SPD-Politiker legen Fitschen Verzicht auf Banken-Präsidentschaft nahe

Deutsche Bank
SPD-Politiker legen Fitschen Verzicht auf Banken-Präsidentschaft nahe

Mit dem Anruf bei Hessens Ministerpräsident Bouffier hat Jürgen Fitschen viel Kredit verspielt. Doch auf die schärfer werdenden Attacken aus der Politik reagiert der Co-Chef der Deutschen Bank nicht.
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Frankfurt„Wir Banker stehen zurecht in der Kritik. Deshalb müssen wir die Kultur ändern“, sagt Jürgen Fitschen am Montagabend in Essen. „Jeder einzelne in diesem Sektor muss sich verantwortungsvoll verhalten.“ Doch darauf, ob sein Anruf beim beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) nach der Razzia bei der Deutschen Bank verantwortungsvoll war, geht der Co-Chef von Deutschlands größtem Geldhaus nicht ein.

Die Vergangenheit, die gerade die Schlagzeilen bestimme, werde aufgearbeitet. „Gleichzeitig müssen wir aber auch nach vorne schauen“, sagt Fitschen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Verteidigung bleibt aus. Während Fitschen leise ist, wird die Kritik an ihm und seinem Unternehmen immer lauter. Und sie gewinnt an Schärfe.

SPD-Spitzenpolitiker legten Co-Chef Jürgen Fitschen nach dessen Anruf beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) nahe, auf den Präsidentenposten beim Bundesverband deutscher Banken (BdB) zu verzichten. Fitschen soll im Frühjahr BdB-Präsident werden.

Für den Staatsbürger Fitschen würden die gleichen rechtsstaatlichen Maßstäbe gelten wie für jeden anderen. „Der Bankenverband muss wissen, von wem er sich wie repräsentieren lassen möchte“, sagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) Handelsblatt Online. „Herr Fitschen muss wissen, was in seiner Situation die angemessene Reaktion ist.“

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner. „Dass der Chef der Deutschen Bank sich so eben mal beim hessischen Ministerpräsidenten beschwert, weil die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit tut, ohne Herrn Fitschen vorher um Erlaubnis gebeten zu haben, zeigt ein merkwürdiges Rechtsstaatsverständnis“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „Vielleicht sollte sein nächstes Ziel eher die Teilnahme an einem Kurs in Staatsbürgerkunde sein und nicht die Präsidentschaft beim Bankenverband.“

Im Übrigen sei es vor allem im Interesse der Deutschen Bank und ihres Vorstandsvorsitzenden, dass alle in Rede stehenden Vorwürfe „lückenlos“ aufgeklärt würden, sagte Stegner weiter. „Gerade Führungskräfte in der Wirtschaft sollten wissen, dass der Rechtsstaat keine Bahnfahrt mit Waggons 1. und 2. Klasse ist, sondern nach unserer Verfassung jeder vor dem Gesetz gleich ist.“

Finanzminister Kühl sagte, bei den Vorwürfen handle es sich nicht um eine Bagatelle oder einen fehlgegangenen bürokratischen Vorgang. „Es besteht der Verdacht, dass mit hoher krimineller Energie der Staat um Hunderte Millionen Euro betrogen wurde“, betonte der SPD-Politiker. Es müsse daher auch im Interesse des Wirtschaftsunternehmens Deutsche Bank liegen, hier vollständig aufzuklären. „Ich erwarte jede nur denkbare Unterstützung auch durch den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank“, sagte Kühl.

Dagegen nahm der SPD-Fraktionschef im hessischen Landtag, Thorsten Schäfer Gümbel, Fitschen indirekt in Schutz. Die Unschuldsvermutung gelte „für den kleinen Mann genauso wie für die Deutsche Bank“, schreibt Schäfer-Gümbel auf seiner Facebook-Seite. Ermittlungen müssten immer verhältnismäßig sein. Dafür gebe es „klare Regeln, die sich der Politik entziehen“. Das gelte für alle Ermittlungen, „vom einfachen Diebstahl über Kapitalverbrechen bis zur Steuerhinterziehung“, schreibt das SPD-Bundesvorstandsmitglied.

