Blessing wird 50: Der Marathon-Mann der Commerzbank

Blessing wird 50
Der Marathon-Mann der Commerzbank

Banker mit Läuferqualitäten: Martin Blessing zeigt sich gerne locker. Dabei gleicht die Führung der Commerzbank einer Achterbahnfahrt. Ihr Chef hat Ehrgeiz und Ausdauer – die braucht der bald 50-Jährige auch.
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FrankfurtManchmal wirkt er wie der nette Junge von nebenan: Ein lockerer Spruch geht Martin Blessing immer über die Lippen. Allerdings kann der Commerzbank-Chef nicht immer kaschieren, wie sehr der Job an ihm zehrt. In gut fünf Jahren an der Spitze der Bank ist Blessing erkennbar gealtert. Am Samstag wird er 50.

Gerade einmal gut 100 Tage im Amt, gelingt dem Banker im Spätsommer 2008 der größten Deal in der deutschen Finanzindustrie seit sieben Jahren: Die Übernahme der Dresdner Bank soll die Commerzbank zum zweiten „nationalen Champion“ nach der Deutschen Bank machen - und zum führenden Geldhaus in Deutschland. Nach einem kräfteraubenden Verhandlungsmarathon kann sich Blessing damals das Grinsen des Gewinners nicht verkneifen.

Aber der Plan scheitert - zumindest auf kurze Sicht. Die Dresdner-Altlasten sind gewaltig, die Schockwellen der Lehman-Pleite reißen auch die Commerzbank fast in den Abgrund. Der Staat rettet den Frankfurter Dax-Konzern mit Steuermilliarden und wird zur Sicherheit gleich dessen größter Aktionär. Blessing muss sich öffentlich als „Staatsbanker“ verulken lassen und bekommt in der Branche den Spitznamen „Merkels Pudel“ verpasst.

Lange nimmt Blessing die Häme nach außen gelassen hin. Doch bohrende Fragen, ob sein zur Dauerbaustelle geratenes Institut noch einmal den Staat anpumpen muss, kontert er irgendwann sichtlich genervt: „Ich gehe da nicht nochmal hin!“ Am Anfang habe ihn persönliche Kritik „schon getroffen“, sagt der Banker im Mai 2013 der „Bild“-Zeitung: „Aber man härtet ab und wird gelassener.“

Dass die Integration der Dresdner Bank kein Spaziergang wird, ist dem passionierten Läufer schnell klar. Klar ist aber stets auch, dass Blessing selbst Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus zum Erfolg führen will: „Ich finde Marathonlauf am besten, wenn man selbst durchs Ziel kommt. Ich habe vor, den Lauf zu Ende zu laufen.“

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Der Marathon-Mann der Commerzbank

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„Noch am ehesten zu Selbstkritik bereit“

Kommentare zu " Blessing wird 50: Der Marathon-Mann der Commerzbank"

Alle Kommentare
  • Im Aufsichtsrat sitzt Hinz und Kunz… Es kommt auf den Vorstand an. Ich stimme Ihnen vollkommen zu: Die Frauenquote löst keine Probleme. Für den Commerzbank-Chefposten wäre aus meiner Sicht die Ex-Chefin der deutschen Citibank Privatkundengeschäft dennoch eine Idealbesetzung. Es geht darum Vertrauen zurückzugewinnen. Das ist mit Blessing und Müller unmöglich. In welchen Autismus der gesamte Commerzbank-Vorstand leben muss, lässt sich auch an diesem unsäglichen Werbespot ablesen, in dem ein Jogger mit Kapuze durch Frankfurt läuft. Das erinnert an einen einzelgängerischen Boxer, der auf einen großen Kampf hin trainiert. Würden Sie zu so einer aggressiv auftretenden Bank wechseln (50 Euro wenn sie uns mögen, noch mal 50 Euro wenn nicht…)?

  • Zu obigen Kommentar:
    Die Commerzbank ist eines der deutschen Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Aufsichtsrat. Trotzdem oder gerade deswegen ist es ein Unternehmen, dass am meisten Kapital der Anteilseigner und der Steuerzahler vernichtet hat und tausende Mitarbeiter entlassen hat. Ich glaube nicht, dass eine feministische Korruption alias "Frauenquote" das Problem löst. Im Gegenteil: Die Frauenzentriertheit der Commerzbank ist Teil des Problems.

  • Was sind die wichtigsten Management Eigenschaften eines Vorstandes einer großen deutschen Bank? Sind es die analytischen Fähigkeiten zum Geschäft, die internationale Vernetzung, das Basiswissen über die innere Struktur einer Bank und das sich verändernde Marktportfolio? Nein, all diese Eigenschaften reichen nicht zur erfolgreichen Führung eines Großunternehmens. Handeln auf der Zeitachse unterscheidet erfolgreiche von weniger erfolgreichen Managern. Wenn man 5 Jahre ohne entscheidenden Schritt zur Richtungsänderung "verplempert" dann kann das nur zur Katastrophe führen. Der Vorstand der CoBa muß dringend umgebaut werden, damit kurzfristig eine Verbesserung der Ergebnisstruktur erzielt wird, die Kernmitarbeiter eine gesicherte Zukunft haben und die Aktionäre weiterhin bereit sind in dieses Unternehmen zu investieren. Die Zeit ist abgelaufen, wir brauchen schnelles Handeln und keine Versprechungen, die nicht eingehalten werden.

