Mit der spektakulärsten Staatsintervention zu Gunsten zweier Unternehmen in der US-Geschichte versucht die Regierung von Präsident George W. Bush eine weitere Eskalation der aktuellen Finanzkrise zu vermeiden.
Die US-Immobilienkrise hat die Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac in Schieflage gebracht. Foto: dpa
NEW YORK. Die zuständige Aufsichtsbehörde FHFA gab am Sonntag die vorläufige Verstaatlichung der Hypothekengiganten Fannie Mae
und Freddie Mac
bekannt. Ein Kollaps wegen drohender Unterkapitalisierung hätte die US-Wirtschaft an den Rand des Abgrunds gebracht. Gemeinsam machen die beiden Firmen über die Hälfte des zwölf Bill. Dollar großen US-Hypothekenmarktes aus.
Experten wie der Bankenberater Bert Ely rechnen mit Kosten für den Steuerzahler von "über 100 Mrd. Dollar". Zum Vergleich: Die Rettungsaktionen während der großen Sparer- und Gläubigerkrise der 80er Jahre belasteten das Staatsbudget am Ende mit 125 Mrd. Dollar. Damals wurden eine Reihe von Banken gestützt, einige wenige verstaatlicht.
Die Bedeutung der beiden so genannten "staatlich gesponsorten Agenturen" Freddie und Fannie liegt in ihrer Vermittlerrolle. Sie kaufen Geschäftsbanken Hypotheken ab und refinanzieren sie entweder durch Weiterverkauf oder durch eigene Anleihen. Zu diesem Zweck waren sie als halb privatwirtschaftliche und halb staatliche Institutionen vor Jahrzehnten auch gegründet worden. Der Kredithandel rechnete sich seit jeher, weil die Refinanzierung der beiden Firmen dank einer impliziten staatlichen Garantie extrem günstig war.
Da Geldverdienen auf diesen Weg so einfach war, nahmen beide Institute aber mehr Risiken in die Bücher als sie bewältigen konnten. US-Investor Warren Buffett warf ihnen jüngst vor, sich wie Hedge-Fonds zu benehmen. Die aktuelle Immobilienkrise in den USA mit dem Ausfall vieler dieser Kredite brachte das System dann zum Einsturz. Zum Einen häuften sich die Abschreibungen in den Portfolios beider Firmen, so dass sie seit vergangenen Sommer Verluste von zusammen zwölf Mrd. Dollar einfuhren. Gleichzeitig sank das Vertrauen des Marktes in die Bonität der beiden Firmen, so dass ihre die Refinanzierungskosten drastisch anstiegen. Notenbanken in China und Russland verkauften zuletzt im großen Stil Papiere beider Banken.
Ein Ausfall der beiden Kredithändler hätte fatale Folgen für die ohnehin schlingernde US-Wirtschaft. Denn ohne sie würden sich die Hypothekenkredite der Geschäftsbanken zu einer Zeit verteuern, da sich die USA ohnehin am Rande einer Rezession befinden. Um ein weiteres Ansteigen privater Insolvenzen und einen Zusammenbruch des für die Wirtschaft so wichtigen privaten Konsums zu verhindern, hat sich die Regierung nun zur Verstaatlichung entschlossen.

