Die Wettbewerbshüter machen ernst: Nur mit einem anderen Eigentümerkreis sehe sie eine Zukunft für die Düsseldorfer Bank, heißt es von der EU-Komissarin Nelly Kores. Sie fordert mehr privates Kapital und weniger Staatseinfluss. Auch die Geschäftsschwerpunkte der Bank sollen sich verschieben.
FRANKFURT. Die Düsseldorfer WestLB steht vor einschneidenden Veränderungen im Geschäftsmodell und im Eigentümerkreis. Ausgelöst wird diese Zäsur durch die Brüsseler Wettbewerbshüter. Im Resultat wird die WestLB schlanker agieren und offen sein für privates Kapital.
Die Veränderungen zeichneten sich nach einem Treffen von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mit Vertretern der Aktionäre und der Bank Ende vergangener Woche ab. Verhandlungskreisen zufolge soll die Bank ihre Risikoaktiva, die 2007 in der Konzernbilanz mit gut 104 Mrd. Euro angegeben waren, um mindestens 30 Prozent reduzieren. Außerdem will die Kommission einen neuen Eigentümerkreis sehen, in dem die bisherigen Aktionäre – die WestLB wird in der Rechtsform der AG geführt – nicht mehr den Ton angeben sollen. „Wenn sich die Brüsseler Wettbewerbshüter durchsetzen, dann müssen die jetzigen Aktionäre eine spürbare Verwässerung ihrer Anteile hinnehmen“, hieß es gestern im Umfeld der Bank.
Die WestLB stand nach hohen Investments in strukturierte Finanzprodukte und Verlusten im Eigenhandel Ende 2007 am Abgrund. Die Eigentümer vereinbarten eine Risikoabschirmung über fünf Mrd. Euro, die EU-Kommission billigte die Maßnahme als Rettungsbeihilfe, die in eine Restrukturierungsbeihilfe münden soll. Bis zum 8. August muss für die Wettbewerbshüter ein Strategie- und Restrukturierungskonzept erarbeitet werden, um die staatliche Unterstützung zu rechtfertigen. Dabei wird Kommissarin Kroes darauf achten, dass die Wettbewerbsverzerrung „geheilt“ und ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die WestLB gefunden wird.
Frau Kroes hat Verhandlungskreisen zufolge deutlich gemacht, dass sie bei einem Festhalten am aktuellen Eigentümerkreis keine Zukunft für die Bank sieht. „Brüssel drängt letztlich auf die Hereinnahme privaten Kapitals und auf ein Zurückdrängen des Staatseinflusses“, sagte ein Insider. Dies sei Voraussetzung für ein auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnittenes Geschäftsmodell.
Zurzeit halten die zwei Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen die Mehrheit an der WestLB; 38 Prozent gehören dem Land. Die Kommission habe für einen neuen Eigentümerkreis aber keine konkreten Vorgaben gemacht und überlasse dies den Alteigentümern. Als Alternativen sehen Beihilfe-Experten nun die Hereinnahme eines Finanzinvestors oder einer privaten Großbank beziehungsweise das Zusammengehen mit einer anderen Landesbank. Nach gescheiterten Fusionsanläufen mit den Landesbanken in Baden-Württemberg und Hessen-Thüringen wurde zuletzt die HSH Nordbank als möglicher Partner genannt. Letztere wird ebenfalls als Aktiengesellschaft geführt; zudem könnte so ein Gegengewicht zu einer angedachten „Süd-Landesbank“ aus BayernLB und Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geschaffen werden.
Dem Vernehmen nach wird die WestLB auch das Auslandsnetz erneut auf den Prüfstand stellen und den Geschäftsbereich „Investment Management“ in den nächsten Jahren eindampfen. Dahinter verbergen sich Beteiligungen und der Ankauf wenig fungibler Anteile, etwa von Private-Equity-Beteiligungen. Vermögenswerte des Bereichs über rund 20 Mrd. Euro sollen in einer „Workout-Unit“ konzentriert und verkauft werden. Bei strukturierten Finanzierungen sollen die zwölf Industriesegmente auf vier weltweit reduziert werden; künftige Schwerpunkte sind Energie und Infrastruktur. „Das passt zur Industrie in NRW“, sagte ein Beteiligter.

