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29.11.2007 
Ping An steigt bei Finanzkonzern Fortis ein

Chinesischer Versicherer auf Einkaufstour in Europa

von Andreas Hoffbauer

Erstmals kauft sich eine chinesische Versicherung in Europa ein. Der Finanzkonzern Ping An Insurance hat rund 4,2 Prozent am belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis übernommen und sich das einiges kosten lassen.

PEKING Der Anteil, der bis zu 4,99 Prozent erhöht werden darf, wurde für 1,8 Mrd. Euro über die Börsen in Amsterdam und Brüssel gekauft. Fortis sei darüber informiert gewesen, teilte Ping An am Donnerstag mit.

Der zweitgrößte chinesische Lebensversicherer setzt damit die jüngste Einkaufstour der chinesischen Finanzbranche im Ausland fort. Bislang wurden rund 17 Mrd. Dollar in ausländsiche Anteile investiert, unter anderem in Anteile bei der britischen Barclays Bank und der südafrikansichen Standard Bank Group. Auch Branchenführer China Life erklärte gestern, man plane einen strategischen Zukauf auf dem europäischen oder auf dem US-Markt.

Analysten erwarten weitere Zukäufe chinesischer Anbieter auf den internationalen Finanzmärkten. "Ich rechne damit, dass sich in nächster Zeit weitere Banken und Versicherungen aus China an Firmen im Ausland beteiligen“, so Ivo Naumann von der Beratungsgesellschaft Alix Partners Asia in Schanghai.

Bereits im Mai hatte die neue staatliche Investmentbehörde einen Drei-Milliarden-Dollar-Anteil an Blackstone erworben. Im vergangenen Monat teilte die Industrial and Commercial Bank of China mit, sie wolle für 3,9 Mrd. Euro einen 20-prozentigen Anteil an der südafrikanischen Standard Bank Group übernehmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Aktien der beteiligten Unternehmen reagieren deutlich

Auch Anthony Muh, Fondsmanager von Alliance Trust Asset Management, rechnet mit weiteren internationalen Zukäufe: "Wir werden ganz bestimmt davon noch mehr sehen.“ Dennoch überraschte der Zukauf die Analysten und Investoren. Der Aktienkurs von Ping An legte am Donnerstag kräftig zu, lag zum Börsenschluss in Hongkong rund 6,6 Prozent im Plus. Die Papiere von Fortis starteten am Donnerstag mit einem Zuwachs von 6,1 Prozent bei 19,27 Euro in den Handel. Dort wird davon ausgegangen, dass es sich um ein strategisches langfristiges Investment von Ping An handelt, dass möglicherweise noch weiter ausgebaut werde.

Der Börsenwert von Ping An erreicht damit rund 100 Mrd. Dollar und liegt etwa 60 Prozent über dem Wert von Fortis. Nach relativ schwachen Quartalszahlen durch die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise ist der Kurs von Fortis seit Anfang April um fast 40 Prozent gesunken.

Ping An, an der die britische HSBC mit 17 Prozent beteiligt ist, wird einer der größten Fortis -Aktionäre. Präsident Louis Cheung wird in den Vorstand der Bank einziehen, die zu ABN Amro gehört. Chairman Peter Ma machte gestern klar, dass es dem chinesischen Konzern nicht nur um eine gute Finanzanlage gehe. "Ping An wird von Fortis großer Erfahrung profitieren“, so der Chinese. Beim Risikomanagement und beim Aufbau neuer Finanzprodukte könne Ping An lernen.

Chinas Finanzbranche ist bislang kaum international aufgestellt, zudem sind in der Volksrepublik Versicherungen und Sparanlagen kaum verbreitet. Darum setzen viele Chinesen ihr Ersparten an der Börse ein, was zu einem enormen Börsenboom geführt hat.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Chinesischen Konzernen bleibt nur die globale Expansion

Da inzwischen auch ausländische Anbieter – allen voran American international Group (AIG), aber auch Axa Winterthur und der deutsche Allianz -Konzern – in China Lebens- und Sachversicherungen anbieten, bleibt den chinesischen Konzernen nur noch die globale Expansion, so Analysten. "Nur so können sie Größe und Expertise bekommen.“

Darum mache die Partnerschaft von Fortis und Ping An "sehr viel Sinn“, so Bankenexperte Ivo Naumann. Fortis sei schon immer sehr international gewesen und bereits in China vertreten. "Und Ping An ist wie Fortis ein Allfinanzkonzern.“ Allerdings dominiert bei den Chinesen das Versicherungsgeschäft, während die Europäer eher eine Bank mit Versicherung sind. "Beide passen wunderbar zusammen“, so Naumann.

Aber auch finanziell sei das Geschäft für die Chinesen interessant, meint UBS -Analystin Sally Ng: "Sie bekommen so eine harte Euro-Währung.“ Und Ping An plant, sein Geschäft stark über das Versicherungsgeschäft auszuweiten. In Zukunft sollen rund zwei Drittel aller Umsätze aus dem Bankenbereich kommen.

Pin An wurde 1988 in Shenzhen gegründet und gilt als moderner und stark expandierender Versicherungskonzern. Branchenführer China Life ist der alte Staatskonzern, der seinen Sitz in Peking hat. "Ausländsiche Banken sind momemntan sehr attraktiv, nachdem die Subprime-Krise deren Aktienkurse hat fallen lassen“, erklärte gestern ein Vorstandsmitglied von China Life in Peking. Auch Chinas Versicherungsriese sei darum "sehr interessiert“ an Zukäufen im Ausland. Nach den Vorschriften Pekings dürfen Chinas Versicherungen nur 15 Prozent ihres Firmenwertes im Ausland investieren.

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