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19.06.2008 
UBS-Mitarbeiter sagt vor Gericht aus

Bankgeheimnis: Wenn Schweizer baden gehen

von Jan Dirk Herbermann

Hat die Sterbeglocke für das Bankgeheimnis in der Schweiz geläutet? Packt ein Ex-Banker heute vor einem Gericht in den USA aus, droht nicht nur der Großbank UBS der Entzug der US-Lizenz. Das Ende des erfolgreichsten Geschäftsmodells der Hochfinanz könnte nahen.

Dunkle Wolken über einem UBS-Logo in Zürich. Nicht nur der Schweizer Großbank droht durch einen US-Gerichtsprozess Ungemach. Foto: ArchivLupe

Dunkle Wolken über einem UBS-Logo in Zürich. Nicht nur der Schweizer Großbank droht durch einen US-Gerichtsprozess Ungemach. Foto: Archiv

ZÜRICH. Zürich, Bahnhofstraße. Die blau-weißen Trams surren über die Schweizer Nobelmeile. Angestellte des größten Vermögensverwalters der Welt, der UBS, steigen aus den Waggons und eilen an ihre Schreibtische, um am Hauptsitz der Schweizer Bank die Vermögen ihrer Kunden zu mehren. Emsig, verschwiegen – und in guten Zeiten auch mit großem Erfolg.

Zwar steckt den UBS-Bankern das Debakel mit Ramschhypotheken in den USA noch in den Knochen. Das helvetische Traditionshaus verlor in der Subprime-Krise 25 Milliarden Euro. Gerade aber schaffte es die Bank, sich per Kapitalerhöhung 18 Milliarden Euro frisches Geld zu besorgen – Geld, das sie dringend braucht. Die Himmel über der eidgenössischen Hochfinanz strahlt also wieder sonnig-blau statt gewittergrau. Eigentlich.

Doch der heutige Donnerstag könnte in die Chroniken der UBS als schwarzer Donnerstag eingehen. Und nicht nur für die UBS: Er könnte auch eine der härtesten Attacken gegen das Schweizer Bankgeheimnis einläuten. Schon sind die gesamte Schweizer Bankenszene und der Bundesrat, die Regierung der Schweiz, alarmiert. „Der Bundesrat hat sich über den Fall vom Finanzminister bereits orientieren lassen“, bestätigt der Sprecher des Berner Bundesamtes für Justiz, Folco Galli.

„Orientierung“ tut not. Das Unheil braut sich auf der anderen Seite des Atlantiks zusammen: In Fort Lauderdale, jener Stadt in Florida, die Tausende vergnügungssüchtiger Studenten jährlich zu Ostern in eine Hochburg des Lasters verwandeln, muss heute der frühere UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld vor Gericht aussagen. Genauer gesagt: Bradley Birkenfeld wird wohl auspacken.

Der 43-jährige Amerikaner ist der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Als mutmaßlichen Komplizen Birkenfelds nahmen die Amerikaner den Liechtensteiner Mario Staggl ins Fadenkreuz. Doch der tauchte ab: Staggl wurde zuletzt in seinem Heimatland geortet.

Steuerhinterziehung, Liechtenstein und Schweiz: Der Skandal um Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, der mit Hilfe von Stiftungen in Liechtenstein Steuern hinterzogen haben soll, hat diesen Dreiklang im Frühjahr zum wiederholten Male ertönen lassen. Verschwiegene Banken bieten solventen Klienten diskret kreative Wege an, um den einen oder anderen Euro vor dem heimischen Fiskus zu „retten“ – gern mittels eines Treuhänders samt Stiftung, die in einem kleinstadtgroßen Alpenländle hinter einem goldenen Klingelschild residiert. Immer wieder tobten Finanzminister wie Deutschlands Peer Steinbrück, und immer wieder ließen die Alpenländler den Zorn abtropfen und verteidigten verbissen eines der größten Erfolgsmodelle der globalen Hochfinanz: das Bankgeheimnis (siehe: Hände weg!).

Der Fall UBS könnte das vertraute Muster ein für alle Mal hinwegfegen – und die altehrwürdige UBS schwer beschädigen.

Die Fakten: UBS-Mann Birkenfeld soll dem russischstämmigen Milliardär Igor Olenicoff die Kniffe gesteckt haben, um 200 Millionen Dollar am amerikanischen Fiskus vorbeizuschleusen. Olenicoff hat sich bereits verglichen und nachgezahlt. Nun ist Birkenfeld dran. Möglicherweise aber sind die Olenicoff-Millionen nur Peanuts. Denn die UBS soll Schwarzgeld in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar von 20 000 amerikanischen Kunden außerhalb der USA horten – will die „New York Times“ erfahren haben.

Nun fordern die US-Behörden die Daten dieser 20 000 Kunden von der UBS. Rückt die Bank sie raus, würde die chinesische Mauer rund um den Bankplatz Schweiz kräftig geschleift.

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