Chef von Goldman Sachs: Alexander Dibelius: „Es geht hier nicht nur ums Geldverdienen“

Chef von Goldman Sachs
Alexander Dibelius: „Es geht hier nicht nur ums Geldverdienen“

Interview mit dem Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland, Alexander Dibelius, zum Verkauf der 7,5-prozentigen Beteiligung von Daimler-Chrysler an EADS an eine Gruppe von Investoren.

Warum hat es so lange gedauert, bis der Verkauf des EADS-Pakets in trockenen Tüchern war?

Dibelius: Es stimmt, die ersten Gespräche zwischen den Beteiligten fanden schon Ende letzten Jahres statt. Allerdings handelt es sich hier um ein komplexes Projekt. Es mussten sowohl wirtschaftliche als auch politische Interessen unter einen Hut gebracht werden. Die besonderen rechtlichen Verhältnisse innerhalb des EADS-Konzerns machten die Transaktion noch schwieriger.

Was bringt eine reinrassig marktwirtschaftlich orientierte Bank wie Goldman Sachs dazu, EADS-Aktien zu kaufen und die Politik dabei zu unterstützen, eine Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich zu gewährleisten? Spielte die geplante Restrukturierung von Airbus eine Rolle?

Dibelius: Für uns gab es zwei Gründe uns zu engagieren. Zum einen fühlen wir uns dem Bund, Daimler-Chrysler und auch EADS verbunden, da wir in gewisser Weise einer der Geburtshelfer bei der Formierung der EADS waren und deshalb die Probleme des paneuropäischen Unternehmens kennen. Zudem war es nötig, die politische Balance zu halten und dabei einen halbwegs marktwirtschaftlichen Weg einzuschlagen. Mit der Restrukturierung von Airbus hatte das alles nichts zu tun.

Warum haben die Privatbanken 60 Prozent des EADS-Pakets übernommen?

Dibelius: Wir wollten klar zeigen, dass es sich hier nicht um ein staatlich verordnetes Engagement handelt, sondern marktwirtschaftliche Argumente den Ausschlag gaben.

Erhofft sich Goldman Sachs durch das Engagement bessere Chancen bei Kapitalmarkttransaktionen der öffentlichen Hand?

Dibelius: Nein, natürlich nicht. Goldman Sachs ist eine internationale Investmentbank. Wir versuchen als als guter Corporate Citizen auch Gestaltungsverantwortung zu übernehmen. Daneben gefällt uns natürlich das Unternehmen selbst, sonst würden wir uns nicht engagieren.

Wo liegt der wirtschaftliche Reiz der Anlage in EADS-Aktien? Setzen Sie auf Kursgewinne?

Dibelius: Das ökonomische Motiv, Geld zu verdienen, steht hier nicht im Vordergrund. Auch wenn ich nicht mit Verlusten durch unser Engagment rechne. Natürlich bietet die höhere Dividende von insgesamt 175 Prozent einen gewissen wirtschafltichen Anreiz. Zudem sind die Analysten von Goldman Sachs positiv für EADS gestimmtt. Aber Spekulantionsmotive spielen sicher keine Rolle. Uns geht es vor allem darum, im Interesse von Bund, Daimler-Chrysler und des Unternehmens bei der Lösung eines Problemes zu helfen.

Wie werden sich die neuen Aktionäre von EADS verhalten, falls eine Kapitalerhöhung notwendig werden sollte? Rechnen Sie damit?

Dibelius: Sich zu einer möglichen Kapitalerhöhung zu äußern, wäre pure Spekulation. Grundsätzlich bleibt es aber jedem der neuen Aktionäre frei, so zu reagieren, wie er es für richtig hält. Es gibt keine vertraglichen Verpflichtungen oder Klauseln.

Gehen Sie davon aus, dass Daimler-Chrysler bis Mitte 2010 eine Lösung für das EADS-Paket über 7,5 Prozent finden wird?

Dibelius: Ich hoffe doch. Die Zusatzdividende kommt Daimler-Chrysler relativ teuer. Es liegt deshalb im Interesse der Stuttgarter, einen langfristigen, strategischen Interessenten für das Luftfahrtgeschäft zu gewinnen. Findet Daimler keine Lösung, hat der deutsche Staat ein Vorkaufsrecht. Macht er davon keinen Gebrauch, kann die französische Seite zugreifen. Erst danach haben wir Banken die Möglichkeit, die Aktien an dem Beteiligungsunternehmen über einen Verkauf am Markt zu verwerten. Soweit wird es aus meiner Sicht aber nicht kommen.

Die Fragen stellte Robert Landgraf

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