Börse wehrt Übernahme ab: Nasdaq scheitert in London

Börse wehrt Übernahme ab
Nasdaq scheitert in London

Empfindliche Niederlage für Nasdaq-Chef Bob Greifeld: Die feindliche Übernahme der Londoner Börse (LSE) ist komplett gescheitert – nur ein Bruchteil der Aktionäre ging auf das Angebot ein. Während die LSE nun weiterhin zulegt, möchte die Nasdaq nicht aufgeben.

LONDON. Clara Furse, die Chefin der Londoner Börse (LSE), hat es wieder einmal geschafft. Wie erwartet verpuffte das feindliche Übernahmeangebot der US-Technologiebörse Nasdaq für den Londoner Konkurrenten nahezu wirkungslos. Als die unerwünschte Offerte der Amerikaner am Samstag Nachmittag auslief, hatten gerade einmal 0,4 Prozent der LSE-Aktionäre der Nasdaq ihre Anteile angeboten. Trotz dieses deprimierenden Ergebnisses will Nasdaq-Chef Bob Greifeld offenbar noch nicht aufgeben.

Börsenchefin Furse hat in den vergangenen zwei Jahren mit erbittertem Widerstand vier Bieter für Europas größte Aktienbörse in die Flucht geschlagen, darunter auch die spektakulär gescheiterte Offerte der Deutschen Börse. Durch die anhaltende Übernahmephantasie verdoppelte sich der LSE-Kurs. Nach dem Scheitern des jüngsten 2,7 Mrd. Pfund schweren Angebots muss die Nasdaq nach britischem Recht mindestens zwölf Monate mit einem neuen Vorstoß warten.

Trotz dieser langen Frist will sich Greifeld offenbar nicht von den 29 Prozent trennen, die die Nasdaq bereits an der LSE hält. Greifeld sei entschlossen das Paket zu halten und habe dafür die Rückendeckung seiner Aktionäre, hieß es in Finanzkreisen. „Das Scheitern des Angebots muss nicht das Ende des Stücks sein, vielleicht haben wir nur den Vorhang nach dem ersten Akt gesehen“, hieß es. Am Freitag schloss die LSE mit einem Kurs von 12,82 Pfund und damit deutlich über den 12,43 Pfund, die die Nasdaq geboten hatte.

Der Großteil der LSE-Aktien wird mittlerweile von US-Hedge-Fonds kontrolliert. So halten der e Investor Samuel Heyman und der Fonds Paulson & Co mittlerweile insgesamt einen Anteil von 17 Prozent an der Londoner Börse. „Diese Investoren werden darauf drängen, dass sich die LSE einen anderen lukrativen Partner sucht“, prognostiziert ein Londoner Analyst. Als mögliche Fusionspartner wurden zuletzt die New Yorker Börse Nyse und auch wieder die Deutsche Börse genannt.

Nach Informationen aus Finanzkreisen wird die LSE aber zunächst in Kürze eine Kooperation mit der Tokioter Börse bekannt geben. Dabei soll es aber lediglich um eine Zusammenarbeit in Sachen Technik und Listings und nicht um eine gegenseitige Beteiligung gehen. Auch der Erzkonkurrent der Nasdaq, die Nyse hat vor kurzem eine ähnliche Kooperation mit den Japanern geschlossen. Analysten gehen davon aus, dass die Nasdaq das Vorhaben der Londoner tolerieren werden. Theoretisch könnte die US-Technologiebörse mit ihrem 29-Prozent-Anteil eine Hauptversammlung einberufen, und versuchen das LSE-Management abzulösen oder Einfluss auf die Geschäftspolitik zu nehmen. „Damit würde die Nasdaq aber einen Kursrutsch auslösen und ihre eigene Beteiligung entwerten“, meint ein Londoner Analyst. Greifeld werde wohl erst eingreifen, wenn jemand versuche ihm die LSE vor der Nase weg zu schnappen.

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