Multimilliardär Warren Buffett investiert fünf Milliarden Dollar in die US-Bank Goldman Sachs. Über seine Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway sichert er sich mit dem Deal einem Bericht zufolge die Option auf eine zehnprozentige Beteiligung an dem Geldhaus. Goldman-Aktien schnellten nach Bekanntgabe der Nachricht in die Höhe.
HB NEW YORK. Berkshire werde für diese Summe Vorzugsaktien mit unbegrenzter Laufzeit mit einer zehn-Prozent-Dividende kaufen, teilte Goldman Sachs am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mit. Die Gesellschaft werde zudem Optionsscheine für den Kauf von Stammaktien im Volumen von fünf Mrd. Dollar zum Preis von 115 Dollar je Aktie erhalten, die innerhalb von fünf Jahren ausübbar seien.
Würde Berkshire diese Option ausüben, käme die Holdinggesellschaft nach Berechnungen des „Wall Street Journal“ auf eine Beteiligung von rund 10 Prozent bei Goldman. Die jetzt erworbenen Vorzugsaktien werden mit einer 10-prozentigen Dividende verzinst. Goldman Sachs kann sie jederzeit mit einem Aufschlag von 10 Prozent zurückkaufen. Goldman erklärte weiter, Stammaktien im Volumen von mindestens 2,5 Mrd. Dollar verkaufen zu wollen.
In einer Stellungnahme Buffetts hieß es, Goldman Sachs sei ein außergewöhnliches Institut. Es verfüge über ein bewährtes und scharfsinniges Management-Team und das intellektuelle und finanzielle Kapital, um seine Erfolgsgeschichte einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung fortzusetzen. Goldman-Aktien schnellten nach Bekanntgabe der Nachricht nachbörslich um mehr als acht Prozent in die Höhe, nachdem sie zuvor im regulären Handel bereits 3,5 Prozent zugelegt hatten.
Flucht unter das Dach der Fed
"Dies ist eine Hochzeit von zwei unglaublich intelligenten, attraktiven Partnern", sagte Michael Holland von Holland & Co in New York. Die Äußerungen Buffets über das Top-Management von Goldman seien ein vergoldeter Vertrauensbeweis.
Möglicherweise wird auch eine japanische Bank bei Goldman Sachs einsteigen. So meldet die Nachrichtenagentur Kyodo, die Sumitomo Mitsui Financial wolle für mehrere hundert Mrd. Yen in das New Yorker Institut investieren. Laut dem Bericht, der sich auf nicht näher bezeichnete Informanten stützt, würde Sumitomo Mitsui einige Prozent des Goldman-Kapitals erwerben.
Im Zuge der Finanzkrise hatten die beiden letzten großen US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley am Sonntagabend ihr Geschäftsmodell über Bord geworfen und ihre Verwandlung in gewöhnliche Geschäftsbanken bekanntgegeben. Somit konnten sie unter das Dach der US-Notenbank Fed flüchten und sich Kredite von dem Institut sichern.
Davor unterlagen beide Geldhäuser den Auflagen der US-Börsenaufsicht SEC. Dieser Sonderstatus hatte es ihnen ermöglicht, mit riesigen Summen geliehenen Geldes hohe Risiken einzugehen. Nach der Umwandlung müssen sie wie andere Banken auch viel Geld bei der Fed hinterlegen und können deshalb nicht mehr mit einem so großen Hebel arbeiten wie bislang. Die Finanzkrise beendete damit die Geschichte der großen unabhängigen Investmentbanken der Wall Street in ihrer bisherigen Form. Zu Jahresbeginn hatte es noch fünf von ihnen gegeben.

