Brexit-Verhandlungen: Großbritannien könnte weiter in EU-Haushalt einzahlen

Brexit-Verhandlungen
London, die Stadt der Verlierer?

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Großbritannien könnte weiter in EU-Haushalt einzahlen

Auch John Nelson, Verwaltungsratschef des Londoner Versicherungsmarktes Lloyd’s, sieht die Sache ähnlich: Es gebe in der EU keine andere Stadt, der Londons bisherige Rolle in der Finanzbranche übernehmen könnte, sagte Nelson in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es gibt nur eine Stadt in der Welt, die das kann, und das ist New York.“

Die konkreten Brexit-Folgen für London sind derzeit aber noch unklar. Großbritanniens Premierministerin Theresa May will mit den offiziellen Austrittsgesprächen mit Brüssel bis Ende März 2017 beginnen. Was der Austritt aber konkret bedeutet, damit hält sich die Regierung zurück. Bisher signalisierte May nur, dass Einwanderungskontrollen für sie Priorität haben werden – und nicht so sehr der volle Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

Brexit-Minister David Davis hat das am Donnerstag etwas relativiert. Das Land sei möglicherweise doch bereits noch weiter in den EU-Haushalt einzuzahlen, um so weiterhin den Zugang zum Binnenmarkt behalten zu können.

Notenbankchef Mark Carney macht sich derzeit vor allem für eines stark: eine möglichst lange Übergangsperiode für die Zeit nach dem EU-Austritt Großbritanniens und bevor neue Handelsverträge zwischen London und Brüssel vereinbart sind. Wenn Premierministerin May wie angekündigt bis Ende März die Scheidungsgespräche in Gang setzt, sind eigentlich zwei Jahre bis zum Brexit vorgesehen. Experten zufolge wird diese Zeit aber nicht reichen, um beispielweise neue Handelsverträge abzuschließen. Carney plädiert dafür für eine Übergangsphase, in der nach Möglichkeit die bisherigen Rahmenbedingungen zwischen London und Brüssel weiter gelten. Ein harter Bruch soll so vermieden werden.

Bei den Brexit-Befürwortern ist diese Forderung auf wenig Gegenliebe gestoßen: Ex-Minister Michael Gove sagte der BBC, er sei nicht davon überzeugt, dass Großbritannien eine Übergangslösung mit der EU brauche. Es gebe wohl „einige Leute“, die einfach nicht darüber hinwegkämen, „dass das britische Volk für den EU-Austritt“ gestimmt habe. Und die wollten „eine Übergangsregelung, die einer EU-Mitgliedschaft so nahe wie möglich“ käme.

Doch auch ein europäischer Politiker erteilte Carney eine Abfuhr: In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP hat Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel eine Übergangslösung ausgeschlossen, um die Folgen des britischen EU-Austritts zumindest zeitweise abzumildern. Man sei entweder EU-Mitglieder oder kein EU-Mitglied, sagte Bettel, es gebe nichts dazwischen.

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  • Immer wieder die gleichen Lügengeschichten über den Brexit und England.

    Die Finanzwelt hat in London mit dem Pfund seine Erfolgreiche Serie hingelegt. Und London ist auch deswegen zu einen Finanzplatz geworden, weil es in die ganze Welt seine Wirtschaftlichen Beziehungen hat.

    Die EU ist also mehr auf London als Finanzzentrum im Weltweiten Handel- und Zahlungsverkehr angewiesen als anders herum.
    Frankfurt und alle anderen EU Bankenstandorte wurden durch die Grün-Kommunistische Einheits-Merkelpoltik von einer Katastrophalen EURO über eine CO2 Verbots hin zu einer illegalen Einwanderungspolitik so geschwächt, dass die froh sein dürfen, dass London/England mit Ihrer Insel nicht mobil machen können und sich im Pazifik niederlassen.

  • Wie man am Beispiel Zürich sieht kann eine europäische Stadt auch erfolgreich Finanzstandort sein ohne Mitglied in der EU zu sein.

    Es war die linke Propaganda die behauptete dass Grossbritannien ohne die EU eine wirtschaftliche Depression erleiden würde.

    Der Grund für die Propaganda ist dass Sozialisten für ihre Visionen das Geld anderer benötigen. Der Austritt GB aus der EU hat die EU Sozialisten einer sicheren Beute beraubt. Ensprechend beleidigt und rachsüchtig verhalten sie sich.

  • "Doch möglicherweise würden Jobs und Abteilungen nach New York, Singapur oder Hongkong verlagert. Und in dem Fall wären Großbritannien und der Rest der EU die großen Brexit-Verlierer."
    Wieso? Was genau verliert dann der Rest der EU?
    Auch Porters Cluster-Theorie erscheint mir in diesem Sektor mittlerweile veraltet: Der Standort spielt gerade bei diesen Wissensarbeitern keine Rolle (weder Produktionsanlagen noch Warentransport - und ob die MA der Finanzdienstleister nun verteilt über London in ihren Projekten vernetzt zusammenarbeiten, oder verteilt über die ganze Welt, ist zunehmend egal.)

    Des weiteren sitzt das System in der Liquiditätsfalle - da befinden wir uns eher im Angebotsmarkt als im Nachfragemarkt. Ansonsten würden sich die Herrschaften auch gemütlich und überheblich vor Sicherheit strotzend zurücklehnen, wohl wissend dass der Kontinent die City braucht.
    Ich behaupte: Nein.
    England braucht die Geschäfte der City, insbesondere um mit deren "Produkten" die Exporterträge des Kontinents abzuschöpfen - und um damit das Handelsbilanzdefizit der Insel zu finanzieren.

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