Deutsche Bank genehmigte Skandalbanker Mega-Bonus

80 Millionen für Bittar
Deutsche Bank genehmigte Skandalbanker Mega-Bonus

Kann ein Banker so gut sein, dass er 80 Millionen Euro Bonus verdient? Die Deutsche Bank meint offenbar: Ja. Sie soll diese Summe 2009 laut einem Medienbericht einem einzelnen Investmentbanker genehmigt haben. Was die Sache noch pikanter macht: Es geht um Christian Bittar, eine der Schlüsselfiguren im Libor-Skandal.
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FrankfurtDem im Zinsskandal entlassenen Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar genehmigte das Geldhaus 2009 für das Jahr 2008 einen Bonus von 80 Millionen Euro, wie das Magazin „Stern“ am Mittwoch berichtet. Der Vorstand habe allerdings beschlossen, die Auszahlung über mehrere Jahre zu strecken. Der Händler, gegen den inzwischen wegen der Manipulation des Referenzzinses Libor ermittelt wird, wurde 2011 entlassen. Finanzkreisen zufolge wurden anschließend von der Bank rund 40 Millionen Euro an Boni einbehalten, die noch nicht an ihn ausgezahlt worden waren.

Die zugesagte Prämie entsprach dem Bericht zufolge einem festen Prozentsatz der von dem Händler erzielten Spekulationsgewinne, die laut „Stern“ bei 500 Millionen Euro innerhalb eines Jahres gelegen haben sollen. Diese Praxis gibt es nach Angaben des Instituts heute nicht mehr. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich am Mittwoch in Frankfurt nicht zu dem konkreten Fall äußern. Er bekräftigte: „Nachdem die Bank festgestellt hat, dass sich eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern unangemessen verhalten hatte, hat sie diese Mitarbeiter suspendiert oder entlassen und verfallbare Vergütungskomponenten einbehalten. Dies wird auch weiterhin der Fall sein, während wir die Untersuchung zu Ende führen.“

Die Deutsche Bank hat mittlerweile sieben Händler vor die Tür gesetzt. Sie sollen in den Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen wie den Libor oder den Euribor verwickelt sein. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe. Großbanken sollen den Zinssatz über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Bei der Deutschen Bank läuft sowohl eine interne Prüfung als auch eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin zu dem Fall.

Weltweit wird gegen mehr als ein Dutzend Geldhäuser in dem Skandal ermittelt. Einige Institute mussten bereits Strafen zahlen. Händler der Banken sollen vor und während der Finanzkrise die Zinssätze zu ihren Gunsten manipuliert und dadurch Handelsgewinne eingestrichen haben. Bei der britischen Großbank Barclays kostete der Skandal Vorstandschef Bob Diamond den Job. Die Schweizer Großbank UBS zahlte im Dezember fast 1,2 Milliarden Euro Buße, die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) einigte sich mit den Behörden auf 612 Millionen US-Dollar (454 Mio Euro) Strafe.

2008 schrieb die Deutsche Bank wegen der Finanzkrise Milliardenverluste. Der Vorstand verzichtete damals auf Boni. Heute hat die Bank - wie die gesamte Branche - auch auf Druck der Regulierer die Boni stärker an längerfristige Erfolge gekoppelt. Sie werden vermehrt in Aktien und über mehrere Jahre gestreckt ausgezahlt.

Zum Vergleich: Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekam in seinen besten Zeiten rund 14 Millionen Euro - Festgehalt plus Bonus. Für das Krisenjahr 2008 hatten Ackermann und seine Vorstandskollegen auf Boni in Millionenhöhe verzichtet.

Kommentare zu "Deutsche Bank genehmigte Skandalbanker Mega-Bonus"

Alle Kommentare
  • Absoluter Schwachsinn. Betrügereien werden auch noch
    belohnt!
    Dieses Geld ist den Aktionären entzogen worden und ist außerdem nicht von der DB versteuert worden.
    Wo bleiben die Staatsanwälte und die Richter?

  • das sind die terroranschläge gegen die deutschlands bevölkerung demonstrieren muss.

    diese 80 millionen die sich die bankensyndikate gegenseitig genehmigen ist ein raub von volkseigentum.

    manchmal wünschte ich mir einen politiker der [...] richtig aufräumt. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Haben Sie schon einmal an Korruption gedacht. Ist Ihnen bewusst, dass in Deutschland Abgeordnetenkorruption immer noch nicht in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurde?

    Seit 2003 besteht diese internationale Forderung. Meines Wissens ist außer der Bundesrepublik nur noch Syrien darin säumig. Jetzt wissen Sie, wo unser Standort ist.

  • Gib mir 7,5 Milliarden Spielgeld. Damit gehe ich in ein Casino ohne Limits. Ich setzte 500 Mio auf rot (50/50 Chance). Gewinne ich, gehe ich zum meinem Finanzier und sacke 16% ein. Verliere ich, setzte ich das Doppelte. Verliere ich wieder verdoppele ich erneut, und notfalls noch einmal. Wenn ich eines der vier Spiele gewinne habe ich ausgesorgt. Wenn der unwahrscheinliche Fall (6,25% ohne Berücksichtigung der 0) eintritt, dass ich alle vier Spiele verliere, trägt mein Finanzier den Verlust und ich gehe wieder Fritten verkaufen. Den Finanzier möge der Banker durch Aktionär im Falle des Gewinnes, durch Steuerzahler im Falle des Verlustes, ersetzen.

