Brexit-Folgen für Banken: Erste Abwanderung im Frühjahr erwartet

Brexit-Folgen für Banken
Die Furcht vor der Kettenreaktion

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Erste Abwanderung im Frühjahr erwartet

Der Finanzsektor und nachgelagerte Dienstleister gehören in Großbritannien zu den wichtigsten Branchen – mit einem Anteil von rund zwölf Prozent an der Wirtschaftsleistung. Die Branche gehört zu den großen Steuerzahlern und beschäftigt mehr als zwei Millionen Menschen auf der Insel.

Kommt es zu einem harten Bruch mit der EU, sagen einige der britischen Hauptstadt einen Massenexodus voraus. Laut Xavier Rolet, dem Chef des Londoner Börsenbetreibers LSE, könnten mehr als 230.000 Arbeitsplätze verschwinden, wenn im Zuge des Brexit die Abwicklung großer Wertpapiergeschäfte in Euro, das sogenannte Euro-Clearing, auf den Kontinent verlagert würde.

Andere Schätzungen der Jobverluste sind deutlich verhaltener. Wegen der großen Unsicherheit, wie die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel geregelt werden, umfassen sie teilweise eine große Bandbreite. So schätzt die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, dass zwischen 4000 und 75.000 Jobs auf dem Spiel stehen. Nach Angaben aus Branchenkreisen könnten Banken bereits im Frühjahr damit anfangen, Stellen aus London auf den Kontinent zu verlagern, um sich auf die Brexit-Folgen einzustellen.

Unter Experten ist derzeit umstritten, ob das von der City UK propagierte Äquivalenzregime wirklich die Brexit-Folgen für die britischen Banken deutlich beschränken kann. In einer Studie des Europäischen Parlaments heißt es dazu: Die Anwendung der Äquivalenzvorschriften sei mit einem hohen Grad an Unsicherheit verbunden, zumal die EU-Kommission in der Sache viel Entscheidungsspielraum habe.

Auch Mark Carney, Chef der Bank of England, äußerte zuletzt Skepsis: Die Notwendigkeit, dieselben Finanzmarktvorschriften wie die EU zu haben, werde wohl Großbritanniens Eigenständigkeit in dem Bereich einschränken. Derzeit würden diese Regeln noch durch Großbritannien beeinflusst, solange das Land EU-Mitglied sei. Nach dem Austritt sei das nicht mehr der Fall. „Dann werden wir Regeln bekommen, mit denen wir möglicherweise nicht einverstanden sind und die die Finanzmarktstabilität gefährden könnten“, sagte Carney.

Der Lobbyverband City UK meint, dass diese Probleme gelöst werden können. Man müsse dazu definieren, was genau Äquivalenz bedeutet, und einen Mechanismus entwickeln, wie Streitigkeiten im Zweifelsfall gelöst werden, heißt es.
Die Vereinigung hat auch noch weitere Prioritäten für die Brexit-Verhandlungen gefordert: Die künftige Einwanderungspolitik der Regierung müsse sicherstellen, dass Banken und andere Finanzkonzerne die klügsten Köpfe auch aus dem Ausland einstellen können, heißt es. Zudem solle Großbritannien dafür kämpfen, dass das Euro-Clearing auch weiterhin auf der Insel bleibe. „Dies sei in jedermanns Interesse“, ist City-UK-Chef Celic überzeugt.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • "I want my money back!" forderte einst Margret Thatcher und soll damals mit ihrer Handtasche auf den Tisch gehauen haben. Sie muss auch gefragt haben "You want to rule over our ountry?" und muss ein energisches "NO!" hinterhergeschoben haben. Bei dem heutigen Brexit geht es jedoch nicht nur um "I want my money back!" sondern viel mehr um "I want my country back!", da May ja bestätigt hat, daß es den Briten in erster Linmie um Rückgewinnung der Kontrolle über Staatsgrenzen und Gesetzgebung geht.

    Es steht zu "befürchten", daß tatsächlich mehr und mehr Länder erkennen, welche Interessen denn eigentlich hinter dieser brüsselschen "europäischen Wertegemeinschaft" stecken und gleichfalls Bestrebungen zur Rückgewinnung nationalstaatlicher Souveränität starten. In Frankreich soll ja in Umfragen bereits Le Pen vorne liegen. Wenn sich die EU-Technokraten aber mehr Gedanken um eine europäische Zusatzsteuer machen, als einen Kopf um Grenzschutz und Begrenzung der Migrantenschübe machen, dann scheint in Brüssel der Ernst der Lage der EU wohl noch nicht erkannt zu sein.

    PS: Leute wie Juncker, Asselborn, Monti, Schulz und Co. gehören allesamt aufs Altenteil. Für meinen Geschmack haben die mehr Schaden für Europa angerichtet, als zu verantworten ist und junge Leute, wie der österreichische Aussenminsiter Kurz, sollten eine Chance zur Ausrichtung einer bürgerorientierten (und eben nicht einseitig kapitalorientierten!) Europapolitik erhalten.

  • Wickelt diesen gottverdammten EURO und die EU endlich ab.
    Die Währung ist gescheitert, der EURO ein Fehlversuch.
    Überall herrscht Zwietracht in der EU, überall zutiefst gespaltene Gesellschaften und große Wut und großer Frust bei den Bürgern.
    Dazu noch die Massenmigration, die wie ein zusätzlicher Brandbeschleuniger der Ereignisse wirkt.
    Mit allen Risiken wie Terroranschläge und steigende Kriminalität.

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