0 Bewertungen
22.08.2007 
Börsengang zunächst verschoben

Carlyle will Staatsfonds anzapfen

von Peter Köhler und Robert Landgraf

Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Vertrauenskrise an den Finanzmärkten hat auch die Private-Equity-Häuser erreicht. Die global investierenden Gesellschaften schauen sich angesichts der zugeknöpften Geldbeutel der führenden Investmentbanken nach neuen Kreditgebern um.

Finanzinvestoren: Die Finanzierung wird schwieriger. Foto: Archiv

Finanzinvestoren: Die Finanzierung wird schwieriger. Foto: Archiv

FRANKFURT. „In den nächsten drei bis vier Monaten bleibt es schwierig, neue Übernahmen zu finanzieren, weil die Banken nervös geworden sind“, sagte David M. Rubenstein, Mitgründer und Managing Director des Finanzinvestors Carlyle Group, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Deshalb könnte man sich nach neuen Finanzierungsquellen umsehen.

„Vielleicht wenden wir uns an Staatsfonds, die könnten die Fremdfinanzierung arrangieren. Ich werde jedenfalls nicht in meinem Büro sitzen und in den Fernseher schauen“, ergänzte Rubenstein. Seine Gesellschaft verwaltet in verschiedenen Fonds insgesamt gut 71 Mrd. Dollar. Weltweit beschäftigen die von Carlyle übernommenen Firmen rund 286 000 Mitarbeiter.

Vor ungefähr sechs Wochen erreichte die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Vertrauenskrise an den Finanzmärkten auch die Private-Equity-Häuser. Banken zogen ihre Zusagen für die Kreditfinanzierung zurück, weil sie ihre Darlehen nicht an andere Adressen im Kapitalmarkt weiterreichen konnten. Allein in den USA sind derzeit Transaktionen im Wert von rund 300 Mrd. Dollar blockiert. Branchenbeobachter gehen jetzt davon aus, dass sich die großen Spieler wie Blackstone, KKR oder Carlyle an Staatsfonds wenden, um ihre Finanzierungsbasis zu vergrößern. Im Gespräch seien die Abu Dhabi Investment Authority oder auch die Kuwait Investment Authority sowie Kapitalsammelstellen in Fernost. Dabei könnten diese Staatsinvestoren sowohl die Fremdfinanzierung als auch Teile des Eigenkapitals übernehmen. Solche Transaktionen seien aber frühestens im September oder Oktober zu erwarten.

Investmentbanker in Frankfurt nahmen die Entwicklung gestern gelassen hin. Wenn es gute Gelegenheiten bei Unternehmenskäufen gebe, dann würden die Banken sehr wohl Geld zur Verfügung stellen. Allerdings sei eine Voraussetzung auch, dass die Private-Equity-Häuser wieder mehr Eigenkapital – mindestens 30 Prozent – in die Hand nähmen. Zu den wichtigsten Anbietern von Akquisitionsfinanzierungen zählen die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland. Carlyle-Chef Rubenstein geht davon aus, dass die Banken am Ende wieder zurückkehren und Geld geben werden, allerdings zu konservativeren Konditionen als zuletzt üblich.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Finanzierungskosten dürften sich erhöhen.

Tendenziell dürften sich die Finanzierungskosten dadurch nach Branchenschätzungen erhöhen, mit entsprechenden Folgen für die gekauften Firmen. „Eine anhaltende Verteuerung der Finanzierungskosten wird sich auch in der Realwirtschaft niederschlagen. Bei den auf Kante genähten Finanzierungen einiger Private-Equity-Deals der jüngsten Vergangenheit würde dies zu erheblichem Restrukturierungsbedarf führen“, warnt Thomas Warnholtz, Partner bei der Merchant Bank Augusta.

Rubenstein sieht die gesamte Private-Equity-Branche in einer „Korrekturphase.“ Die Beteiligungsmanager müssten sich in Zukunft auf niedrigere Renditen einstellen. Entscheidend sei, dass die Renditen im Vergleich zu den öffentlichen Kapitalmärkten weiterhin deutlich höher ausfallen müssten. „Private Equity sollte wegen der höheren Risiken der Investments sechs bis sieben Prozentpunkte besser abschneiden als die Aktienbörsen. Die besten Beteiligungsfonds haben bisher zwölf bis 20 Prozent über den ,public markets’ gelegen“, rechnet Rubenstein vor.

Deutschland bleibt seiner Ansicht nach einer der „attraktivsten Plätze“ für Private Equity. Es gebe unverändert viele gute Unternehmen, insbesondere unter den Mittelständlern.

Carlyle hat infolge der Kreditkrise seine Überlegungen für einen Börsengang vorerst auf Eis gelegt. Carlyle-Mitgründer David Rubenstein sagte der „Financial Times Deutschland“ auf Sicht von zwei bis drei Jahren rechne er aber mit der Notierung von sechs bis acht globalen Private-Equity-Firmen. Dass Carlyle dann dabei sei, "ist wahrscheinlicher, als dass wir nicht dabei sind.“

Carlyle gibt damit als erster unter den weltgrößten Finanzinvestoren Pläne für ein baldiges Listing offiziell auf. Als einziger Konkurrent hatte Mitte Juli Blackstone den Schritt an den Aktienmarkt geschafft, doch ist die Blackstone-Aktie seither um 24 Prozent eingebrochen. KKR reichte Anfang Juli Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC für ein Listing in diesem Jahr ein.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Geschäftsmodell Private Equity

Geldgeber

Pensionskassen, Stiftungen und private Vermögensverwalter geben den Beteiligungsfonds das Eigenkapital. Sie erwarten eine „Überrendite“ gegenüber den Aktienbörsen. Bisher gaben die Banken bereitwillig die Kredite für den Fremdkapitalanteil bei den Finanzierungen. Dabei wurden die Konditionen immer mehr gelockert.

Übernahmen

Die Finanzinvestoren kaufen Konzernteile und Mittelständler. Sie straffen die Betriebsabläufe und kaufen Firmen weltweit dazu. Nach drei bis sieben Jahren wollen sie die Investments zu einem höheren Preis weiterverkaufen oder an die Börse bringen. Zuletzt schoben sich die Private-Equity-Häuser die Unternehmen auch oft gegenseitig zu.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Der russische Immobilienboom erreicht die Provinz  Artikel in Merkliste

14.10.2008, 09:00 Uhr

Das Vertrauen in die russischen Immobilienmärkte wächst. Immer mehr Anlagekapital aus dem Ausland fließt ins Land. Zwar geht ein Großteil der Investitionen in die russische Kapitale Moskau, doch die Provinz holt allmählich auf. Vor allem Einzelhandelsobjekte stehen bei Käufern hoch im Kurs. Artikel


Anzeige