niedriger an. Im Quartalsbericht wurde die Wertminderung aber nicht gemeldet und blieb auch in der anschließenden Konferenz mit Investoren unerwähnt. Auch die niederländische Allfinanzgruppe ING Group wertete Anlagen in der Kapitalbilanz um 3,6 Mrd. Euro ab. Doch beim Gewinn wirkte sich die Abwertung nur mit einem Minus von 80 Mill. Euro aus.

Die Berücksichtigung von Verlusten in der Bilanz bei Nichtansatz in der Gewinn- und Verlustrechnung ist buchhalterisch zulässig. Dabei wird zwischen den kurzfristig gehaltenen Positionen und solchen mit langfristigem Anlagehorizont unterschieden. Während kurzfristige Wertänderungen sofort auf den Gewinn durchschlagen, können langfristig gehaltene Anleihen auch bei Verlusten so lange zum Nominalwert in der Bilanz bleiben, wie sich die Verluste nicht als dauerhaft erweisen.

So argumentiert etwa das Amsterdamer Finanzhaus ING. Die Bewertung der Anlagen werde steigen, wenn die Märkte sich erholen. ING erklärte, der Wertverlust mit Hypotheken verbundener Anleihen, die bis Laufzeitende gehalten werden, sei irrelevant, solange die zugrunde liegenden Hypotheken nicht notleidend werden.

Analysten beurteilen diese Handhabe mit Zurückhaltung. "Banken, die einen solchen Buchungsansatz gewählt haben, werden später den Preis dafür bezahlen", sagt Brad Hintz, Analyst beim New Yorker Vermögensverwalter Sanford C. Bernstein & Co. "Diejenigen, die ihre Verluste vollständig im Gewinn erfasst haben, werden saubere Bilanzen vorlegen und vorausschauend agieren."

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investoren werden unnachgiebiger als Aufsichtbehörden sein

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