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Bankenverband stützt Fitschen

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Ermittlungen dürften Monate dauern

Kommentare zu "SPD-Politiker legen Fitschen Verzicht auf Banken-Präsidentschaft nahe"

Alle Kommentare
  • Ackermann bekommt immer mehr recht mit seiner Aussage(Looser) für die beiden an der Spitze der Deutschen Bank.

  • Bei allem Respekt vor und für Herrn Fitschen:
    Unser ehemaliger Bundespräsident hat versucht, etwas ganz ähnliches zu tun. Das Ergebnis -inkl. grandioser Blamage- ist allen bekannt.

    Dem Kulturwandel, den die Kollegen Fitschen und Jain ihrem Hause verordnent haben, sollen doch sicher auch solche Dinge wie Demut und Bescheidenheit zu Grunde liegen.
    Wenn Herr Fitschen sich nun beim hessischen Ministerpräsidenten über ein unverhältnismäßiges Verhalten beschwert, frage ich mich, welchen Maßstab er an sein eigenes Verhalten anlegt.

    Ich würde mal sagen: Gelbe Karte für den Herrn Co-Vorstand.
    Eher dunkel-gelb...

  • Jürgen Fitschen ist offensichtlich in seine neue Rolle noch nicht hinein gewachsen, sonst wäre ihm bewusst gewesen, welchen Wirbel sein Anruf auslöst. Ein CEO, egal ob er von den Vorkommnissen wusste oder nicht, trägt die Verantwortung. Aber das ändert nichts daran, dass dieser spektakuläre Auftritt der Staatsmacht überzogen war. Eine Stufe niedriger hätte sicher zu dem selben Ergebnis geführt. Warten wir also ab, was übrig bleibt, zumal die Steuererklärung bereits berichtigt wurde.

  • Die Summe um die es bei diesem Steuerbetrug geht ist so gross, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fitschen davon nichts wusste vernachlässigbar klein ist.

    Fitschen gehört sofort in Untersuchungshaft.

    Anscheinend werden für dieses Subjekt immer noch Sonderregeln angewendet, andere als für die normalen Bürger.
    Heute morgen gab es die Meldung, dass Fitschen eine Razzia in seinem Privathaus abwenden konnte. Was ist das für ein obskurer Staat?

    Übrigens, es gibt noch immer keinen Haftbefehl für Ackermann.

  • Herr Fitschen hat nur das gemacht, was viele machen.

    Allerdings kommt dies selten oder nie ans Tageslicht. Da sich die Informationskultur gegenwärtig wandelt, werden sich Konzernlenker, wie auch Politiker in Zukunft überlegen müssen, bevor sie handeln.

    Übrigens gibt es noch viel mehr subtile Einschüchterungen und Repressalien auf Mitarbeiter in Konzernhierarchien von oben nach unten.

    Daher gilt der FItSCH stinkt vom Kopf.

  • Fitschen wollte sich beim Ministerpräsident lediglich über das seiner Meinung nach unverhältnismässige Verhalten der staatsanwaltschaft beschweren. Was ein solches Verhaltens mit "sich über den Rechtsstaat zu stellen" zu tun haben soll, ist mir nicht ersichtlich. Jeder der sich vom Staat ungerecht behandelt fühlt kann sich bei den verantwortlichen Stellen darüber beschweren. Und an der Verhältnismässigkeit des Vorgehens der Staatsanwaltschaft kann man durchaus seine Zweifel haben (ich hätte mir beispielsweise einen ähnlich effizienten Einsatz von 500 Beamten bei der Verfolgung der Mörder von Jonny K. in Berlin gewünscht - aber scheinbar ist unserem Staat die Verfolgung von Steuerbetrügern wichtiger). Die Politiker die sich jetzt künstlich über den Anruf von Fitschen echauffieren sind mMn nichts anderes als Linkspopulisten, die vom eigenen Versagen in der Staatsschuldenkrise ablenken wollen und die die Banker dem Pöpel als Sündenbock vorwerfen wollen.