  • Was früher der Hochadel war, nennt sich heute "gut vernetzt". Wer aus einer deutschen Bankerfamilie kommt, für den gelten keinerlei betriebswirtschaftliche Grundsätze. 97 Prozent des Aktienkurses vernichtet. Fortsetzung folgt.

    Die einzige Person, die das Ruder bei der Commerzbank herumreißen kann, ist wahrscheinlich die ehemalige Deutschland-Chefin der Citibank, Christine Licci. Die Südtirolerin darf aber nicht (wahrscheinlich will Sie sich auch die bornierten deutschen Banker nicht mehr antun).

    Die Politik könnte nun mal mit ihrer Frauenquote ernst machen. Die BRD/Steuerzahler hält 17 Prozent der Commerzbank-Aktien. Zusammen mit den amerikanischen Commerzbank-Anteilseignern wäre der Bundesbank-Chef-Sohn dann endlich weg vom Fenster.

    Oder gibt es auch Blessing-Claqueure?

    Wie wäre es einmal mit einer öffentlichkeitswirksamen Unterschriftenaktion gegen den Commerzbank-Vorstand, der bei der letzten Kapitalerhöhung nicht voll mitzog? Mal sehen, ob die "gut vernetzten" Herren mit diesem Druck umgehen können…

  • Die Commerzbank (Mitarbeiter und Aktionäre) leiden und litten erheblich unter dem Missmanagement, den Fehleinschätzungen und dem Zick-Zack-Kurs von Martin Blessing und Klaus-Peter Müller (der immer noch Aufsichtsratvorsitzender ist). Da ist eine Linie und Konsequenz nur dahingehend zu erkennen: Wir bleiben im Amt komme da was wolle, denn es sind immer die Umstände.
    Die Möglichkeit "Verantwortung übernehmen" für die eigenen Fehleinschätzungen, und aufrecht zurückzutreten, um dem Unternehmen, das ja auf Vertrauen angewiesen ist, einen personellen Neustart an der Spitze zu ermöglichen, wird nicht gewählt. Beiden geht ihr persönliches Wohl und Ego vor. Ein Blick in die Vorworte der Geschäftsberichte der letzten 10 Jahre der Commerzbank macht das Ausmass der Fehleinschätzungen und der leeren Versprechungen des Herrn Blessing und des Herrn Müller deutlich. Dürfte ein Trainer Trainer bleiben, wenn er mehrmals absteigt ? Sind die Spieler dann schuld ? Dürfte ein Busfahrer Busfahrer bleiben wenn er ständig Unfälle baut ? Sind die Kurven dann Schuld ? Aber im Bankgewerbe ist ja sowieso alles anders und die Politik schaut zu.....

  • Ach die kommen schon zurecht !

    Zielgruppe langjährige Kunden, bevorzugt über 70. Beim Käffchen wird mal eben der krisensichere "Real Estate GmbH & Co. Nr. 1 KG" Fond geprisen, die fällige Anschluss Finanzierung der ex EuroHypo gibt es für 8,6%, wehe dem,
    der seine Alzheimer Medikamente vergessen hat.

  • Arme Aktionäre, wenn man bedenkt,dass in 00 noch 475 Euro pro Share gezahlt werden mussten und jetzt unter 7.Also da hält nicht mal so mancher Nemax-Wert mit.

  • Ich hab es nach vielen Jahren Abkehr doch noch mal versucht als Geschäftskunde eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten. Es ist nach wochenlangen Verhandlungen gefloppt! Für mich passt das ganze Drehbuch, welches ich als ehem. Aktionär seit Jahren verfolge, damit absolut zusammen. Das ist ein Fall für die Abwicklung. Den Karn zieht keiner mehr herum. Das Ding ist Platt. Schade um die vielen Verdienste der "alten Hasen". Die ich trotz meines Mittlern Alters sogar kennengelernt habe. Ist ein bischen wie Arcandor/Karstadt.
    Ihr habt es einfach nur verpennt. Wäre nur schön wenn dann der Rest durch den Markt abgewickelt wird und nicht vom Steuerzahler.

  • Kurz nach der Übernahme der Dresdner Bank hat Blessing ein Gewinnziel in Höhe von 4 Mrd. Euro rausposaunt. Jedem, aber auch wirklich jedem Angestellten der alten Dresdner Bank sowie der Commerzbank war klar, dass das Utopie in seiner reinsten Form war. Was hat ein Manager, der sich offensichtlich von der Realität abgekoppelt hat, an der Spitze eines Unternehmens mit rund 50.000 Mitarbeitern zu suchen?

  • Wenn man das so ließt, ist Blessing ja durchaus erfolgreich - sozusagen aus Tradition.

    Warum gehts dann mit der Coba beständig bergab? Mehrere Kapitalerhöhungen, ein Aktienkurs der zwischenzeitlich aufgehübscht werden mußte, da er bereits im Penny Bereich lag. Und nun - ironischer Weise - wieder schnell Richtung Penny marschiert.

    Blessing hats nicht gepackt und packts auch nicht mehr.

    Sobald ein Nachfolger feststeht, springt der Kurs durch die Decke - dann wahrscheinlich von 5 auf 7 Cent.

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