Bear Stearns-Analyse: Kreditkrise holt die Versicherer über Umwege ein

Bear Stearns-Analyse
Kreditkrise holt die Versicherer über Umwege ein

Sinkende Zinsen und fallende Aktienkurse bedrohen die Renditen der Assekuranz. Nach Brokermeinung unterschätzen Lebensversicherer grundsätzlich die Zinsrisiken, ein hedgen könnte die Absicherung gegen Krisen wie die derzeitige erhöhen.

kol/lie/rl. KÖLN. Die Finanzmarktkrise ist nach Einschätzung des Brokerhauses Bear Stearns für die deutsche Assekuranz schlimmer als die letzte Börsenkrise. „Dieses Mal sind alle für die Versicherer wichtigen Anlagenklassen betroffen und nicht nur Aktien“, sagte Versicherungsanalysten Carsten Zielke von Bear Stearns am Rande einer Veranstaltung seines Hauses. Ein Absturz der Aktien um zehn Prozent sei für die Lebensversicherer weniger schlimm als eine Zinssenkung um 50 Basispunkte, weil sie nur zu 10,5 Prozent in Aktien, aber zu 85 Prozent in Zinstiteln investiert seien. Die Versicherer hatten bisher immer betont, sie seien im Gegensatz zu den Banken kaum von den Folgen der US-Hypothekenkrise betroffen. Dabei bezogen sie sich jedoch zumeist auf die unmittelbaren Auswirkungen der Krise auf die strukturierten Finanzprodukte.

Von diesen mit Forderungen unterlegten Anleihen und Wertpapieren, die durch die Krise dramatisch an Wert verloren haben, haben die Versicherer in der Tat meist nur wenig in ihren Portfolios. Dies hatte eine Umfrage der Finanzaufsicht BaFin gezeigt. Doch nun erwischt es die Versicherer indirekt, weil sinkende Zinsen und fallende Aktienkurse ihre Rendite drücken.

Die Zinsrisiken würden von den Lebensversicherern grundsätzlich tendenziell unterschätzt, so Zielke. Die Versicherer hielten knapp zwölf Prozent der in Deutschland von Banken gewährten Kredite. In der Rechnungslegung würden diese Risiken kaum berücksichtigt: So würden die hohen Spreads nicht eingepreist, sondern eine Art risikoloser Zins wie bei Bundesanleihen unterstellt. Zielke rät den Versicherern ihre Zinsrisiken zu hedgen.

Sorgen macht sich die Branche auch um die Ratings der Banken. Komme es hier zu Herabstufung auf Non-Investmentgrades, müssten die Versicherer diese Bankanleihen zumindest teilweise verkaufen, was die Liquidität am Markt belasten würde, so ein Versicherungsmanager. Zum Jahresultimo 2007 habe die Hälfte der Versicherer aufgrund der vorangegangenen Zinserhöhungen stille Lasten in den Büchern gehabt. Insgesamt seien die Kapitalanlagen der Versicherer nur 9,32 Mrd Euro mehr wert gewesen als in ihren Büchern ausgewiesen (Stille Reserven). Damit sei die Reservesituation fast so schlecht wie 2003, so Zielke. Zinssenkungen würden nun zwar die Reserveposition bessern, bedeuteten aber auch niedrigere Zinsen für die Neuanlagen.

Die Finanzkrise macht auch den Industriekunden Sorgen. Die firmeneigenen Makler deutscher Großunternehmen fürchten, dass die Renditen der Versicherer aufgrund der Subprime-Krise sinken. Dies würde sie einerseits in der betrieblichen Altersversorgung für ihre Mitarbeiter treffen, andererseits könnte sich dies in Prämienverteuerungen in der Industrieversicherung niederschlagen. Ähnliches habe man im Zuge der Börsenkrise nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gesehen.

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