  • Als Bankvorständen fehlt einigen dieser arroganten Kapitalmarktsklaven die persönliche und charakterliche Eignung. Diese ist zwingend vorgeschrieben durch KWG und BAFIN. Die BAFIN sollte diese Herren als Vorstände einfach abberufen. Damit könnte die Zerschlagung dieser Bank schon einmal beginnen.

  • Der bedauernswerte Herr Fitschen:
    Hat sich schon so auf sein Geburtstags-Kanzleramtsdinner mit Angie gefreut. Und dann trampeln die Bullen völlig unsensibel bis in Durchlauchts Zwillingsturmgemächer.

    Herr Fitschen, hat man Sie auf Ihrem beachtlichen Weg ins Chefbüro 150 Meter über Ihren Normalnullen nicht darüber aufgeklärt, dass Unterschriften mitunter nickliche Konsequenzen haben können? Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum Steuererklärungen Ihres Hauses nicht vom Tankwart des Skatbruders Ihres Pförtners unterschrieben werden dürfen? Und warum Sie so viel Geld verdienen und der Tankwart des Skatbruders Ihres Pförtners so wenig Geld verdient? Hin und wieder kann es halt vorkommen, dass Vielverdiener auch viel Verantwortung mit evtl. Konsequenzen haben.

    Sie fühlen sich ungerecht behandelt und wollen, dass Ihr Management wieder dafür sorgt, dass das Verbrecher- und Betrügerimage Ihrer mafiösen Geldvermehrungsmaschine besser wird? Da habe ich einen prima Tipp:

    Sorgen Sie einfach dafür, dass Kriminalität, Gier, Heimtücke und Sprupellosigkeit als oberste Handlungsmaximen aus Ihren (natürlich inoffiziellen) Unternehmsleitlinien gestrichen werden.

  • Herr Fitschen, wenn Ihre Meute
    - aufhört, Handwerkerexistenzen als Peanuts anzusehen
    - aufhört, gestandene Mittelständler rauszuwerfen, weil sie ihren Gewinnvorstellungen nicht mehr entsprechen
    - im Fernsehen keine Kunden mehr exekutiert
    - Kommunen und Mittelständler nicht mehr mit völlig undurchsichtigen Zins- und Derivatgeschäften rasiert
    - aufhört, mit Victory-Zeichen zu zeigen, was sie von Recht und Anstand hält
    - das Zocken mit Lebensmitteln einstellt
    - mal 20 Jahre lang keine Basiszinsen (LIBOR / EURIBOR) manipuliert
    - die Bilanz Ihres Hauses zur Abwechslung mal nicht fälscht
    - sich vor einem Ausschuss des Deutschen Bundestags (das ist eine ziemlich wichtige Einrichtung) mal nicht geriert, wie ein muffiger Zuhälter auf einem Polizeirevier
    - keine Steuern hinterzieht, sondern auch mal sogar in Deutschland bezahlt, ohne sich mit Bilanztricks arm zu rechnen
    - erkennt, dass es sich bei Mitarbeitern der Postbank um echte Menschen handelt
    - sich mal wieder erinnert, wie sich Banker zu Zeiten von Hermann Josef Abs benommen haben,

    dann, ja dann könnte es mal wieder was mit einem guten Image werden.

    Allerdings: Ein gutes Image kann man nicht ruckzuck wie einen Gewinn pushen. Da werden Sie sich einige Jahre anstrengen müssen. Einige Jahre ohne Gaunereien? Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass die DB das schafft!

    Ach ja, falls Sie mal das Grab von Herrn Abs besuchen wollen, fahren Sie am besten nach Australien. Der gute Abs hat sich nämlich schon so oft im Grab gedreht, dass er dort bald rauskommt.

  • @ORE09

    Es geht hier um einen Schaden von fast 1 Mrd. Euro.
    Und sind nicht auch Fitschen & Co. irgenwie auch Vorbilder für die von Ihnen angeführten Gewalttätern auf der Strasse?

    Fitschen & Co., Ackermann, Schröder & Co., all die grossen Strauchdiebe aus Politik und Grosswirtschaft sollten endlich mit Nagelhandschuhen angefasst werden. Null Toleranz bei Grossverbrechern.

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