Es tut sich was in der deutschen Bankenbranche – doch wieder einmal haben Ausländer die Nase vorn. Die beiden führenden deutschen Geldhäuser, Deutsche Bank und Commerzbank, haben zwar kräftig am Fusionskarussell mitgedreht, doch am Ende bekam die französische Crédit Mutuel im Bietergefecht um die Citibank Deutschland den Zuschlag.
Banken-Hochhäuser in Frankfurt: Die deutschen Institute geraten unter Druck, nachdem sie beim Verkauf der Citibank leer ausgegangen sind. Foto: ap
HB FRANKFURT. Den deutschen Großbanken bleibt nach dem Coup der Franzosen, die nach Einschätzung von Branchenkennern allein deshalb zum Zug kamen, weil sie mehr Geld auf den Tisch legten, nun noch die Postbank als lohnendes Übernahmeobjekt im umkämpften deutschen Privatkundenmarkt. Und diese Chance sollten sie nach Meinung etlicher Experten nutzen, um das starre deutsche Bankensystem endlich aufzulockern und die hiesigen Banken insgesamt international wettbewerbsfähiger zu machen.
„Immer dann, wenn sich eine Chance zur Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes bietet, ist keine deutsche Bank da“, sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck. Im Jahr 2000 übernahm die schwedische SEB die frühere Gewerkschaftsbank BfG (Bank für Gemeinwirtschaft), 2005 wurde die italienische Unicredit Mutter der Hypo-Vereinsbank, nun schnappte sich die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel die deutsche Privatkundentochter der US-Citigroup.
„Ich verstehe nicht, warum deutsche Banken nicht bereit sind, auch mal einen strategischen Preis zu bezahlen. Finanziell zu stemmen wäre das in jedem Fall gewesen“, sagt Schiereck. Der letzte große Coup in der deutschen Finanzbranche liegt mehr als sieben Jahre zurück: 2001 schluckte die Allianz die Dresdner Bank, doch die belastet den Versicherungskonzern heute derart, dass er die von der Finanzmarktkrise gebeutelte Tochter wieder loswerden will.
Bei der deutschen Citibank war die Deutsche Bank dem Vernehmen nach bis zum Schluss im Rennen. Am Ende sei der deutsche Branchenprimus aber nicht bereit gewesen, den hohen Preis zu zahlen, sagt ein Finanzexperte: „Die Deutsche Bank hat Übernahmedisziplin gezeigt.“ Noch Anfang dieser Woche hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann betont, sein Institut werde nicht um jeden Preis zukaufen: „Ich möchte mir nicht den Ruf einhandeln, Entscheidungen getroffen zu haben, die die künftigen Generationen in der Bank belasten.“

