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22.02.2007 
Offener Streit im Management

Capitalia-Aktionäre rebellieren

von Katharina Kort

Der Vorstandsvorsitzende der italienischen Bank Capitalia, Matteo Arpe, riskiert seinen Posten. Auf der heutigen Vorstandssitzung der drittgrößten Bank des Landes wird der Aktionärspakt aller Voraussicht nach den Rücktritt des 42-jährigen Managers beantragen.

MAILAND. Der Verwaltungsrat werde über die „Widerrufung der Bemächtigung des Vorstandsvorsitzenden abstimmen“, teilte die Bank mit. Hinter dem Putschversuch steht vor allem Chairman Cesare Geronzi, der sich mit Arpe über die Zukunft der Bank zerstritten hat.

Mit dem Rücktritt Arpes würde der Sanierer der Bank gehen und ein Chairman mit nicht ganz blütenweißem Hemd bleiben. Der 42-jährige Arpe war 2001 angetreten und hat die angeschlagene Bank innerhalb von wenigen Jahren zu einem schlagkräftigen Spieler auf dem Heimatmarkt gemacht. Der Aktienkurs hat sich allein in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt.

Geronzi wurde Anfang Dezember im Fall Italcase zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt und von seinem Amt suspendiert. Er selbst hat stets seine Unschuld beteuert. Seit Ende Januar ist Geronzi wieder im Amt, ohne dass es juristische Neuigkeiten gab.

Die Spannungen zwischen den beiden Managern sind mit dem Eintritt der spanischen Santander-Gruppe und dem französischen Investor Vincent Bollorè Anfang des Monats deutlich zu Tage getreten. Beide halten jeweils weniger als zwei Prozent der Capitalia-Aktien. Während Geronzi den Eintritt der Spanier begrüßte, warnte Arpe vor einer möglichen Übernahme durch die Ausländer. Dabei hat sich Arpe in der Vergangenheit bisher grundsätzlich durchaus offen für Übernahmen gezeigt. Er fürchtet wohl vor allem, dass sich Geronzi Alliierte für seine eigene Strategie an Bord holt.

Geronzi, der in Italiens Finanzkreisen bestens vernetzt ist, scheint vor allem auf dem italienischen Markt agieren zu wollen. Wie in Finanzkreisen spekuliert wird, könnte Geronzi eine Fusion mit Mediobanca forcieren, an der Capitalia schon heute knapp zehn Prozent hält. Gemeinsam könnten die beiden Banken versuchen, den Versicherungsriesen Generali zu kontrollieren. Sowohl Mediobanca als auch Capitalia sind schon heute mit 14,1 bzw. 2,7 Prozent an Generali beteiligt. Ein solcher Schachzug würde Geronzis Einfluss in Italiens Finanzwelt deutlich stärken.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Ich habe keine Absicht zurückzutreten."

Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ soll Geronzi einigen Mitgliedern des Capitalia-Aktionärspakt erzählt haben, Arpe habe versucht, die US-Bank Citigroup von einer Übernahme der niederländischen ABN Amro und einer späteren Fusion mit Capitalia zu überzeugen. ABN Amro ist mit 8,59 Prozent der größte Aktionär von Capitalia und Mitglied des Aktionärspakts, der knapp ein Drittel der Anteile kontrolliert. Die Stimme der Niederländer wird auch heute entscheidend sein, wenn es darum geht, Arpe das Vertrauen zu entziehen.

Arpe selbst hat zu verstehen gegeben, dass er seinen Posten nicht räumen will. „Ich habe keine Absicht zurückzutreten. Ich mache unbeschwert weiter und poche auf die völlige Korrektheit meines Verhaltens und der des Managements“, zitiert die Zeitung „La Republica“ den Vorstandsvorsitzenden. Er werde am Donnerstag ein neues Rekordergebnis für die Bank vorlegen.

Das italienische Spektakel kommt an den internationalen Finanzmärkten nicht gut an. Die Capitalia-Aktie hat in den vergangenen Tagen deutlich an Wert verloren. Die Analysten von Credit Suisse First Boston führen das klar auf den bevorstehenden Ausschluss Arpes zurück. „Der Weggang von Arpe ist so gut wie sicher“, schreiben sie und warnen, dass mit dem erfolgreichen Bankchef auch andere Top-Manager das Haus verlassen werden. „Wer auch immer als neuer Vorstandsvorsitzender nominiert wird, wird nicht den gleichen Status haben, den Arpe in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut hat“, sind die Analysten überzeugt. Sie befürchten auch, dass Arpes Abgang die Chancen für eine Übernahme von Capitalia durch Ausländer mindert.

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