Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hat im dritten Quartal einen Gewinnsprung verbucht. Wie die nach Marktwert weltgrößte Bank am Donnerstag außerdem mitteilte, will sie sich an der südafrikanischen Standard Bank Group beteiligen – das wäre ein Meilenstein.
HB HONGKONG. Der Ertrag von ICBC stieg in den Monaten Juli bis September um knapp 76 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro (22,46 Mrd. Yuan) nach 1,2 Mrd. Euro vor Jahresfrist. Vor allem die größere Zinsmarge und die gewachsenen Gebühreneinnahmen hätten zu dem guten Ergebnis beigetragen.
Außerdem teilte die Bank mit, sie wolle für 3,9 Mrd. Euro einen 20-prozentigen Anteil an der südafrikanischen Standard Bank Group übernehmen. Der Kauf wäre die bislang größte Auslandsbeteiligung eines chinesischen Instituts. Die Standard Bank ist in 18 Ländern Afrikas und in 21 anderen Ländern weltweit tätig. Ihr Aktienkurs sprang nach der Bekanntgabe der ICBC-Pläne um fast sechs Prozent auf ein Rekordhoch. Eine weitergehende Aufstockung der Beteiligung über 20 Prozent sei derzeit aber nicht geplant, erklärte die ICBC.
Die Regierung in Peking ermuntert ihre Konzerne derzeit zur Expansion im Ausland, besonders in Schwellenländern. China investierte zuletzt in großem Stil in ressourcenreiche Länder Afrikas und zog sich dabei Kritik aus dem Westen zu, korrupte Regierungen zu unterstützen. China wiederum wirft dem Westen in Afrika Versagen vor. Die Investitionen aus China dagegen würden auf dem ärmsten Kontinent der Welt zu höherem Wohlstand beitragen.
Die ICBC erklärte am Donnerstag zudem, sie wolle den Anteil ihres Auslandsgeschäfts in den kommenden Jahren mehr als verdreifachen auf etwa zehn Prozent. Die Kassen der größten chinesischen Bank sind für diese Expansionspläne gut gefüllt: Im vergangenen Jahr erbrachte der Börsengang des Bankhauses in Hongkong und Shanghai 15,4 Mrd. Euro. Der Aktienskurs der ICBC legte in Hongkong seitdem um 45 Prozent zu, in Shanghai um 23 Prozent. An dem Institut sind auch die Allianz, Goldman Sachs und American Express beteiligt.

