Banken vs. EZB: Draghi: Banken profitieren auch von Niedrigzinsen

Banken vs. EZB
Draghi will es nicht allein gewesen sein

Draghi: Banken profitieren auch von Niedrigzinsen

Draghi vergaß nicht zu erwähnen, dass einige Banken von den niedrigen Zinsen auch profitiert hätten: Die festverzinslichen Wertpapiere, die viele Banken besitzen, seien im Wert gestiegen. Außerdem hätte die Geldpolitik dafür gesorgt, dass das Kreditgeschäft angekurbelt worden sei und dass die Banken weniger unter faulen Krediten leiden würden. „Analysen der EZB legen nahe, dass diese Effekte dazu neigen, die Auswirkungen auf die Zinserträge kurzfristig zu übertreffen“, so Draghi. Er räumte allerdings ein, dass dies vom Geschäftsmodell der jeweiligen Bank abhänge.

Für deutsche Sparkassen oder Genossenschaftsbanken, deren Einkünfte zu rund 80 Prozent vom Zinsüberschuss abhängen, dürfte Draghi dabei wohl eher nicht im Sinn gehabt haben. „Das anhaltende Niedrigzinsniveau stellt viele Kreditinstitute aufgrund ihrer zinsabhängigen Geschäftsmodelle vor zunehmend größeren Herausforderungen“, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Die Institute würden damit rechnen, dass ihre Profitabilität im Prognosezeitraum bis 2019 deutlich unter Druck geraten werde. „Im breiteren Kontext genereller Überkapazitäten und technologischer Innovation, werden einige Banken ihre Geschäftsmodelle überprüfen müssen, um ihre Profitabilität zu stärken“, sagte Draghi.

Ohnehin scheint Draghi die hohe Bedeutung der Banken für die europäische Wirtschaft eher suspekt. „Banken spielen eine unverzichtbare Rolle bei der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen, die eine Schlüsselrolle für die europäische Wirtschaft spielen“, hob Draghi hervor. Diese Form der Kreditvergabe müsse weiter fließen. Banken würden aber sehr prozyklisch reagieren: in guten Zeiten würden sie übertrieben stark ihre Kreditvergabe ausweiten, und sie scharf zurückfahren, wenn die Wirtschaft schrumpfe. „Das führt dazu, dass nach einer Finanzkrise das Wirtschaftswachstum in Ländern mit bank-basierten Systemen dem Wachstum von Ländern mit einem mehr ausbalancierten Finanzsystem hinterherhinken“.

Grund genug für Draghi, für die geplante Kapitalmarktunion der Europäischen Union zu plädieren. Es sei besser, die Realwirtschaft über mehrere Kanäle zu finanzieren, anstatt sich auf gerade einen Kanal zu verlassen. „Gerade die Kapitalmärkte können als nützlicher ‚Ersatzreifen‘ dienen“, sagte Draghi.

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