Die Deutsche Börse steht trotz Rekordgewinnen vor einem drastischen Stellenabbau. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen droht bis zu 200 Mitarbeitern die Entlassung. Ein Sprecher der Börse wollte die Zahl nicht kommentieren und sagte nur, jeder mögliche Personalabbau solle „einvernehmlich und sozialverträglich umgesetzt“ werden.
FRANKFURT. Arbeitnehmervertreter kündigten angesichts der blendenden Ertragslage der Börse Widerstand an. „Es ist nicht einzusehen, dass nur ein Mitarbeiter entlassen wird, wenn das Unternehmen in den letzten drei Jahren den Gewinn um 150 Prozent gesteigert hat“, sagte Betriebsrat Joachim Witt. Dies sei bei stabiler Mitarbeiterzahl und folglich steigender Produktivität erreicht worden. Tatsächlich stieg der Umsatzerlös je Mitarbeiter seit 2004 um 43 Prozent an.
Hintergrund der Kürzungen ist auch nicht die Ertragslage der Börse, sondern der Druck der Hedge-Fonds und Großaktionäre um TCI-Chef Chris Hohn, die jeden nicht für das operative Geschäft benötigten Euro aus dem Konzern abziehen. Seit 2005 haben die Frankfurter bereits fast zwei Mrd. Euro ausgeschüttet.
Auch Kapitalmarktexperten sehen den Personalabbau vor diesem Hintergrund kritisch: „Es ist schon bitter, wenn ein Unternehmen, dass vor Steuern an jedem umgesetzten Euro rekordverdächtige 60 Cent verdient, Leute entlässt“, sagte ein Experte, der namentlich nicht genannt werden wollte. Allerdings erwartet er nicht, dass der Druck der Hedge-Fonds nachlassen wird.
Das laufende „Effizienzsteigerungsprogramm“ der Börse dürfte daher nicht das Letzte sein: „Hohn hat dem Vorstand auf der Analystenkonferenz im Juni vor der ganzen Finanzgemeinde gesagt, dass für ihn die höhere Profitabilität der Börse Madrid die Benchmark ist“, berichtet der Experte. Diese hatte zuletzt vor Steuern 65 Cent je umgesetzten Euro verdient. Analysten rechnen für dieses Jahr sogar mit einem Rekordwert von 73 Cent.
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