Der Finanzinvestor Cerberus sieht sich in Deutschland nach Akquisitionen um. Sollte sich eine Gelegenheit bieten, seien auch große Zukäufe möglich, sagte Chairman John W. Snow dem Handelsblatt. Die Finanzkrise habe nicht nur negative Auswirkungen.
MÜNCHEN. "Wir sind sehr positiv für Deutschland gestimmt", sagte Snow. Zu konkreten Verhandlungen wollte sich der Manager jedoch nicht äußern. Cerberus verhandelt laut Finanzkreisen mit Siemens über einen Kauf der verlustreichen Telefonsparte SEN und ist an Teilen der angeschlagenen Bank IKB interessiert.
Grundsätzlich lege sich Cerberus auf keine Branchen fest, sondern investiere in alle Industrien, sagte Snow. Die Finanzkrise habe nicht nur negative Auswirkungen. "Für einen gut kapitalisierten Private-Equity-Fonds bietet das neue Umfeld eine Menge Möglichkeiten." So benötige derzeit der Finanzsektor Eigenkapital. Der deutsche Bankenbereich sei dabei für Cerberus grundsätzlich von Interesse. "Wir haben die Expertise", sagte Snow. In Österreich hat sich Cerberus bereits die Bawag gesichert.
Nach Einschätzung des früheren US-Finanzministers ist es noch zu früh, um zu beurteilen, ob die Finanzkrise bereits ihren Tiefpunkt durchschritten hat. Die Investoren, die bereits wieder eingestiegen seien, hätten dies schmerzhaft zu spüren bekommen.
Die Krise habe aber auch eine reinigende Wirkung für die Private-Equity-Branche. "Das ist durchaus eine gesunde Entwicklung." Die Preise seien wieder auf ein vernünftiges Niveau gefallen. Durch die Subprime-Krise wurden einige Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen schwer gebeutelt. So musste Konkurrent Carlyle sogar einen Fonds schließen.
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Deutschland sei ein guter Standort für Investoren, sagte Snow. Zwar bremse der starke Euro. "Aber ein guter Deal ist ein guter Deal." Angesichts der Diskussion über die Branche hierzulande betonte er, dass Cerberus die Unternehmen nicht ausquetschen, sondern langfristig begleiten wolle.
Cerberus gilt in der Branche als ein aggressiver Investor, der hart zu verhandeln weiß. Bei Siemens SEN sicherten sich die Amerikaner nach Handelsblatt-Informationen mit einem guten ersten Angebot zunächst exklusive Gespräche. In den Detailverhandlungen stellte Cerberus dann eine Reihe von Bedingungen, so dass Siemens die Bieterrunde schließlich wieder für andere Interessenten öffnete. Wann es zu einem Abschluss kommen wird, ist derzeit noch offen. Snow wollte sich nicht zu konkreten Übernahmezielen äußern. Man schaue sich die Bücher aber stets genau an.
Cerberus hatte unter anderem mit der Übernahme der angeschlagenen amerikanischen Automarke Chrysler für Aufsehen gesorgt. Die Finanzinvestoren kauften den Konzern von Daimler. Die Schwaben hatten zuvor jahrelang versucht, Chrysler in die schwarzen Zahlen zu bringen.

