Wegelin
Das Ende einer 272 Jahre alten Privatbank

Die Schweizer Traditionsbank Wegelin hat eingestanden, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung behilflich gewesen zu sein. Das Institut zahlt eine Strafe in zweistelliger Millionenhöhe – und bestätigt das eigene Aus.
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New York/DüsseldorfEs ist wohl die letzte öffentliche Mitteilung einer Privatbank mit fast dreihundertjähriger Geschichte: „Wegelin wird nach dem Abschluss des US-Verfahrens das Bankgeschäft einstellen.“ Das 1741 gegründete Geldhaus mit Sitz in St. Gallen hört nach einem Rechtstreit in den USA auf zu existieren. Wegelin war die älteste Schweizer Privatbank.

Das Traditionshaus war in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt worden und bekannte sich am Donnerstag in dem Verfahren schuldig. In einer Anhörung vor Richter Jed Rakoff am Bezirksgericht Manhattan gab die Bank zu, reichen Amerikanern dabei geholfen zu haben, Gesamtvermögen in Höhe von mindestens 1,2 Milliarden Dollar am Fiskus vorbeizuschleusen.

Das Institut zahlt insgesamt 57,8 Millionen Dollar (rund 44 Millionen Euro) an Straf- und Entschädigungszahlungen. Die Summe setzt sich aus einer Entschädigung in Höhe von 20 Millionen Dollar an die US-Steuerbehörde IRS sowie ein Bußgeld in Höhe von 22 Millionen Dollar zusammen. Der Rest von 15,8 Millionen Dollar deckt Gewinne der Bank, die mit den verdeckten Konten von US-Bürgern erzielt wurden.

Unklar blieb aber zunächst, ob die Bank auch die Daten einzelner Kunden an die US-Behörden übermittelt hat oder sich bereit erklärt hat, dies noch zu tun. Das ist eine Kernforderung in den Ermittlungen gegen etliche weitere Schweizer Banken in den USA. Die Wegelin-Daten werden zunächst auf jeden Fall aufbewahrt werden.

Die Aktionen amerikanischer Behörden gegen Schweizer Banken hatten 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS begonnen. Das Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab.

Im Januar vergangenen Jahres war das Aus von Wegelin aufgrund der Ermittlungen in den USA bereits eingeleitet worden. Die genossenschaftliche Bankengruppe Raiffeisen übernahm den Löwenanteil der Bank; dieser umfasste 21 Milliarden Kundenvermögen der Nicht-US-Kunden und 700 Mitarbeiter. Dieser Teil der Bank wurde in „Notenstein Privatbank“ umgetauft und von Raiffeisen übernommen. Das Geschäft mit amerikanischen Kunden behielt den Namen Wegelin und wird mit der Beendigung des Verfahrens in den Geschichtsbüchern verschwinden.

Wegelin war vor 274 Jahren in St. Gallen gegründet worden und wuchs erst in den 1990er Jahren zu beträchtlicher Größe heran. Die Bank hatte schließlich dreizehn Standorte – ausschließlich in der Schweiz. Das Geschäft in den USA wurde mit der UBS als Dienstleister betrieben. Wegelin hatte gehofft, nicht zur Rechenschaft gezogen werden zu können, da die Bank keine Filialen oder Zweigstellen in den USA besaß.

 

Kommentare zu "Das Ende einer 272 Jahre alten Privatbank"

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  • die Verfahren gegen Schweizer Banken sind doch nur eine Farce, letztlich geht es doch nur um einen Kampf der Rechtssysteme, den die Schweiz nun verloren hat.
    Wer glaubt, das amerikanische Banken oder andere weniger behilflich sind bei der Vermeidung von Steuern, der träumt.
    In der Krise ist es aber hilfreich Sündenböcke zu haben die man schröpfen kann.
    Versaut haben es die USA und die EU, die Schweiz ist da nur ein Sündenbock. Zu dem einer bei dem was zu holen ist.
    Die Finanzgesetze sind ohnehin so formuliert, das die einen legal Steuern vermeiden können, die anderen nicht.
    Das ist lediglich ein Machtkampf ohne jegliche moralische Dimension. Die wird lediglich für den äußeren Anschein gebraucht und gesetzgeberisch konstruiert, wie es gerade passt.

    H.

  • Da muss man doch nur die SUB Überschrift etwas kürzen:
    "Die Schweizer Traditionsbank Wegelin hat eingestanden, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung behilflich gewesen zu sein. Das Institut zahlt eine Strafe in zweistelliger Millionenhöhe – und bestätigt das eigene Aus."

    zu
    Die Schweizer Tradition Bürgern bei der Steuerhinterziehung behilflich gewesen zu sein bestätigt das eigene Aus.

    Aus meiner Sicht ist es genau dass was die Schweiz kann, da vergess ich die Uhren und die Schockolade und den Käse.
    Mal sehn wie lange das noch so geht

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