Banken vs. EZB: Draghi will es nicht allein gewesen sein

Banken vs. EZB
Draghi will es nicht allein gewesen sein

Macht die Europäische Zentralbank mit ihrer Null- und Niedrigzinspolitik den Banken das Leben unnötig schwer? EZB-Präsident Mario Draghi sieht auch andere Gründe für die Schwäche der Branche. Ein Schwarze-Peter-Spiel.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) bezieht gerade aus Deutschland regelmäßig Prügel für ihre Null- und Negativzinspolitik, die den Banken das Geldverdienen schwer macht. In einer Rede auf der ersten Jahrestagung des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken hat EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag aber deutlich gemacht, dass er andere Faktoren für relevanter in Bezug auf die Ertragskraft der Geldhäuser hält: Er hebt vor allem die große Zahl der Banken in einigen europäischen Ländern hervor.

Niedrige Zinsen würden die Zinsmargen von Banken belasten, räumte Draghi zwar ein. Doch die Vielzahl der Banken sei ebenfalls ein Faktor. „Überkapazität in einigen nationalen Bankensystemen und die daraus folgende Wettbewerbsintensität verschärft diesen Druck auf die Margen“, sagte er. Solche Überkapazitäten würden auch dazu führen, dass die Branche nicht effizient arbeite. Da sei ein Grund dafür, „dass die Kosten-Ertrags-Relation in einigen Ländern hoch bleibt“, so Draghi.

Draghi erwähnt zwar auch noch weitere Faktoren, die die Gewinne der Banken belasten, etwa die Digitalisierung oder auch den demographischen Wandel. Aber das „Overbanking“, also Überkapazitäten im Bankgeschäft in einigen Ländern, hob er in seiner Rede besonders hervor. Das dürfte wohl ein kaum verhohlener Seitenhieb des Italieners gegen seine zahlreichen Kritiker in Deutschland sein: Gerade der deutsche Bankenmarkt gilt als „overbanked“, also als üppig mit Banken ausgestattet.

Die Rolle der Geldpolitik spielte Draghi dagegen herunter. Für die niedrigen langfristigen Zinsen macht er nämlich ebenfalls unterschiedliche Faktoren verantwortlich: Diese langfristigen Zinsraten seien in den großen Wirtschaftsräumen seit zwei Jahrzehnten gesunken, verursacht durch demographische Veränderungen, Einkommensungleichgewichte oder die Suche von Anlegern nach sicheren Vermögensanlagen. Die lockere Geldpolitik der EZB und anderer großer Zentralbanken, „die in Übereinstimmung mit ihrem Mandat für Preisstabilität handeln, haben ebenfalls zu den niedrigen Zinsraten beigetragen“, so der EZB-Präsident.

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Draghi: Banken profitieren auch von Niedrigzinsen

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