Brandbrief an Deutsche Bank: Fitschen kritisiert Leck bei Bafin-Brief als „kriminell“

Brandbrief an Deutsche Bank
Fitschen kritisiert Leck bei Bafin-Brief als „kriminell“

Die Veröffentlichung eines Brandbriefs der Finanzaufsicht Bafin versetzte die Deutsche Bank Anfang der Woche in Aufregung. Jetzt reagiert auch Co-Chef Jürgen Fitschen – und lässt juristische Schritte prüfen.
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FrankfurtDie Veröffentlichung eines Brandbriefs der deutschen Finanzaufsicht Bafin zur Libor-Affäre erzürnt Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Auf dem Neujahrsempfang des Finanzinstituts in Hannover bezeichnete Fitschen das Informations-Leck als „kriminellen“ Vorgang, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) am Freitag berichtete.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte in seiner jüngsten Ausgabe aus einem vertraulichen Bericht der Bafin zitiert. Demnach habe der Vorstand um Fitschen und Anshu Jain die Affäre um manipulierte Zinssätze nicht angemessen aufgearbeitet.

„Als neuer Vorstand haben Sie zwar einen Kulturwandel angekündigt“, zitierte das Magazin aus dem an die Deutsche Bank gerichteten Bericht. „Im vorliegenden Fall entsteht jedoch der Eindruck, dass Sie klare Konsequenzen, insbesondere personeller Art, nicht gezogen haben.“ Fitschen bezeichnete den „Spiegel“-Bericht als „irreführend“, wie ein Sprecher am Freitag bestätigte. Die Auszüge aus dem Brief an die Bank seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Der „HAZ“ zufolge sagte Fitschen, die Bank prüfe wegen der Indiskretion auch rechtliche Schritte. „Der Spiegel“ und die Bafin wollten sich dazu nicht äußern.

Fitschen forderte die Besucher des Empfangs auf, „sich nicht von den Schlagzeilen beeindrucken zu lassen“. Die Bank habe aus Exzessen der Vergangenheit ihre Schlüsse gezogen und arbeite daran, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. „Wir werden uns von diesem Kurs nicht abbringen lassen.“

Fitschen, der auch Präsident des deutschen Bankenverbandes ist, hatte sich in den vergangenen Monaten häufiger heftig gegen Kritik an der Branche und an der Bank selbst gewährt. Unter anderem hatte er sich einen Schlagabtausch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geliefert.

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Bafin hat erweiterten Vorstand im Auge

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  • " Die Indiskretionen boomen, seit Bankchef Jürgen Fitschen den obersten Chef der Bafin - Finanzminister Wolfgang Schäuble - attackierte. Für Schäuble gilt nun mal: Er verzeiht alles und vergisst nichts."

    Im heutigen MorgenBriefing des Handelsblatts schreibt es obiges.

    "Er verzeiht alles und vergisst nichts." Wer die Personalien Schäuble verfolgt, erkennt die "feine" Ironi in dieser Aussage. Es wäre vielleicht ein guter Vorschlag die Beiträge besser zu kennzeichnen. Was sind Nachtrichten und was erfolgt im Vorgriff auf einen Büttenvortrag für die anstehende Kampagne?

    Es scheint bezeichnend zu sein, wie hier agiert wird, wie hier Fakten lediglich noch ähnlich aber nicht mehr gleich erscheinen. Das Problem dürfte da zu suchen sein, wo seitens der Bürger gegenüber allen Parteien größtes Misstrauen entgegen gebracht werden muss. Ein Vorbehalt, der auf allen Seiten (im Vertrauen auf einen Rechtsstaat) nicht aufkommen darf, ist nicht hinnehmbar. Verlangt "brutalst" mögliche Aufklärung, verlangt den Rücktritt aller Beteiligten.

    Frau Merkel ist gefordert.

    Vielleicht macht es auch Sinn in Bezug auf die jüngsten Veröffentlichungen zur Person des Luxemburgers Juncker auch seinen erklärten Freund, Herrn Schäuble, und dessen gut durchblutetes Gesicht, vor diesem Hintergrund näher zu analysieren. Vielleicht gibt es auch keinen Zusammenhang, würde aber viele seiner Äußerungen und Handhabungen kausal erklären.

  • @th235

    Wieso damals im Mittelalter?! WIR befinden uns doch mitten drin!! :-)

  • Tja, so ist es wenn Pack sich schlägt und verträgt :)

    Einer schiebt dem anderen die Schuld zu. Wer war zuerst...das Huhn oder das Ei? Die Bankenlobby oder der Politiker, der die ganzen Betrügereien erst mittels Gesetz ermöglicht hatte?

    Fragen über Fragen ;-)

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