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15.04.2007 
Deutsche Banken

Blut der Wirtschaft

von Stefanie Burgmaier, Wirtschaftswoche

Unter den Top 20 der wertvollsten Banken der Welt sucht man deutsche Vertreter vergebens, hier dominieren ausländische Kreditinstitute. Heimische Banken kommen nur auf geringe Börsenwerte – mit drastischen Folgen für die Institute, die Kunden und die gesamte Wirtschaft.

Frankfurter Banken bei Nacht: Noch leuchten sie. Foto: apLupe

Frankfurter Banken bei Nacht: Noch leuchten sie. Foto: ap

DÜSSELDORF. Als Dieter Rampl vor rund zwei Jahren für seine HypoVereinsbank (HVB) eine Schulter zum Anlehnen suchte, sprach er auch bei Rijkman Groenink vor. Mit dem Chef der niederländischen ABN Amro konnte sich Rampl nicht auf eine Strategie einigen und flüchtete stattdessen in die Arme von UniCredit-Chef Alessandro Profumo.

Heute ist Groenink selbst auf der Flucht. Er sucht Hilfe bei der britischen Bank Barclays gegen Christopher Hohn, der mit seinem Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI) die ABN Amro frontal angreift. Aus dem potenziellen Käufer der HVB ist binnen Kurzem ein Übernahmekandidat geworden.

Die ständige Angst vor einer Attacke ist nur eine Folge niedriger Börsenwerte. Die geringe Marktkapitalisierung erschwert den Banken die Expansion, schränkt Angebote insbesondere für Unternehmenskunden ein und kann gar zum Risikofaktor für die gesamte Wirtschaft werden.

Vor rund 15 Jahren gehörte die Deutsche Bank nach dem Börsenwert noch zu den Top Drei der Welt. Heute schafft es die wertvollste deutsche Bank gerade einmal auf Platz 25. Die heimische Nummer zwei, die Commerzbank, fiel innerhalb von anderthalb Jahrzehnten von Rang 30 auf 50, und die Postbank, seit September 2006 im Börsenclub der Dax-Konzerne, bringt es mit Ach und Krach unter die Top 100 der Welt. Dagegen finden sich unter den Top 20 fünf amerikanische, drei chinesische und je zwei britische, Schweizer, spanische, französische und italienische Institute.

Eine der Folgen für die deutschen Geldhäuser: Mit Ausnahme der Deutschen Bank sind sie für größere Übernahmen im Ausland inzwischen zu schwach. Das bremst ihre Expansion und ihre Entwicklung. Während kleine Zukäufe oft noch bar bezahlt werden können, lassen sich Großakquisitionen meist nur durch Aktien finanzieren. "Ein geringer Börsenwert begrenzt den Spielraum, hohe Übernahmevolumina zu finanzieren", sagt Thomas von Lüpke, Chefbankenanalyst der Ratingagentur Fitch in Frankfurt. Damit entgeht den deutschen Instituten die Chance, den Börsenwert durch Übernahmen zu steigern. Die Citigroup und die Bank of America konnten durch Einkaufstouren an die Spitze der internationalen Bankenliga vorstoßen.

Zwar beteuert Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, dass eine hohe Marktkapitalisierung den Kunden "nichts" bringe. Das sehen manche Kunden aber anders. Eine Umfrage der WirtschaftsWoche unter den 73 Unternehmen im Dax und MDax, die nicht zum Bankensektor gehören, belegt: Die deutschen Großunternehmen wenden sich zunehmend ausländischen Banken zu, weil sie sich bei deutschen Instituten nicht ausreichend versorgt fühlen. Von den antwortenden 26 Unternehmen halten immerhin knapp 30 Prozent den Börsenwert der Banken für "wichtig", und jedes fünfte Unternehmen findet, dass eine geringe Marktkapitalisierung durchaus die Zusammenarbeit erschwert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für Privatleute hat die Schwäche der deutschen Banken eher postive Folgen.

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