Besondere Prüfung: Bankenaufsicht schlägt bei Schiffskrediten Alarm

Besondere Prüfung
Bankenaufsicht schlägt bei Schiffskrediten Alarm

Die Schiffsfinanzierung ist ein Sorgenkind vieler deutscher Banken. Vor allem HSH Nordbank, NordLB und Commerzbank sind von der Schwäche der Branche betroffen. Jetzt ordnet die Bafin eine besondere Prüfung an.
  • 7

FrankfurtDie deutsche Bankenaufsicht nimmt das rund 100 Milliarden Euro schwere Geschäft mit Schiffskrediten ins Visier. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Wirtschaftsprüfer in einem Brief angewiesen, die Schiffsfinanzierung bei der Prüfung der Bilanzen 2012 besonders unter die Lupe zu nehmen, wie mehrere Prüfer, Banker und Aufseher am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Die Branche leidet unter Überkapazitäten und der Flaute im Welthandel. Angesichts der Krise sollten die Werthaltigkeit der Forderungen, die Risiken in den Portfolien und die notwendigen Wertberichtigungen beleuchtet werden.

„Die Bafin hat gegenüber Unternehmen und Abschlussprüfern angekündigt, dass Schiffskredite bei den betroffenen Banken das Schwerpunkt-Thema bei der Abschlussprüfung in diesem Jahr sein sollen“, sagte Dirk Müller-Tronnier, Leiter der Banken-Praxis bei der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young. „Davon durfte aber keine der Banken überrascht sein. Im Ergebnis ersetzt das eine Sonderprüfung.“ Bei einigen Instituten dürfte ein ganzer Sonderband zum Prüfbericht fällig werden. Die Bafin wolle die Portfolien besser vergleichen können, sagte Müller-Tronnier. „Wenn sie dann die Risiken größer einschätzt als die Banken, könnte sie etwa eine höhere Eigenkapitalunterlegung verlangen.“

Allein die zwölf größten deutschen Banken hatten Mitte 2012 nach Bundesbank-Daten 97,8 Milliarden Euro Schiffskredite in den Büchern, allen voran die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB sowie die Commerzbank, die zu den fünf größten Schiffsfinanziers weltweit gehören.

Die Bafin dringe darauf, dass die Institute ihre Portfolien nun über Wertberichtigungen bereinigten, berichtete die „Börsen-Zeitung“. In den vergangenen Jahren habe sich eher kulant gezeigt. Die NordLB hatte ihre Risikovorsorge in den ersten neun Monaten mehr als verdreifacht, der Löwenanteil davon betrifft Schiffskredite. Auch die HSH hat die Wertberichtigungen deutlich erhöht. Die Commerzbank hatte zur Jahresmitte den Rückzug aus dem Geschäft mit Immobilien- und Schiffskrediten angekündigt. Bis die Bestände abgebaut sind, wird es allerdings Jahre dauern.

„Die Argumente dafür, dass man auf Wertberichtigungen in den Portfolien verzichtet, werden immer weniger, je länger die Krise dauert“, sagte Müller-Tronnier. „Die Entwicklung ist ja nicht besser geworden. Aber es kann durchaus plausibel sein, dass von zwei Banken mit dem gleichen Kreditvolumen ein Institut eine Milliarde, die andere aber nur 200 Millionen Euro abschreibt. Das hängt sehr von den Segmenten und den Kunden ab.“ Bestimmte Schiffstypen und Reeder sind von der Krise schließlich härter getroffen als andere.

Auch die Bundesbank hat in ihrem Finanzstabilitätsbericht kürzlich wegen der Branchenkrise Alarm bereits geschlagen. „Die Krise der internationalen Schifffahrt (...) trifft einige Institute doppelt. Zum einen erhöht sie den Risikogehalt entsprechender Forderungen. Zum anderen steigen wechselkursbedingt die Euro-Nominalbeträge der Kredite, die in Dollar ausgereicht wurden.“ Der Rückzug einzelner Banken und die Schieflagen geschlossener Schiffsfonds erschwerten für die Reeder die Kreditverhandlungen und die Anschlussfinanzierungen und erhöhten das Ausfallrisiko damit weiter.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Besondere Prüfung: Bankenaufsicht schlägt bei Schiffskrediten Alarm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dürfte wohl bedeuten, die BAFIN vermutet, das beim Verkauf der Schiffe nicht einmal der Kredit einigermaßen zurückgezahlt werden kann. Mit den Schiffsfonds haben alle den Schnellen Euro gemacht, jetzt sitzen die alle auf tickenden Verlustbomben. Die DE Reeder haben seit der Lehmann Pleite auch keine neuen Schiffe mehr bestellt.