    Und das alles ohne abgeschlossenes Studium....

  • @null_Schuldeinsicht: Wo ist die Schuld wenn jemand 500 Mio macht?! Aber Sie haben recht, die Politik ist zum grossen Teil fuer diese aktuelle Krise verantwortlich und schiebt jetzt die Schuld auf die Banken und fuehrt Regulierungsgesetze ein, die mehr schaden als helfen.

  • @Ludwig500: Kleinsparer ueber den Tisch ziehen, finde ich genauso schlecht wie Sie. Aber im Zinshandel bewegen sich nur Profis und wie gesagt noch ist davon auszugehen, dass die 500 Mio Euro legal erwirtschaftet wurden; deutsche Topbank, Asset backed structured Finance.
    @heho: Fakt ist es wurden 500 Mio Euro Gewinn gemacht und die DB wie auch andere haben selbst in der Krise ihre Handelsverluste aus Gewinnruecklagen verkraftet (und die Banker auch keine Boni bekommen, ausser jenem, der selbst in 2008 mit solch einem Gewinn die Bank sogar stabilisert hat), da sie (von den bekannten Problemfaellen abgesehen) stets kalkuliert und bewusst Risiken eingehen. Hierfuer gibt es eigene Divisions nahmens Risikomanagement!

  • Ein wunderbares Beispiel, warum die Situation so ist, wie sie ist.

    Null Schuldeinsicht und das nach wieviel Jahren der Krise?

    Aus genau diesem Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, wann das nächste Fiasko ausgelockt von Banken wieder beginnt bzw. ob die Eindämmung jemals überhaupt gelingen wird, wenn nicht endlich mal an einer anständigen Bankenregulierung begonnen wird und gleichzeitig auch mal ordentlich auf's Pfötchen gehauen wird, dass vielleicht doch mal die graue Masse, die sich am oberen Ende der Person hoffentlich befindet, in Gang kommt.
    Aber zur Rettung der Situation, es sind nicht alle so, einige sind zur Reflexion im Stande.

    Und um den Vorwurf der Neiddebatte direkt den Kopf einzudrücken, ich habe Finanzwirtschaft an einer Spitzendingsbumms erfolgreich studiert, nur habe ich hinterher noch einen anständigen Beruf erlernt, der wesentlich sinnvoller, interessanter und spannender ist. Viel Spass bei ihrem Job, beneiden tue ich Sie jedenfalls nicht darum - im Gegenteil.

  • Lassen Sie das mal nicht Ackermann, Jain und Fitschen hören. Die werden sich mit Händen, Füssen und einer Armada von Anwälten dagegen wehren, den Willen ihrer Aktionäre an den mutmasslichen Libor-Betrüger weitergegeben zu haben. Ansonsten, aus der Sicht eines Jungbankers muss man wohl so denken. Wie weit sind Sie denn schon auf der Karriereleiter? Dürfen sie schon Kleinsparer über den Tisch ziehen oder sind sie erst beim Sparschweininhalt in die Zählmschine werfen?

  • @youngbanker
    Und wenn die 500 Mill. verloren werden, dann zahlt er 80 Mio in die Kasse?

  • @ Ludwig: Sehen Sie, jemand der in der Lage ist 500 Mio. Euro Gewinn in einem Jahr zu erwirtschaften, gibt es nicht an jeder Ecke. Sie koennen nicht einen Autohaendler/verkaeufer mit einem Zinshaendler vergleichen. Der eine hat (wenn ueberhaupt) eine kaufmaennische Ausbildung, der andere ein jahrelanges Studium an einer Sptizenuniversitaet hinter sich, ist eine der besten seines Jahrgangs, hat eine geniale Handelsstrategie entwickelt und einen unglaublich harten Job. Als Bank stehen Sie auf der Suche nach solchen Talenten im Wettbewerb mit London und New York, wo solche Verguetung ueblich sind. Ausserdem sind Verguetungsanreize der Banken so gestaltet, dass der Investmentbanker sehr wohl ein Risiko eingeht. Dieser Bonus wird ja ueber einen langen Zeitraum bezahlt. Laeuft die Strategie nicht ist der Bonus weg (und der Job auch). Und ausserdem handelt der Banker hier im Auftrag und auf Rechnung der Aktionaere, die seine Strategie im Aufsichtsrat oder zumindest vertreten durch den Vorstand zugestimmt haben. Beschweren Sie sich bei den Anteilseigenern der DB!
    Im Uebrigen hat die DB wie viele andere Banken keine Staatshilfen in Anspruch genommen. Fragen Sie mal lieber nach der Gier jedes einzelnen Buergers (siehe Neiddiskussion) und dem Versagen der Politik. Die aktuelle Krise ist zunaechst mal eine Schuldenkrise, die die Politiker zu verantworten haben und nicht die Finanzmaerkte.

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