Einigen der bereits durch das US-Hypothekendesaster angeschlagenen Großbanken droht ein neuer, teurer Krisenherd. Erst am Donnerstag musste der US-Finanzkonzern Citigroup
Anleihen für 7,3 Milliarden Dollar zurückkaufen. Auch die Deutsche Bank
ist von Klagen betroffen.
NEW YORK / DÜSSELDORF. Der US-Finanzkonzern Citigroup
hat am Donnerstag mit dem New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo einen Milliardenvergleich geschlossen und sich so aus Ermittlungen wegen Falschberatung von Kleinanlegern herausgekauft. Das Institut wird für 7,3 Mrd. Dollar sogenannte Auction Rate Securities (ARS) zurückkaufen und zudem 100 Mill. Dollar Strafe zahlen.
Cuomo hatte der Citigroup
vorgeworfen, Kleinanlegern diese von der Finanzkrise massiv betroffenen Papiere fälschlicherweise als sichere Anlage verkauft zu haben. Andere Institute haben ähnliche Klagen am Hals. "Nun entsteht Druck auf andere Marktteilnehmer wie etwa UBS
, Merrill Lynch
und HSBC
, sich ähnlich zu verhalten", sagte Brian Yelvington, Analyst bei Creditsights in New York. Citigroup
-Aktien verloren nach Bekanntwerden des Vergleichs mehr als vier Prozent, Merrill-Lynch-Papiere fast neun Prozent.
ARS sind Anleihen von meist öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, deren Zinssätze bei Auktionen festgelegt werden. Der Vorwurf gegen die Banken: Sie hätten diese Papiere Anlegern als sicher und liquide angedient. Doch der 330-Mrd.-Dollar-Markt für ARS brach durch die Finanzkrise zusammen. Einige Papiere notieren derzeit nur noch bei zehn Prozent ihres Einstandspreises. Während institutionelle Kunden der Citigroup
weiter auf den Papieren sitzen bleiben, kauft die Bank 40 000 Privatiers und Stiftungen die Papiere zum Einstandspreis ab. "Damit geschieht den Konsumenten Gerechtigkeit", sagte Cuomo.
Die Deutsche Bank
betreut im ARS-Geschäft zwar vor allem Großkunden, sieht sich aber trotzdem mindestens einer Sammelklage von Kleinanlegern gegenüber. "Die Deutsche Bank
hat ihre Kunden falsch beraten und so getan, als seien ARS wie Bargeld", sagte die mit einer Sammelklage betraute Rechtsanwältin Dena Sharp von der Kanzlei Girard Gibbs aus San Francisco. Sie verlangt, die Deutsche Bank
solle wie die Citigroup
die Papiere zum Einstandspreis zurücknehmen. In welchem Volumen das Institut ARS an Privatleute verkauft habe, konnte sie nicht sagen. Die Deutsche Bank
wollte sich nicht dazu äußern.
Die Schweizer UBS
hat ARS für 24 Mrd. Dollar verkauft und sieht sich deswegen drei derzeit laufenden Klagen gegenüber. Neben New York sind auch Staatsanwaltschaften in Massachusetts und Texas mit der Aufklärung der Vorgänge befasst. "Wir suchen gemeinsam mit Regulatoren, Konkurrenten und Industrievereinigungen nach einer Lösung", sagte eine Sprecherin gestern in Zürich. Für eine Sonderform der betroffenen Anlagevehikel hatte die UBS
bereits Mitte Juli ein Rückkaufangebot in Höhe von 3,5 Mrd. Dollar gemacht, das derzeit noch von den Beteiligten geprüft wird. Die Schweizer Bank war damit das erste Geldhaus, das entsprechenden Forderungen von Kunden nachgegeben hatte.

