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28.02.2008 
„Wir werden eine Menge Transaktionen machen“

Carlyle zielt auf Deutschland

von Hans G. Nagl

Der US-Finanzinvestor Carlyle will nach Jahren der Zurückhaltung wieder Flagge in Deutschland zeigen. „Die Preise sind sehr attraktiv“, sagte Mitgründer David Rubenstein dem Handelsblatt. Im Fokus der Amerikaner: unterbewertete Banken.

MÜNCHEN. Der US-Finanzinvestor Carlyle will nach Jahren der Zurückhaltung wieder Flagge in Deutschland zeigen. „Wir schauen uns eine Menge an“, sagte Carlyle-Mitgründer David Rubenstein im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit Ex-Credit-Suisse-Banker Norbert Reis als Co-Chef habe das Private-Equity-Haus zuletzt sein Team im deutschsprachigen Raum deutlich verstärkt. Zudem verfüge Carlyle über Erfahrung und könne auf erfolgreiche Investments in der Vergangenheit zurückblicken. „Wir werden hier eine Menge Transaktionen in allen Bereichen des Spektrums machen“, kündigte Rubenstein an. „Das gilt auch für größere Deals, so bald sie wieder möglich sind.“

Bezogen auf Firmenübernahmen mit einem Volumen über 100 Mill. Euro hatte es Carlyle in den vergangenen vier Jahren kein einziges Mal unter die größten zehn Spieler der Branche geschafft. Rivalen wie KKR, Permira oder EQT zogen indes einen Deal nach dem anderen an Land. Beim Bietergefecht um MTU Friedrichshafen ging Carlyle sogar so ungeschickt vor, dass Ex-Deutschland-Chef Heiner Rutt seinen Hut nehmen musste. Das Private-Equity-Haus hält hierzulande den lange von einer Restrukturierung belasteten Autozulieferer Edscha. Anfang 2007 wurde zudem die mit Advent gemeinsam getätigte, 1,2 Mrd. Euro schwere Übernahme der Bayer-Tochter H.C. Starck abgeschlossen.

Auf besonderes Interesse der Amerikaner stoßen derzeit Banken, die im Zuge der Kreditkrise seit Sommer 2007 teilweise fast die Hälfte ihres Wert verloren haben. „Wir werden mehr in Finanzdienstleister investieren“, sagte Rubenstein. „Die Preise sind hier auf einem Niveau angekommen, wo das sehr attraktiv ist.“ Diese Aussage gelte sogar dann, wenn man einen Kauf wegen fehlender Finanzierungsmöglichkeiten ohne Schuldenaufnahme („Leverage“) stemmen müsse. Vor dem Hintergrund der hohen Wertberichtigungen insbesondere im deutschen Landesbanken-Sektor und der Schieflage der IKB ergänzte Rubenstein: „Deutschland könnte ein relativ guter Platz für Investments in diese Branche sein.“ Zu einzelnen Fällen wollte sich der Manager nicht äußern. Die staatliche Förderbank KfW plant derzeit den Verkauf der IKB. Ob die angeschlagene Düsseldorfer Mittelstandsbank für Carlyle in Frage kommt, gilt aber mehr als fraglich. Hinter vorgehaltener Hand haben bereits zahlreiche Konkurrenten wegen der nach wie vor nicht absehbaren Risiken abgewunken.

Die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Private-Equity-Krediten wird nach Einschätzung von Rubenstein vorerst anhalten. Es werde zwei, womöglich auch drei Jahre dauern, bis die Banken den Geldhahn wieder voll aufdrehten, sagte der Manager. Noch weitaus skeptischer für die Bankenwelt gab sich gestern Guy Hands, Chef von Terra Firma. „Das Schlimmste steht noch bevor“, sagte er. Viele Finanzierungen aus der Vergangenheit seien noch nicht wertberichtigt. Zu tatsächlichen Kreditausfällen sei es zudem bis jetzt gar nicht gekommen. Dies sei aber angesichts einer womöglich bevorstehenden Rezession in den USA unvermeidbar. Derzeit halten Banken rund um den Globus Schätzungen zufolge noch rund 230 Mrd. Dollar an Krediten auf den Büchern, die sie wegen der Krise anders als geplant nicht weiterreichen können. Dies wird Hands zufolge auch Finanzinvestoren treffen: „2008 wird wahrscheinlich ein schreckliches Jahr für Private Equity“, sagte er. Einige Fonds dürften nicht überleben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Traditionshaus mit eigenwilligem Start

Rubenstein hingegen sieht in der Krise eine Chance. „Private Equity muss sich dem Wandel nur anpassen“, sagte er. „Es gibt da eine Menge clevere, hoch aggressive Menschen, die ihr eigenes Geld mit eingesetzt haben. Um die muss man sich keine Sorgen machen.“ Die Fonds würden nun einfach verstärkt in Minderheitsbeteiligungen investieren, kleinere Transaktionen anvisieren und auf Schwellenländer setzen. Die Bewertungen von Firmen seien vielfach so niedrig, dass hohe Verschuldungsgrade gar nicht nötig seien, sagte Rubenstein. „Man wird einen Weg finden, um Geld zu machen.“

Traditionshaus mit eigenwilligem Start

Anfang Rubenstein und zwei Partner gründeten 1987 das Unternehmen im New Yorker Carlyle-Hotel. Mangels zündender Alternativen benannte man sich kurzerhand nach dem Treffpunkt.

Schwergewicht Carlyle verwaltet heute mehr als 75 Mrd. US-Dollar und bewegt sich damit auf einem Niveau mit KKR oder Blackstone. Insgesamt wurden bislang 55 Fonds aufgelegt.

Bush & Co. Der Zugang zur Politik spielt für Carlyle eine entscheidende Rolle. Ex-US-Präsident George Bush senior, aber auch der frühere Außenminister James Baker stehen auf der Beraterliste.

Diversifikation Carlyle setzt nicht nur auf große Übernahmen, sondern auch Immobilien und Wagnisfinanzierung.

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