Nach der jüngsten Konsolidierungswelle in der italienischen Bankenwelt sind nur wenige große Namen übrig geblieben, die für einen Käufer interessant sein könnten. Als klarer Favorit gilt Capitalia. Die römische Bank gilt als attraktives Übernahmeziel für Ausländer – und für Unicredit.
MAILAND. Die römische Bank hat eine beachtliche Kehrtwende hingelegt und arbeitet wieder äußerst profitabel. Unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Matteo Arpe, der seit 2001 das Sagen hat, hat die Bank bei ihren faulen Krediten aufgeräumt; er hat die Bank zudem mit einer drastischen Restrukturierung wieder auf Kurs gebracht. Im vergangenen Jahr hat Capitalia ein Rekordergebnis vorgelegt. Vor allem dank der starken Nachfrage nach Unternehmens- und Konsumentenkrediten hat das im ganzen Land präsente Institut sein Nettoergebnis um 13 Prozent auf 1,16 Mrd. Euro gesteigert. Mit einer Marktkapitalisierung von 17 Mrd. Euro steht die Bank in Italien auf Platz drei und ist für mögliche Interessenten deutlich leichter zu haben als eine Unicredit, die die Börse mit 74 Mrd. Euro bewertet, oder eine Intesa Sanpaolo, die auf 67 Mrd. Euro kommt.
Auch Stuart Graham, Banken-Analyst von Merrill Lynch zählt Capitalia zu den möglichen Übernahmekandidaten. Er weist darauf hin, dass „feindliche Deals sehr selten sind und die Weigerung des Managements zu verkaufen, bisher eines der größten Hindernisse war“. Doch in einem „schwierigeren Marktumfeld“ könnte Capitalia zu den Wechselkandidaten gehören, deren Verkaufswille steigt.
Das Marktumfeld könnte in Italien tatsächlich schwieriger werden: In den vergangenen Jahren haben Italiens Banken vor allem dank hoher Provisionen bei den Privatkunden im Retailgeschäft Rekordergebnisse eingefahren. Doch genau diese Margen stehen unter Druck: Zum einen zeichnet sich ein Preiskampf ab, bei dem die Wettbewerber unter anderem Gratis-Girokonten und andere günstigere Dienste anbieten. Zum anderen hat die Regierung ein Gesetz erlassen, das einzelne Gebühren wie Extra-Zahlungen für die vorzeitige Tilgung von Immobilienkrediten oder die Auflösung eines Kontos verbietet.
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