Für die britischen Banken rückt ein Ende der Finanzkrise in weite Ferne. Neben den Verwerfungen auf den Kapitalmärkten müssen die Institute mit neuen Gefahren fertig werden – an erster Stelle mit der sich rasant verschlechternden Wirtschaftslage auf der Insel. Die desolate Situation am Immobilienmarkt gefährdet die Hypothekenbanken auf der Insel.
LONDON. Die Ratingagentur Fitch kommt zu dem Schluss, dass Großbritannien zu den Industrieländern gehört, die von der Kreditkrise am stärksten betroffen sind. Die Volkswirte von Lehman Brothers sehen die Insel bereits in einer „Abwärtsspirale in Richtung Rezession“ driften. Auch wenn die britischen Großbanken bislang noch keine merklichen Kreditausfälle hätten verkraften müssen, dürfte doch mit der Eintrübung der Wirtschaftslage der Wertberichtigungsbedarf zunehmen und die Profitabilität unter dem schwächeren Neugeschäft leiden, warnen die Experten der Landesbank Baden-Württemberg.
Die immer desolatere Situation am Immobilienmarkt gefährdet vor allem die Hypothekenbanken auf der Insel. Mittlerweile fallen die Hauspreise schneller als während der Rezession Anfang der 90er Jahre. Wie groß das Misstrauen der Investoren ist, zeigt der Fall des Baufinanzierers Bradford & Bingley (B&B), der nach zwei gescheiterten Anläufen ein drittes Rettungspaket schnüren muss. Mitte Mai hatte B&B als dritte britische Bank wegen der Kreditkrise eine Kapitalerhöhung angekündigt. Doch nach einer überraschenden Gewinnwarnung musste Vorstandschef Clive Cowdery die Bezugsrechtsemission absagen. B&B hatte in den ersten vier Monaten des Jahres einen Verlust vor Steuern von acht Mill. Pfund gemacht. Statt dessen sollte jetzt die Beteiligungsgesellschaft TPG mit einer Finanzspritze von 179 Mill. Pfund bei B&B einsteigen. Doch nachdem die Ratingagentur Moody’s mehrere zentrale Bonitätsbewertungen für die Hypothekenbank herabgestuft hatte, nutzte TPG die vereinbarte Ausstiegsklausel und zog sich zurück. Moody’s befürchtet, dass neue Abschreibungen nötig werden.
Auf Druck der britischen Finanzaufsicht sichern eine Reihe von Großinvestoren und Großbanken die Kapitalerhöhung von B&B ab. Dazu zählen die Versicherer Legal & General und Standard Life sowie die Großbanken Abbey, Barclays, Lloyds TSB, HBOS, HSBC und Royal Bank of Scotland. Die Institute agieren als sogenannte Subunderwriter, das heißt sie würden die Aktien übernehmen, falls sich nicht genügend Käufer unter den B&B-Anteilseignern finden sollten. Die neuen Aktien sollen zu je 55 Pence auf den Markt kommen. Garantiert wird die Platzierung hauptsächlich von den Banken UBS und Citigroup.
Aber auch der neue Rettungsplan ist nach Meinung von Analysten kein Erfolgsgarant. „Es besteht die Gefahr, dass auch diese Kapitalerhöhung scheitert“, warnt James Hamilton vom Broker Numis. „Entweder ist die B&B-Aktie gar nichts wert oder deutlich mehr als derzeit“, meint der Analyst. Am Freitag sackte der Kurs der Hypothekenbank noch einmal um zwölf Prozent ab und fiel mit 54 Pence unter den geplanten Platzierungspreis der neuen Aktien. Innerhalb von zwölf Monaten hat B&B damit 85 Prozent des Börsenwerts verloren.
Die akute Krise zog den gesamten Bankensektor nach unten. Auch die Aktien von HBOS gerieten erneut unter Druck. Die größte britische Hypothekenbank plant selbst eine Kapitalerhöhung von vier Mrd. Pfund. Nach den Verlusten vom Freitag liegt der Kurs mit 273 Pence unter dem geplanten Ausgabekurs der neuen Aktien von 275 Pence. Die Bezugsrechtsemission wird von den Banken Dresdner Kleinwort und Morgan Stanley garantiert. Theoretisch müssten sie die Papiere zum zugesagten Preis in die Bücher nehmen, falls die Kapitalerhöhung scheitern sollte. Allerdings haben beide Institute Finanzkreisen zufolge einen erheblichen Teil des Risikos an andere Investoren weitergereicht.