  • Das die Schiffsfinanzierungen unter die Lupe gehören ist ein offenes Geheimnis. Jeder weiß, dass es der Branche (im Moment jedenfalls) nicht gut geht und die Bedienung des Kapitaldienstes solcher Kredite ziemlich zu wünschen übrig lässt.

    Banken wollen diese Finanzierungen einfach nur so schnell wie möglich los werden. Dabei wäre es viel sinnvoller, Restrukturierungskonzepte zusammen mit den Schiffsbetreibern zu erarbeiten, als sie über den Jordan zu schicken. Ausserdem sind die im Schiffsregister eingetragenen Schiffshypotheken, nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen.

    Das ist im Grunde genauso wie mit Immobilienhypotheken. Da kannst du versuchen zu verwerten wie du willst, findet sich kein Käufer bleibt auch hier die Bank auf dem Ausfall sitzen.

    Banken fehlt es einfach an Rückstellungen für solche (faulen) Schiffskredite. Da Basel III und CRD IV noch nicht - wie eigentlich 2012 gehofft - eingeführt worden ist, lassen sich auch die Banken Zeit damit.

    Die Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen können die eine oder andere Bank sicher (wieder) in Bedrängnis bringen. Wenn man aber bedenkt, dass die KfW u.U. für solche Kredite Garantien gegeben hat, dann relativiert sich das wieder.

    Vielleicht sollte die Bafin und die EBA mal die KfW und ihre Töchter unter die Lupe nehmen. Diese Bank wird als Bank des Bundes nämlich mit Steuergeldern gefüttert. Auch so ein Moor wo unsere sauer verdiente Kohle versickert.

  • 02.01.2013, 20:36 Uhr
    Ihr Kommentar:
    Es ist die Frage, ob die Aktivität der BaFin nützt oder schadet?

    Ungeachtet der Antwort muß doch eines ganz klar festgestellt werden, dass aufgrund der BaFin die Situation an den Märkten verschärft, schwieriger und nicht entspannter wird. Letztlich ist doch die Frage was Bankenaufsicht überhaupt bewirken soll. Sie hat so stark ausgestattet zu sein, dass sie nicht dann aktiv zu werden hat, wenn die letzten Spatzen das Lied auch schon kennen.

    Zugegeben, 1974 gab es den Herstatt-Fall und rühmlich hat die Bankenaufsicht da auch nicht ausgesehen, aber das, was wir seit BASEL erleben, das hat es vorher nicht gegeben. Es ist richtig, die Derivate oder Finanzinnovationen, die Herr Sanio anfangs, im April 1984, verbieten wollte, sind dazu gekommen, aber wäre es nicht an der Zeit gewesen einen "Stellwärter" statt einem "Schaffner" auszubilden?

    Für mich ist die heutige Situation in der Finanzwirtschaft die Abrechnung der Versäumnisse und nicht das Ergebnis von "Herausforderungen". Aber noch schlimmer ist in der Krise, dass sie zwar gut bezahlte Leute aber keine Führungskräfte hat.

    Ein ehemaliger Finanzminister, der neue Kanzlerkandidat, der nach seinem Ausscheiden aus seiner Verantwortung als oberster Bankenaufseher, für viel Geld, sehr viel Geld nachher jedem, auch dem der es nicht hören will, erklären will, was zu tun wäre und dann auch noch mehr Geld für den Job haben will, den er anstrebt, muss doch einmal in sich gehen.

    Es müsste der Anforderungskatalog neu erstellt werden, der klärt, wer wann was zu tun hat. Dann könnte es bei richtiger Besetzung der Funktionen mit Führungskräften wieder aufwärts gehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%