Die Bank der Notenbanken fordert eine stärkere Zusammenarbeit von Währungshütern und Aufsehern. Das Eingreifen von EZB und Co. hätte zwar das schlimmste verhindert, doch die Banken dürften jetzt auf keinen Fall das Managen ihres Liquiditätsrisikos vernachlässigen. Als Reaktion fordert die BIZ ein „Gesamtkonzept für die Finanzstabilität“.
FRANKFURT.Die Zentralbanken müssen sich intensiv mit ihrer Rolle als Liquiditätsanbieter und Teil der staatlichen Finanzaufsicht auseinander setzen. Das fordert die als „Bank der Notenbanken“ bekannte Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem gestern vorgelegten Jahresbericht. Sie steht bereit, den Zentralbanken und Aufsehern zu helfen, bessere Antworten auf alle damit verbundenen Fragen zu finden.
Als Reaktion auf die Refinanzierungsprobleme großer Banken in der Finanzkrise hatten die Zentralbanken eine Reihe außerordentlicher Maßnahmen ergriffen, um die Finanzmärkte mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Diese Hilfen der Zentralbanken haben „ganz klar eine Verschärfung der Krise verhindert“, schreibt die BIZ. Dennoch sei der Abstand zwischen den Leitzinssätzen und dem Drei-Monats-Libor immer noch ungewöhnlich hoch. Darüber hinaus habe das verstärkte Liquiditätsangebot der Zentralbanken zwar dazu beigetragen, in Zeiten finanzieller Anspannungen den Druck zu mildern. Es sollte jedoch Marktmechanismen nicht dauerhaft ersetzen. „Irgendwann müssen notleidende Aktiva wieder auf den Markt kommen und dürfen nicht bei den Zentralbanken verbleiben“, fordert die BIZ. Das sollte so bald wie möglich geschehen.
Die Zentralbankliquidität dürfe auch nicht dazu führen, dass die Banken auf längere Sicht ihr umsichtiges Management des Liquiditätsrisikos vernachlässigten, warnt die BIZ. Die Banken seien sich erst während der Krise bewusst geworden, wie anfällig sie gegenüber Liquiditätsschocks inzwischen sind. Sie hatten sich zu sehr auf kurzfristige Liquidität gestützt, die sie an den Geldmärkten aufnahmen.
Eine wichtige Lehre aus der Finanzkrise ist nach Ansicht der BIZ zudem, dass die Zentralbanken die Auswirkungen von Innovationen im Finanzsektor auf ihren Handlungsrahmen gründlicher überdenken müssen. Denn solche Innovationen könnten sich auf die Gesamtnachfrage ähnlich auswirken wie die Geldpolitik.
Als Reaktion auf die Finanzkrise regt die BIZ ein neues „Gesamtkonzept für die Finanzstabilität“ an. Es sollte unter anderem vorsehen, dass aufsichtsrechtliche und geldpolitische Instrumente so eingesetzt würden, dass sie die natürliche Tendenz der Kreditmärkte ausglichen, übermäßig „prozyklisch“ zu sein.
So müsse sichergestellt werden, dass im Aufschwung eine Kombination aus strafferer Geldpolitik, der Aufstockung des Eigenkapitals und der Rückstellungen der Banken, die Fair-Value-Bewertung und die Usancen für die Bereitstellung von Sicherheitsmargen mäßigend auf diese Tendenz einwirkten. Zentralbanken und Aufsichtsinstanzen müssten bei dem neuen Konzept noch enger zusammenarbeiten als bisher. Das gelte für die Früherkennung von systemweiten Risiken ebenso wie für die Festlegung von Strategien zu ihrer Vermeidung.
Die BIZ rechnet bei der Umsetzung eines solchen Konzepts mit zahlreichen Hindernissen. Sie dürften aber nicht unüberwindlich sein, heißt es, „und sie verblassen angesichts der Schwierigkeiten, mit denen zu rechnen ist, wenn nach einer ungebremsten Boomphase eine Blase platzt“.

