Basel IV: Bankenaufseher versprechen lange Übergangsfristen

Basel IV
Bankenaufseher versprechen lange Übergangsfristen

Die internationalen Bankenregulierer melden Fortschritte bei ihrem jüngsten Reformprojekt Basel IV. Die endgültige Einigung steht aber noch aus, weil ein wichtiger Streitpunkt auf Januar vertagt wurde.
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FrankfurtWeißer Rauch ist über Santiago de Chile noch nicht aufgestiegen: Die internationalen Bankenregulierer, die sich am Montag und Dienstag in der chilenischen Hauptstadt zusammengesetzt hatten, konnten die Differenzen, die vor allem zwischen den Europäern und den USA bestehen, noch nicht beilegen. Dennoch rückt ein Kompromiss im Streit um neue Regeln für die Finanzbranche näher. „Wir haben sehr gute Fortschritte gemacht und die Konturen einer Vereinbarung sind nun klar“, sagte Schwedens Notenbankchef Stefan Ingves am Mittwoch in Chile laut Redemanuskript.

Ingves ist Vorsitzender des Basler Bankenausschusses. Dieses Gremium, dem 27 Länder angehören, vereinbart international gültige Leitplanken für das Bankgeschäft. Zwei Tage lang hatte der Ausschuss in Chile an einem Reformpaket gearbeitet, um die Risikokalkulation von Banken neu zu regeln. Davon hängt ab, wie viel Kapital Banken für ihr Geschäft benötigen. Vor allem europäische Großbanken könnte das belasten. Sie verwenden häufig eigene Risikomodelle, deren Nutzung die Reform einschränken soll. Denn interne Modelle errechnen in der Regel ein weit geringeres Risiko – und damit auch einen weit geringeren Eigenkapitalbedarf – als die konservativen Standardmodelle, die vor allem kleinere Banken verwenden.

Ingves räumte ein, auf globalem Niveau seien die Auswirkungen nicht gravierend, sie könnten aber „für einige Banken sehr wohl signifikant sein“. Kapitallücken, die durch die Reform entstünden, würden „klein und relativ konzentriert“ anfallen. Die gute Nachricht für die Branche: „Es ist wichtig anzumerken, dass wahrscheinlich eine lange Einführungs- und Übergangsphase Teil dieses Pakets sein wird“, sagte Ingves. Unklar ist allerdings, wie diese langen Übergangsfristen genau gestaltet werden können. Meistens erwarten Investoren und Analysten von Banken, dass sie neue neue Vorschriften schon unmittelbar erfüllen, selbst wenn lange Übergangszeiten gelten. „Dafür gibt es aber auch Lösungen“, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Europäische Politiker hatten im Vorfeld gefordert, durch die Reformen dürften die Kapitalanforderungen auf keinen Fall deutlich ansteigen. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, hatte sogar damit gedroht, die Reform im Zweifel nicht in europäisches Recht umzusetzen. Die Vorschläge des Basler Ausschusses sind nicht verbindlich, werden in der Regel aber eingeführt. Gerade in Deutschland hatte es Stimmen gegeben, die gefordert hatten, eher auf eine Einigung zu verzichten, als einen schlechten Kompromiss einzugehen. Doch ob eine Einigung auch unter der künftigen US-Regierung von Donald Trump noch realistisch gewesen wäre, bezweifeln viele. Daher galt der Einigungsdruck als besonders hoch.

Einen wichtigen Streitpunkt vertagten die Aufseher allerdings: Die Frage, ob der Nutzen, den Banken aus ihren eigenen Risikomodellen ziehen können, begrenzt werden soll. Die USA, die den internen Risikomodellen zutiefst misstrauen, fordern sehr eng gefasste Grenzen dafür. Im Vergleich zu einer konservativen Standardmethode sollen die Vorteile, die eine Bank durch ein internes Modell erzielen kann, 20 Prozent begrenzt werden. Den Europäern ist eine solche Begrenzung zu eng gefasst. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte sich sogar gegen jegliche Begrenzung ausgesprochen. Nun sollen die Chefs der Notenbanken und Bankenaufseher, das GHOS-Gremium, diese Frage bei einem Treffen Anfang Januar klären. Er rechne damit, dass eine solche Begrenzung Teil des Pakets sein werde, so Ingves.

Auch wenn über eine Deckelung von internen Modellen gestritten wird, bei einigen Einschränkungen dieser Risikomethode scheinen sich die Regulierer geeinigt zu haben. Bestimmte Parameter geben Aufseher künftig vor („input floors“). Operationelle Risiken, also Verlustgefahren etwa aufgrund des Fehlverhaltens von Mitarbeitern, werden künftig von den Aufsehern bemessen und nicht mehr von den Banken selbst. Auch die konservativere Standardmethode zur Risikomessung wurde modernisiert und gilt nun als weniger grobschlächtig. Der Effekt daraus soll kapitalneutral sein.

Für die Banken ist es sehr wichtig, dass zeitnah Klarheit herrscht. Der Status Quo ist für die Branche unerfreulich: Jeder Investor weiß, dass die Vorschriften strenger werden könnten, aber niemand weiß, wie schlimm es genau kommt. Auf einer solchen Basis ist es für viele Banken schwer, Investoren zu überzeugen oder weitreichende strategische Entscheidungen zu treffen

Kommentare zu " Basel IV: Bankenaufseher versprechen lange Übergangsfristen"

Alle Kommentare
  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 
     

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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