Die Modelle der Eigentümer und des Managements für die Zukunft der WestLB stoßen in der Belegschaft der Landesbank auf Widerstand. Die Mitarbeiter sind gegen eine Aufspaltung, befürchten weitere Entlassungen. Unter diesen Umständen sind Streiks nicht ausgeschlossen.
Die WestLB wird womöglich in zwei Teile geteilt, der Betriebsrat signalisiert seine Streikbereitschaft. Foto: AP
FRANKFURT. "Die Beschäftigten stehen den Plänen zur Aufteilung der WestLB ablehnend gegenüber", sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Doris Ludwig gegenüber dem Handelsblatt. "Die Mitarbeiter fragen sich, warum nur für die WestLB eine Aufspaltung geplant ist, während die übrigen Landesbanken als Ganzes in die Fusionsverhandlungen eingebracht werden", ergänzte die Vertreterin der Arbeitnehmer. Dass sich Vorstand und ein Teile der Eigentümer darauf festgelegt habe, schwäche die Verhandlungsposition der Bank.
Das Management der WestLB führt derzeit Gespräche mit der Dekabank über eine Zusammenlegung des Kapitalmarktgeschäfts. Hintergrund ist der Plan von WestLB-Vorstandschef Heinz Hilgert, die Bank in zwei Betriebsteile aufzuspalten und so die Konsolidierung unter den Landesbanken über eine "funktionale Arbeitsteilung" voranzutreiben. Das Düsseldorfer Kreditinstitut wurde durch eine Risikoabschirmung der Eigentümer - des Landes NRW und der Sparkassen - stabilisiert. Im Gegenzug erwartet die EU-Kommission einen neuen Mehrheitseigentümer und eine deutliche Reduzierung der Bilanzsumme. Gegenwärtig läuft schon bei der WestLB ein Programm zum Abbau von 1 350 Stellen bis zum Jahr 2010 auf nur noch 4 800 Mitarbeiter. Die Belegschaft - die ihre Bedenken in dieser Woche auf einer Betriebsversammlung vortrug - treibt die Sorge um, dass weitere Entlassungen und Standortschließungen kommen.
Die Gewerkschaftler suchen schon nach neuen Wegen, um die Interessen der Arbeitnehmer in der kommenden Konsolidierung der Landesbanken zu wahren. Laut Ludwig wird in den Landesbanken über einen "Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung" nachgedacht. Die Arbeitnehmervertreter hielten in dieser Frage den Kontakt. Das erfordere die Bildung einer Tarifkommission, die dann entsprechende Forderungen zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung beschließen würde. Tarifforderungen müssten aber auch durchgesetzt werden. Hierzu sei die Unterstützung der Belegschaft gefragt. "Als letztes Mittel sind dann natürlich auch Streiks nicht ausgeschlossen", sagt die Betriebsrätin. Man müsse zu einheitlichen Bedingungen in der Konsolidierung kommen, damit die Belegschaften nicht gegeneinander ausgespielt würden. Ende 2007 waren bei den deutschen Landesbanken rund 60 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi meldet Bedenken gegen Fusionen an und bestätigt die Pläne für einen speziellen Tarifvertrag zur Jobsicherung. "Wir wollen die Frage beantwortet haben, wie die Konsolidierung tarifvertraglich geregelt werden könnte", sagt der Verdi-Sprecher für Finanzdienstleister, Jörg Reinbrecht. Ein solcher Vertrag wäre ein Novum für die Landesbanken. Derzeit vermisst Reinbrecht Klarheit über die konkreten Pläne für die Neuaufstellung der WestLB und der Landesbanken generell. Die Bildung von großen Einheiten berge auch Risiken für die Sparkassen, weil sie schließlich von dezentralen Strukturen lebten. "Dazu passt nicht das Gewicht einer einzigen großen Landesbank", sagt Reinbrecht. Die Sparkassen liefen dann Gefahr, ihre Unabhängigkeit zu verlieren.
Die Sparkassen haben sich jüngst für die Verdichtung der noch sieben selbstständigen Landesbanken auf nur noch drei Blöcke ausgesprochen. Sparkassenpräsident Heinrich Haasis hatte jüngst auf die großen Einsparmöglichkeiten bei Fusionen hingewiesen. Dabei würden auch Arbeitsplätze abgebaut. "Aber das würde sich auch nicht vermeiden lassen, wenn alles so bliebe wie bisher", meinte Haasis. Bankenexperte Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) warnte aber gestern davor, die "Komplexitätsfragen" bei Fusionen zu unterschätzen. Besser wäre es, wenn die Institute angesichts der Finanzkrise zunächst schrumpfen würden und sich stärker auf das Kundengeschäft konzentrierten. Fusionen hätten generell immer ein hohes Risiko bei der Umsetzung.


