Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) erwartet in Zukunft einen härter werdenden Konkurrenzkampf im Beteiligungsmarkt. Neben den klassischen Private-Equity-Häusern bemühten sich zunehmend Infrastrukturfonds und auch Industriekonzerne um lukrative Deals.
FRANKFURT. Bei insgesamt stabilen Rahmenbedingungen für die Branche rechnet KKR-Europachef Johannes Huth in den nächsten Jahren auch in Europa mit Transaktionen im Wert von bis zu 30 Mrd. Euro. Der bisher größte Deal mit KKR–Beteiligung ist die Übernahme des amerikanischen Krankenhausbetreibers HCA für 33 Mrd. Dollar.
Die Private-Equity-Häuser seien in den vergangenen Jahren aus einer Nische heraus zu einem integralen Bestandteil der Finanzmärkte aufgestiegen. Huth kritisierte dabei, dass die Branche in der Außendarstellung schlecht organisiert sei und mehr für ihr Image tun müsse. Das gelte zukünftig umso mehr, weil die Finanzinvestoren verstärkt als Arbeitgeber wahrgenommen würden. So arbeiteten schon heute in Europa rund sechs Millionen Beschäftigte in Portfoliounternehmen von Finanzinvestoren. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hatte im Frühjahr 2005 die Finanzinvestoren mit Heuschrecken verglichen, die Unternehmen ausplündern und dann weiterziehen. Seitdem versucht die Branche, dieses Etikett wieder loszuwerden. KKR selbst stellt immer wieder heraus, dass man in den übernommenen Firmen neue Jobs geschaffen und den Unternehmenswert gesteigert habe. Zuletzt hatte KKR bei der Übernahme der Gabelstapler-Sparte von Linde weitreichende Standort- und Arbeitsplatzgarantien abgegeben.
KKR sammelt derzeit rund 16,5 Mrd. Dollar für einen neuen Fonds ein, auch die Texas Pacific Group, Blackstone und Permira sind im zweistelligen Milliardenbereich angekommen. Huth erklärte, KKR halte an den Mega-Fonds fest, da man sich so von der Konkurrenz absetzen könne. „Nur eine Hand voll Fonds können sehr große Übernahmen finanzieren, was wir als Wettbewerbsvorteil sehen.“
Private-Equity-Fonds wie KKR, CVC, Permira oder Allianz Capital Partners kaufen Konzernteile oder große Mittelständler, um sie innerhalb von zwei bis sieben Jahren neu zu strukturieren. Danach reichen sie die Firmen an andere Finanzinvestoren oder industrielle Käufer zu einem höheren Preis weiter. Mittlerweile sind die Fonds zu Schwergewichten in der Finanzwelt aufgestiegen, in den vergangenen zwölf Monaten bestritten sie nach Branchenschätzungen rund 20 Prozent der Übernahmen und Fusionen. Außerdem kamen rund 50 Prozent der Börsengänge aus den Beständen der Wagniskapitalgeber.
Pensionskassen und Stiftungen steckten 2005 etwa 72 Mrd. Euro in europäische Beteiligungsfonds, damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2000 mit damals 48 Mrd. Euro deutlich übertroffen. Auch der Trend zu immer größeren Deals wird sich laut Huth fortsetzen. Lag die durchschnittliche Transaktionsgröße vor fünf Jahren noch bei lediglich 62 Mill. Dollar, so ist sie in diesem Jahr schon auf 263 Mill. Dollar geklettert.
Kritisch setzte sich Huth mit der immer höheren Fremdfinanzierung bei den Deals auseinander. Getrieben durch die günstigen Kreditkonditionen der Banken sei eine „Liquiditätsblase“ entstanden, deren Risiken sich KKR bewusst sei. Sein Haus verhalte sich deshalb konservativer als der Markt. Laut der Rating-Agentur Standard & Poor’s wird den Unternehmen das 5,5-fache des operativen Gewinns als Schulden aufgebürdet, das langjährige Mittel lag zwischen dem Faktor 4,2 und 4,4. Die Finanzinvestoren setzen bei den Firmenkäufen nur 20 bis 30 Prozent Eigenkapital aus ihren Fonds ein, den Rest steuern die Banken bei.
KKR rechnet in den nächsten Jahren mit einer beschleunigten Globalisierung des Beteiligungsgeschäfts, wobei Asien verstärkt Mittel anziehe. Der amerikanische Finanzinvestor hat schon Büros in Tokio und Hongkong eröffnet und große Buyouts in Indien, Australien und Singapur getätigt.

