Der neue Mann an der KfW-Spitze opfert nach zweieinhalb Wochen im Amt zwei Vorstände. Er muss die Förderbank neu ordnen, um das Pannen-Image loszuwerden.
FRANKFURT/BERLIN. Seinen Antritt als Vorstandsvorsitzender der staatseigenen Förderbank KfW hatte sich Ulrich Schröder sicher ganz anders vorgestellt. Mit dem Verkauf der kriselnden Mittelstandsbank IKB
an den US-Investor Lone Star wollte er schon vor seinem offiziellen Start Anfang September reinen Tisch bei der KfW machen. Er wollte Ruhe in die Frankfurter Förderbank bringen und deren Strukturen modernisieren. Doch dann kam der 15. September mit der mittlerweile zum Politikum gewordenen Überweisung der KfW an die US-Investmentbank Lehman
Brothers.
Nicht mit 300 Mill. Euro, sondern sogar mit 350 Mill. Euro belastet der Fehltritt die Förderbank. Zudem hält die KfW rund 185 Mill. Euro an Lehman
-Wertpapieren in der Bilanz. Nur einen Bruchteil des Geldes wird sie aus der Insolvenzmasse von Lehman
wiedersehen. "Ein klarer Hinweise, dass das Risikomanagement bei der KfW nicht intakt ist", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).
Die Folge: Gleich am Tag 18 als Vorstandschef suspendierten Schröder und sein Verwaltungsrat zwei Vorstände mit sofortiger Wirkung: den bis Ende August für das Risikomanagement verantwortlichen Peter Fleischer und den seit September damit betrauten Detlef Leinberger. Auch der für das Risikocontrolling verantwortliche Bereichsleiter Rainer Hartje wird beurlaubt und muss um seinen Job zittern. Gleichzeitig erhielt Schröder selbst aber Rückendeckung auf seiner ersten Sitzung mit den 36 Mitgliedern des KfW-Verwaltungsrats. "Der Verwaltungsrat unterstütze "ausdrücklich die Initiative des Vorstandsvorsitzenden", die Geschäftsabläufe und das Risikomanagement der KfW zu überprüfen, teilte die KfW nach der Verwaltungsratssitzung mit. Mit externer Hilfe will die KfW das Risikomanagement durchleuchten. Eine Anwaltskanzlei soll zudem die Umstände, die zur Lehman
-Überweisung geführt haben, prüfen.
Der 350-Millionen-Euro-Fehltritt der KfW
Schröder arbeitet ohnehin daran, die Organisationsstrukturen der KfW zu reformieren. Im Vorstand hat er die Verantwortung für die Geschäftsbereiche und Zuständigkeiten wie Risiko- oder Finanzmanagement klarer getrennt. Ähnliches soll auch in den Ebenen darunter geschehen. Schröder will das nach dem Milliardenverlust im Zuge der IKB
-Rettung angestoßene Sparprogramm zu einem Modernisierungsprogramm erweitern. Dabei berät die Unternehmensberatung McKinsey die Bank, die im vergangenen Jahr mehr als 87 Mrd. Euro Fördergelder für Mittelstand, Umwelt und Entwicklungshilfe ausgab. Die IKB
ist Schröder derweil los. Den Verkauf an den US-Finanzinvestor Lone Star beschloss der Verwaltungsrat mit zwei Gegenstimmen.

